Blog: Audienz beim Papst
Blog: Audienz beim Papst
Freitag, 5. März 2010 - 06:53 Uhr
GENERALAUDIENZ Mittwoch, 3 März 2010
Liebe Brüder und Schwestern!
Wenn ich bei der heutigen Katechese über den hl. Bonaventura spreche, tue ich es nicht ohne eine gewisse Nostalgie. Denn dieser Heilige ist mir im Studium und zu Beginn meiner wissenschaftlichen Tätigkeit ein Vorbild und ein Begleiter geworden, dem ich Wesentliches für meine geistliche Prägung verdanke. Bonaventura wurde um 1217 in Bagnoregio etwa 80 km nördlich von Rom geboren. Seine Lebenszeit fällt mitten in jenes 13. Jahrhundert, das sich durch eine große Blüte des Glaubens, des Wissens und der Kultur auszeichnete. Schon früh wurde Bonaventura, der mit weltlichem Namen Giovanni Fidanza hieß, von der Gestalt des hl. Franz von Assisi berührt, den er persönlich allerdings nicht mehr erlebt hat. Bonaventura erzählt, daß er als Kind schwer erkrankte. Keiner konnte ihm helfen. Sein Vater, der Arzt war, hatte ihn schon aufgegeben. Da rief die Mutter in ihrer Not den gerade heiliggesprochenen Franziskus an, und der Knabe wurde wieder gesund. Er ging dann nach Paris zum Studium und begegnete dort den Franziskanerbrüdern, die auch als Professoren an der Universität wirkten. Er war von ihrem Glaubenseifer und vor allem von ihrer Bedürfnislosigkeit so fasziniert, daß er selbst in diesen Orden eintrat. Im Laufe seines Lebens hatte er hohe Ämter inne, er wurde zuerst selbst Professor in Paris, dann Generalminister seines Ordens und schließlich Kardinal. Aber bei allem blieb er dem Armutsideal seines Ordens verpflichtet. Die Leuchtkraft der Kirche, das war seine tiefe Überzeugung, gründet in der Berufungstreue gerade jener Söhne und Töchter, die nicht nur die Gebote Gottes in die Tat umsetzen, sondern die darüber hinausgehenden Ratschläge, die uns das Evangelium gibt, und durch ein Leben in Armut, Keuschheit und Gehorsam dafür Zeugnis ablegen, daß das Evangelium uns Quelle erfüllten Lebens und einer bleibenden inneren Freude ist. Als bedeutender Theologe nahm Bonaventura an den Vorbereitungen zum 2. Konzil von Lyon teil, dessen Ziel die Versöhnung zwischen griechischer und lateinischer Kirche, also der Ökumenismus in den damaligen Maßstäben war. Er konnte die Union noch erleben, die allerdings nicht haltbar war, ist aber 1274 während des Konzils gestorben.
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Von Herzen grüße ich alle deutschsprachigen Pilger und Besucher. Christus, das lernen wir von Bonaventura, gilt es immer mehr kennenzulernen, zu lieben und dann auch nachzuahmen. So finden wir die Mitte unseres Lebens und können der Geschichte in positiver Weise Gestalt geben. Dazu schenke uns allen Gott seine Gnade.
Freitag, 5. März 2010 - 06:52 Uhr
GENERALAUDIENZ Mittwoch, 17. Februar 2010
Liebe Brüder und Schwestern!
Am heutigen Aschermittwoch beginnen wir den Weg der Fastenzeit: einen Weg, der sich über vierzig Tage erstreckt und uns zur Freude des Pascha des Herrn führt. Auf diesem geistlichen Weg sind wir aber nicht allein, weil uns die Kirche begleitet und uns von Anfang an mit dem Wort Gottes, das ein Programm des geistlichen Lebens und des Bemühens um Buße einschließt, und mit der Gnade der Sakramente beisteht.
Die Worte des Apostels Paulus geben uns eine klare Anweisung: »Als Mitarbeiter Gottes ermahnen wir euch, daß ihr seine Gnade nicht vergebens empfangt … Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade; jetzt ist er da, der Tag der Rettung!« (2 Kor 6,1–2). In Wahrheit muß in der christlichen Lebensauffassung jeder Augenblick als begnadet gelten und jeder Tag ein Tag des Heils genannt werden; aber die Liturgie der Kirche bezieht diese Worte in ganz besonderer Weise auf die Fastenzeit. Und daß die vierzig Tage in Vorbereitung auf Ostern eine Zeit der Gnade sind, können wir gerade in dem Aufruf verstehen, den der strenge Ritus der Aschenauflegung an uns richtet und der in der Liturgie mit zwei Formeln ausgedrückt wird: »Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium!«, »Bedenke, Mensch, daß du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst«.
Der erste Aufruf gilt der Umkehr, ein Wort, das in seiner außerordentlichen Ernsthaftigkeit wahrgenommen werden muß, wenn man die überraschende Neuheit begreift, die es freisetzt. Der Aufruf zur Umkehr deckt nämlich anklagend die leichtfertige Oberflächlichkeit auf, die unser Leben sehr oft kennzeichnet. Umkehren bedeutet, die Richtung auf dem Lebensweg zu ändern: freilich nicht durch eine kleine Korrektur, sondern durch eine echte Richtungsänderung. Umkehr heißt, gegen den Strom zu schwimmen, wobei der »Strom« der oberflächliche, inkonsequente und trügerische Lebensstil ist, der uns oft mit sich reißt, uns beherrscht und zu Knechten des Bösen oder jedenfalls zu Gefangenen moralischer Mittelmäßigkeit macht. Mit der Umkehr hingegen strebt man nach dem hohen Maßstab des christlichen Lebens, vertraut sich dem lebendigen und persönlichen Evangelium an, das Christus Jesus ist. Seine Person ist das Endziel und der tiefe Sinn der Umkehr; er ist der Weg, auf dem zu gehen alle im Leben berufen sind, indem sie sich von seinem Licht erleuchten und von seiner Kraft, die unsere Schritte lenkt, stützen lassen. Auf diese Weise zeigt die Umkehr ihr wunderbares und faszinierendes Gesicht: Sie ist keine bloße moralische Entscheidung, die unsere Lebensführung berichtigt, sondern eine Glaubensentscheidung, die uns vollständig in die tiefe Gemeinschaft mit der lebendigen und konkreten Person Jesu Christi einbezieht. Sich zu bekehren und an das Evangelium zu glauben sind nicht zwei verschiedene oder lediglich nebeneinandergestellte Dinge, sondern Ausdruck ein und derselben Wirklichkeit. Die Umkehr ist das totale »Ja« dessen, der sein Dasein dem Evangelium übereignet und so frei Christus antwortet, der sich zuerst dem Menschen als der Weg, die Wahrheit und das Leben anbietet, als derjenige, der allein ihn befreit und ihn rettet. Genau das ist der Sinn der ersten Worte, mit denen Jesus nach dem Evangelisten Markus die Verkündigung des »Evangeliums Gottes« aufnimmt: »Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium« (Mk 1,15).
Das Wort »Kehrt um und glaubt an das Evangelium« steht nicht nur am Beginn des christ - lichen Lebens, sondern begleitet alle seine Schritte, erneuert sich ständig und verbreitet sich durch Verzweigungen in allen seinen Äußerungen. Jeder Tag ist eine Zeit der Gnade, weil uns jeder Tag dazu auffordert, uns Jesus zu überlassen, Vertrauen in ihn zu haben, in ihm zu bleiben, seinen Lebensstil zu teilen, von ihm die wahre Liebe zu lernen, ihm in der täglichen Erfüllung des Willens des Vaters, des einzigen großen Lebensgesetzes, zu folgen. Jeder Tag, auch dann, wenn es an Schwierigkeiten und Mühen, Ermüdungen und Niederlagen nicht fehlt, auch wenn wir versucht sind, den Weg der Nachfolge Christi zu verlassen und uns in uns selbst, in unseren Egoismus zu verschließen, ohne uns Rechenschaft über die Notwendigkeit zu geben, uns der Liebe Gottes in Christus zu öffnen, um dessen Logik der Gerechtigkeit und Liebe zu leben. In der jüngsten Botschaft zur Fastenzeit habe ich daran erinnert, daß es »Demut braucht, um anzunehmen, daß ich jemand anderen nötig habe, der mich aus dem ›Meinen‹ befreit, der mir freigiebig das ›Seine‹ schenkt. Das geschieht in besonderer Weise in den Sakramenten der Buße und der Eucharistie. Dank der Erlösungstat Christi wird uns die ungleich größere Gerechtigkeit zuteil, jene, die aus der Liebe erwächst (vgl. Röm 13,8–10), in der man sich stets mehr als Empfänger denn als Gebender fühlt, weil man mehr empfangen hat, als man eigentlich erwarten kann« (O.R. dt., 12.02.2010, S. 7).
Die gnadenreiche Zeit der Fastenzeit zeigt uns die eigentliche geistliche Bedeutung auch durch die alte Formel: »Bedenke, Mensch, daß du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst«, die der Priester spricht, wenn er ein wenig Asche auf unser Haupt legt. Auf diese Weise werden wir zu den Anfängen der Menschheitsgeschichte zurückgeführt, als der Herr nach dem Sündenfall zu Adam sprach: »Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zum Ackerboden, von ihm bist du ja genommen. Denn Staub bist du, zum Staub mußt du zurück« (Gen 3,19). Hier erinnert uns das Wort Gottes an unsere Gebrechlichkeit, ja an unseren Tod als deren äußerste Form. Angesichts der angeborenen Angst vor dem Ende und noch mehr im Bereich einer Kultur, die auf so viele Weisen die Wirklichkeit und die menschliche Erfahrung des Sterbens zu zensurieren versucht, erinnert uns die Liturgie der Fastenzeit einerseits an den Tod und lädt uns zum Realismus und zur Weisheit ein; andererseits aber drängt sie uns vor allem dazu, die unerwartete Neuheit anzunehmen und zu leben, die der christliche Glaube in der Wirklichkeit des Todes selbst ausströmt.
Der Mensch ist Staub und wird zum Staub zurückkehren; aber er ist in den Augen Gottes kostbarer Staub, weil Gott den Menschen geschaffen und ihn zur Unsterblichkeit bestimmt hat. So findet die liturgische Formel »Bedenke, Mensch, daß du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst«, ihre volle Bedeutung in bezug auf den neuen Adam: Christus. Auch Jesus, der Herr, hat aus freiem Willen mit jedem Menschen das Los der Gebrechlichkeit teilen wollen, besonders durch seinen Tod am Kreuz; aber gerade dieser von seiner Liebe zum Vater und zur Menschheit erfüllte Tod war der Weg zur glorreichen Auferstehung. Durch sie ist Christus Quell einer Gnade geworden, die allen geschenkt ist, die an ihn glauben und am göttlichen Leben selbst Anteil erhalten. Dieses Leben, das kein Ende haben wird, ist bereits in der irdischen Phase unseres Daseins wirklich, wird aber erst nach der »Auferstehung des Fleisches« vollendet werden. Die kleine Geste der Aschenauflegung enthüllt uns den einzigartigen Reichtum ihrer Bedeutung: Sie ist eine Einladung, die Fastenzeit als ein bewußteres und innigeres Eintauchen in das Ostergeheimnis Christi, in seinen Tod und seine Auferstehung zu begehen, durch die Teilnahme an der Eucharistie und am Leben der Nächstenliebe, das aus der Eucharistie entsteht und in der es seine Erfüllung findet. Mit der Aschenauflegung erneuern wir unseren Einsatz, Jesus nachzufolgen, uns von seinem Ostergeheimnis verwandeln zu lassen, um das Böse zu besiegen und das Gute zu tun, um unseren »alten Menschen«, der an die Sünde gebunden ist, sterben zu lassen und unseren »neuen Menschen«, der durch die Gnade Gottes verwandelt ist, geboren werden zu lassen.
Liebe Freunde! Während wir uns anschicken, den strengen Weg der Fastenzeit einzuschlagen, wollen wir mit besonderem Vertrauen den Schutz und die Hilfe der Jungfrau Maria erbitten. Sie, die erste, die an Christus geglaubt hat, möge uns in diesen vierzig Tagen intensiven Gebets und aufrichtiger Buße begleiten, damit wir schließlich, geläutert und geistig wie seelisch vollkommen erneuert, das große Geheimnis des Paschas ihres Sohnes feiern können.
Allen eine gute Fastenzeit!
Wir hören heute in der Liturgie das Wort des heiligen Paulus: »Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade; jetzt ist er da, der Tag der Rettung« (2 Kor 6,2). Diese Worte gelten in gewisser Hinsicht immer. Immer bietet uns Gott die Gnade an, aber sie gelten in ganz besonderer Weise für die Fastenzeit als eine ganz spezifische Einladung, uns wieder auf Gott zu besinnen. Das Aschenkreuz und die Schriftzitate, die diesen Ritus begleiten, weisen uns die Richtung auf dem vierzigtägigen Weg zum Osterfest. Bei der Auflegung der Asche können zwei Formeln verwendet werden. Die eine lautet: »Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!« (Mk 1,15). Es ist das Wort, mit dem nach Markus die Verkündigung Jesu überhaupt begonnen hat. Umkehr und Glaube an das Evangelium sind nicht zwei getrennte Vorgänge. Christliche Bekehrung ist nicht einfach ein Moralismus, sondern ist die Hinkehr zu dem, was der Herr uns sagt, ist Glaube an das Evangelium, Hineintreten in die Botschaft des Evangeliums und Sich-umwandeln-Lassen durch das Evangelium. Deswegen ist aber auch die Umkehr nicht ein einmaliger Akt, und dann geht alles gut weiter, sondern ein Prozeß, der unser ganzes Leben durchzieht. Immer neu müssen wir uns aus der Mittelmäßigkeit, in die wir immer wieder hinunterfallen, herausreißen lassen in die Größe des Evangeliums hinein, in das eigentliche Maß, das Gott unserem Menschsein zugedacht hat. Der Glaube an das Evangelium führt uns zu der Liebe, die in Christus wirksam wird. Ich erwähne noch kurz die zweite Formel, die möglich ist bei der Aschenauflegung: Mensch, du bist Staub. »Bedenke, daß du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst.« Es ist das Wort, das Gott nach dem Sündenfall zu Adam gesprochen hatte, wo er den Menschen an seine Vergänglichkeit erinnert. Aber die Vergänglichkeit des Menschen, die uns immer wieder neu aufrufen soll, über den Augenblick hinauszuschauen, ist zugleich überwunden durch den Tod Christi, der sie in Auferstehung umgewandelt hat, so daß wir diesen Ruf der Vergänglichkeit zugleich als Einladung und als Wegweisung zur Auferstehung mit Christus hin sehen dürfen. In diesem Sinn wollen wir uns anrühren lassen vom Wort des Herrn: Kehrt um, und glaubt! Werdet neu, geht auf die Auferstehung zu!
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Liebe Pilger und Besucher aus den Ländern deutscher Sprache, liebe Diakone aus dem Bistum Würzburg, aus dem Blick auf Christus erhält dieser zweite Aufruf des Aschenkreuzritus seine volle Bedeutung: »Bedenke, Mensch, daß du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst« (vgl. Gen 3,19). Ja, wir sind Staub, zerbrechlich, unser irdisches Leben wird vergehen, aber die Auferstehung Christi schenkt uns Hoffnung auf ein neues, wirklicheres Leben. Mit diesem Vertrauen gehen wir auf Ostern zu. Euch allen wünsche ich in diesem Sinn: Gesegnete Fastenzeit!
Freitag, 12. Februar 2010 - 09:08 Uhr
GENERALAUDIENZ Mittwoch, 10. Februar 2010
Liebe Brüder und Schwestern!
Der heilige Antonius von Padua ist zweifelsohne einer der beliebtesten Volksheiligen der Kirche. Antonius gehörte noch zur ersten Generation der Franziskaner und hat entscheidend an der Entwicklung der franziskanischen Spiritualität und Theologie mitgewirkt. Ursprünglich stammte Fernando – so hieß Antonius mit Taufnamen – aus Lissabon und wurde zunächst Augustiner-Chorherr. Unter dem Eindruck der Überführung der sterblichen Überreste der ersten franziskanischen Märtyrer aus Marokko trat er in den Franziskanerorden ein und erhielt den Namen Antonius. 1221 nahm er am Generalkapitel der Franziskaner in Assisi teil und begegnete dort auch dem heiligen Franziskus. Später wurde man eher zufällig auf seine große Predigtgabe aufmerksam wurde. So wurde Antonius nach Oberitalien und Südfrankreich gesandt, wo er viele Irrgläubige zur Umkehr und Rückkehr in die Kirche bewegen konnte. Als erster theologischer Lehrer seines Ordens legte er in solider Kenntnis der Heiligen Schrift und der Kirchenväter, vornehmlich des heiligen Augustinus, die Grundlagen für die spätere franziskanische Theologie. Antonius starb am 13. Juni 1231 bei Padua und wurde ein Jahr später heiliggesprochen. Seine beiden Predigtsammlungen zeugen von seiner tiefen und lebendigen Verkündigung, aus denen die Frische und Schönheit des Evangeliums spricht. So erhielt Antonius 1946 als Kirchenlehrer den Titel „doctor evangelicus“. Besonderen Wert legte der Heilige auf das Gebet, das unabdingbar ist für den Fortschritt im geistlichen Leben, auf die göttliche Liebe, die erst ein tieferes Erkennen möglich macht, und auf die Nächstenliebe, die die Seele des Glaubens ist. Dabei steht im Mittelpunkt seiner Verkündigung stets Christus. Die Betrachtung der Geheimnisse der Menschheit Jesu, vor allem seiner Geburt und seines Todes am Kreuz, weckt in uns die Liebe und die Dankbarkeit gegenüber Gott.
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Mit Freude grüße ich alle Pilger und Besucher deutscher Sprache. Der heilige Antonius helfe uns, in der Liebe zu Christus und zum Nächsten zu wachsen. Bitten wir ihn in diesem Priesterjahr um seine Fürsprache, daß es den Priestern und Diakonen heute gelingt, die Botschaft Christi freudig zu verkünden und die Herzen der Menschen für den Herrn zu öffnen. Gerne begleite ich euch alle mit meinem Segen.
Mittwoch, 3. Februar 2010 - 18:00 Uhr
GENERALAUDIENZ Mittwoch, 3. Februar 2010
Hl. Dominikus Guzmán
Liebe Brüder und Schwestern!
Vorigen Mittwoch habe ich über den heiligen Franz von Assisi gesprochen, heute will ich die Katechese einem seiner Zeitgenossen widmen, der ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur Erneuerung der Kirche im 13. Jahrhundert und darüber hinaus geleistet hat. Es ist der heilige Dominikus, der Gründer des Prediger- oder Dominikanerordens. Sein Biograph Jordan von Sachsen berichtet, daß sich der Heilige dadurch auszeichnete, daß er immer mit Gott oder über Gott sprach, daß Gott Mittelpunkt seines Denkens und Sprechens war. Seine Liebe und Verehrung galt Christus, und diese Liebe öffnete ihm das Herz für die Mitmenschen und für alles, was sie brauchen, besonders auch für das Heil der Seelen. Dominikus entstammte einer angesehenen kastilianischen Familie und wurde um 1170 in Caleruega geboren. Nach dem Studium an der Domschule in Palencia wurde er mit 25 Jahren Kanoniker am Domstift zu Osma. Auf verschiedenen Reisen mit seinem Bischof begegnete er den Albigensern, einer asketischen Gemeinschaft, die den Ausschweifungen ihrer Zeit, besonders auch des Klerus, ein Leben in Armut und Entsagung gegenüberstellten und dadurch attraktiv und glaubwürdig waren. Aber sie verfolgten zugleich ein dualistisches Weltbild, nach dem es zwei Prinzipien, nicht einen Gott, sondern zwei Prinzipien gibt: ein gutes und ein böses, und die Materie dem bösen Prinzip entspringt, so daß sie die Inkarnation, die Fleischwerdung Gottes ebenso wie die Auferstehung und die Sakramente ablehnen mußten. Dominikus setzte dieser Irrlehre die Wahrheit des Evangeliums entgegen, teilte aber mit ihnen den Mut zur Armut und Einfachheit sowie eine evangeliumsgemäße Lebensweise, so daß Wort und Leben übereinstimmten. Viele schlossen sich ihm an, wie er in der Nachfolge der Apostel wandernd umherzog und von Almosen lebte. Wichtig war ihm aber auch das Studium. Er wußte, daß der Glaube nicht nur Sentimentalität, sondern eine Sache des ganzen Menschen ist, daß zu ihm die Vernunft gehört. Deswegen hat er auch nachdrücklich zum Studium der Heiligen Schrift und zu ihrem inneren Verständnis als Grundlage für das Apostolat aufgerufen. Und so hat er auch seine Brüder an die Universitäten geschickt. Er wollte die Schönheit der Wahrheit, die von Gott kommt, immer neu betrachten und das Betrachtete den Menschen vermitteln. Damit das Apostolat gelingt, baute er außerdem auf zwei wichtige Säulen: die tiefe Liebe zur Muttergottes und das Gebet füreinander. Auf diese Weise haben die Söhne und Töchter des heiligen Dominikus den Glauben in Europa erneuert und ihn als Missionare in die ganze Welt gebracht.
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Von Herzen heiße ich alle deutschsprachigen Pilger und Besucher willkommen. Bitten wir Gott um geistige Kraft, wie Dominikus mutig und freudig den Glauben an Christus zu bezeugen und seine Liebe den Menschen weiterzuschenken. Der Herr geleite euch auf allen euren Wegen.
Mittwoch, 3. Februar 2010 - 17:59 Uhr
GENERALAUDIENZ Mittwoch, 27. Januar 2010
Hl. Franz von Assisi
Liebe Brüder und Schwestern!
Bei der heutigen Audienz möchte ich von einem mittelalterlichen Heiligen sprechen, der eigentlich keiner Vorstellung bedarf. Wer kennt nicht den hl. Franz von Assisi, den Gründer der Franziskaner? Viele Menschen – auch über die Grenzen der Kirche hinweg – sind davon fasziniert, wie er die Ideale der Armut, der Hilfsbereitschaft, der Fröhlichkeit, der Brüderlichkeit und der Liebe zur Schöpfung gelebt hat. Aber wer Franz von Assisi verstehen will, muß nach der Wurzel von all dem fragen: Franziskus wollte wie Christus sein; er wollte Jesus im Evangelium betrachten, ihn von ganzem Herzen lieben und seine Tugenden nachahmen. Die Etappen seiner Biographie zeigen uns, wie Gott diesen reichen Kaufmannssohn und ehrgeizigen Ritter allmählich zur Bekehrung führte. Nach dem Verzicht auf sein Erbe lebte er zunächst als Einsiedler bei einer kleinen, verfallenen Kirche außerhalb von Assisi. 1208, mit 27 Jahren, verspürte er den Ruf Christi, das Wort Gottes zu verkünden. Bald schlossen sich ihm Gefährten an, aus denen – mit der wohlwollenden Unterstützung des Papstes – der Franziskanerorden hervorging. Der Glaube des hl. Franz und sein Eifer für das Evangelium kannten keine Grenzen, so daß er – trotz der bestehenden Konflikte – im Jahr 1219 dem muslimischen Sultan in Ägypten einen Besuch abstattete, wohl auch das Heilige Land besuchte und dem bewaffneten Kampf zwischen Christen und Muslimen in den Kreuzzügen den Dialog der Liebe und der Wahrheit entgegenstellte und damit eine neue Epoche eröffnet hat, die wir nun eigentlich so richtig angehen sollten. Nachdem er schon zwei Jahre lang die Zeichen des Leidens Christi in der Form der Stigmata an Händen und Füßen trug, starb Franz am 3. Oktober 1226 in Assisi.
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Ganz herzlich grüße ich alle deutschsprachigen Brüder und Schwestern. Die Heiligen, die Freunde Jesu, sind die besten Kenner und Ausleger der Heiligen Schrift. Das können wir gerade an Franz sehen. Sie machen das Wort Gottes in ihrem Leben sichtbar, machen es gegenwärtig, geben ihm gleichsam wieder Fleisch und Blut und laden uns ein, nach ihrem Beispiel eine tiefe und persönliche Beziehung zu Christus zu suchen, besonders in der Eucharistie, in der der Sohn Gottes in der demütigen Gestalt des Brotes wahrhaft unter uns ist und uns Freude schenkt. Heiligkeit bedeutet Freude. An Franziskus sehen wir das ganz besonders. Diese Freude wünsche ich euch allen und eine gesegnete Pilgerschaft!
Ein besonderes Anliegen ist es mir heute, an den Holocaust-Gedenktag zu erinnern. Vor genau 65 Jahren, am 27. Januar 1945, wurde das Konzentrationslager Auschwitz durch die Rote Armee befreit. Die erschütternden Berichte der Überlebenden zeigen der Welt, zu welchen abscheulichen Verbrechen der menschenverachtende Größenwahn und Rassenhaß der Nazi-Ideologie in Deutschland geführt hat. Das Gedenken an diese Taten, insbesondere die Tragödie der Shoah am jüdischen Volk, wie auch das Zeugnis all jener, die sich unter Einsatz ihres Lebens diesem Wahnsinn widersetzt haben, gemahnt uns stets aufs neue an den absoluten Respekt vor der Würde der Person und des menschlichen Lebens. Alle Menschen jedes Volkes und jedes Erdteils sollen sich als eine einzige große Familie verstehen. Der Allmächtige Gott erleuchte die Herzen und den Verstand, auf daß sich solche furchtbaren Vergehen nie wiederholen. Der Segen und der Friede des Herrn begleite uns allezeit.
Donnerstag, 28. Januar 2010 - 06:09 Uhr
GENERALAUDIENZ Mittwoch, 20. Januar 2010
Liebe Brüder und Schwestern!
Die Gebetswoche für die Einheit der Christen, die wir in diesen Tagen begehen, ruft uns dazu auf, nach dem Vorbild Christi den himmlischen Vater darum zu bitten, daß seine Kinder, die Getauften, alle eins seien, damit die Welt glaubt (vgl. Joh 17, 21). Das Gebet Jesu macht uns bewußt, daß wirkliche Einheit über unsere Kräfte hinausgeht und in erster Linie ein Geschenk Gottes ist. So sagt das Zweite Vatikanische Konzil, daß das „heilige Anliegen der Versöhnung aller Christen in der Einheit der einen und einzigen Kirche Christi die menschlichen Kräfte und Fähigkeiten übersteigt“ (UR 24). Daher ist neben unserem Einsatz für brüderliche Beziehungen und für einen aufrichtigen Dialog, der bestehende Gegensätze zwischen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften zu klären und auszuräumen vermag, das vertrauensvolle und einmütige Gebet zum Herrn unerläßlich.
In diesem Jahr ist die Gestaltung der Gebetswoche einer ökumenischen Gruppe aus Schottland anvertraut. Vor hundert Jahren fand in Edinburgh eine Weltmissionskonferenz statt, die ein besonderes Augenmerk auf den Zusammenhang zwischen der Einheit der Christen und dem Zeugnis für Christus richtete. Gerade gegenüber einer Welt, die Christus nicht kennt oder sich von ihm entfernt hat, braucht es eine glaubwürdige Verkündigung von geeinten, nicht zerstrittenen Zeugen. Die diesjährige Gebetswoche nimmt dieses Thema wieder auf, wenn sie sich unter das Wort Jesu stellt: „Ihr seid Zeugen dafür“ (Lk 24, 48). Wie die Jünger gemeinsam in Jerusalem versammelt waren, als sie die Botschaft der Auferstehung Jesu vernahmen, so wollen auch wir, Christen aller Konfessionen, uns zusammenfinden, gemeinsam Gottes Wort hören und den Herrn um seinen Geist der Einheit und der Liebe bitten.
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Von Herzen heiße ich alle deutschsprachigen Pilger und Besucher willkommen. Wenn das Verhältnis zu Gott recht ist, dann können auch die Beziehungen der Menschen untereinander recht sein. Helfen wir einander, den Weg zu Gott zu finden und die Freundschaft zu ihm immer weiter zu vertiefen und so auch die Einheit miteinander zu finden. Gottes Geist geleite euch auf allen euren Wegen.
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Mittwoch, 20. Januar 2010 - 18:49 Uhr
GENERALAUDIENZ Mittwoch, 13. Januar 2010
Liebe Brüder und Schwestern!
Ein Blick in die Geschichte der Kirche zeigt uns, daß Kirche immer wieder der Reform bedarf, weil das Schwergewicht der Gewohnheiten des Menschen sie immer nach unten zieht, aber daß in ihr auch immer wieder Kräfte der Reform aufbrechen, daß eine Kreativität zum Guten hin immer wieder neu da ist und daß es die Heiligen sind, die diese Kräfte der Reform in sich tragen. Im 13. Jahrhundert waren es die Bettelorden, vor allem die Minderbrüder des heiligen Franz von Assisi und der Predigerorden des heiligen Dominikus, die eine dauerhafte und tiefgehende kirchliche Erneuerung brachten. Damals war gegen die Immobilität der großen monastischen Orden und der Hierarchie ein Aufbegehren in der Kirche lebendig, das nach der Einfachheit des Evangeliums verlangte – nach der Armut – und sich in Gegensatz zu Glanz und Größe der offiziellen Kirche setzte: Armutsbewegungen, die aber dann sogleich auch in Häresie verfielen, die Materie in einem falschen asketischen Streben ablehnten, als etwas Böses betrachteten, die schließlich davon ausgingen, daß es nicht nur Gott, sondern ein böses Prinzip gibt, weil in der Welt so viel Böses ist, das sie in der Materie verankert sahen und so mit dem guten Impuls zur Einfachheit, zur Armut, zur Strenge des Glaubens und des Lebens zerstörerisch wirkten, weil sie die Größe Gottes verminderten und die Schöpfung nicht mehr liebten. In dieser Situation sind Gestalten wie Franz und Dominikus aufgestanden, die auch den Impuls der Armut, der Einfachheit, der Radikalität des Evangeliums in sich trugen, aber ihn in der Kirche und mit der Kirche als den wahren Ort des Evangeliums lebten und so in ihr Erneuerung schufen, die dann auch Europa erneuern und umgestalten konnte. Für sie war es wesentlich, daß sie in der Armut des Evangeliums das Evangelium wörtlich lebten, aber daß sie es in der Gemeinschaft mit dem Papst und mit der Kirche vollbrachten und so von innen her das ganze Volk Gottes erneuert haben. Dazu gehörte dann nicht nur dieser, sagen wir, ökonomische Faktor, die Einfachheit des Lebens, die sich einer bestimmten Wirtschaftsform entgegenstellte und sie auch erneuern half, sondern vor allem die Verkündigung des Evangeliums. Es waren große Verkündiger, die das Evangelium wieder als lebendige Kraft im 13. Jahrhundert neu zu den Menschen zu bringen vermochten und so, wie es der Wille des hl. Franz war, Volk Gottes aus der Einfachheit der Ursprünge neu sammelten. Sie waren Prediger, Beichtväter, Förderer der Frömmigkeit, und damit entstand einerseits die Radikalität derer, die sich ganz dieser Bewegung anschlossen, aber auch der Wille der anderen, mit dabei zu sein, die sogenannten Dritten Orden, Menschen, die in den Berufen der Welt lebten, aber den Geist des Evangeliums, den ihnen diese Gemeinschaften vorlebten, auch tragen wollten, in dem Wissen, daß man in jedem Stand heilig sein kann, wenn auch in verschiedenen Formen. Dazu kam dann die neue Organisation: Es waren nicht mehr ortsfeste, stabile Gemeinschaften, sondern bewegliche, die von einem Generaloberen geleitet wurden und damit mit einer neuen Flexibilität das Wort verkünden konnten, so daß die dynamische Kraft der Mission neu erstanden ist. Und schließlich auch eine neue Dynamik der Auseinandersetzung mit den großen geistigen Problemen der Zeit. In jener Zeit sind die Universitäten entstanden, und die Bettelbrüder gehörten zu den ersten Studenten und Professoren, die mit neuer Radikalität und Kühnheit nach der Einheit von Glaube und Vernunft fragten und so zu einer neuen Blüte christlicher und menschlicher Kultur beigetragen haben. In alledem haben sie auch uns etwas zu sagen: Erneuerung der Gesellschaft kommt aus einer tiefen Begegnung mit dem Evangelium, aus der Radikalität des Lebens mit dem Evangelium, das dann sich in seiner Größe neu öffnet. Heiligkeit ist radikal gelebtes Evangelium, und wir müssen heute wieder den Mut haben, dies zu versuchen. Es gibt ja auch heute solche Bewegungen, die neue Dynamik in die Kirche hereintragen und von denen wir uns ansprechen lassen wollen.
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Von Herzen grüße ich alle deutschsprachigen Teilnehmer an dieser Audienz. Der Heilige Geist helfe uns, mutig und kohärent das Evangelium zu leben und zu bezeugen. Er lasse es nie an Heiligen fehlen, die der Welt die Schönheit des Glaubens sichtbar machen und sie so für Christus gewinnen. Der Herr begleite uns alle mit seiner Liebe und gebe uns den Mut und die Kraft, das Evangelium zu lieben und zu leben.

