Der priesterliche Dienst

Grundsäulen des priesterlichen Dienstes


Wort und Sakrament, Verkündigung und Gottesdienst die beiden Grundsäulen des priesterlichen Dienstes.

Das Wort Gottes


Der andere Freiraum, den uns die Kirche sozusagen auflegt und dadurch auch befreiend vorgibt, ist das Stundengebet. Versuchen wir, es wirklich mitzubeten, mitzubeten mit dem Israel des Alten und des Neuen Bundes, mitzubeten mit den Betern aller Jahrhunderte, mitzubeten mit Jesus Christus als dem tiefsten Ich, dem tiefsten Subjekt dieser Gebete. Und indem wir so beten, nehmen wir auch die anderen Menschen, die dafür nicht Zeit oder Kraft oder Fähigkeit haben, ins Beten hinein. Wir selber als betende Menschen beten stellvertretend für die anderen und tun damit einen pastoralen Dienst ersten Grades.- Dies ist nicht ein Rückzug ins Private, sondern dies ist eine pastorale Priorität, dies ist ein seelsorgliches Tun, in dem wir selber neu Priester werden, neu von Christus angefüllt werden, die anderen in die betende Kirche hineinnehmen und zugleich die Kraft des Gebetes, die Gegenwart Jesu Christi, hineinströmen lassen in diese Welt.

Ansprache im Dom zu Freising, 14. September 2006

Die Sakramente


Macht die tägliche Eucharistiefeier zum Zentrum eures Lebens. In jeder Messe, wenn am Ende des eucharistischen Hochgebetes der Leib und das Blut des Herrn erhoben werden, erhebt durch Christus, mit ihm und in ihm in der Einheit des Heiligen Geistes auch Euer eigenes Herz und euer Leben als ein liebevolles Opfer für Gott, unseren Vater.

Predigt bei Eucharistiefeier mit Bischöfen, Seminaristen und jungen Ordensangehörigen, 19. Juli 2008

Die Verkündigung


Wie wunderbar ist unser [der Priester] Wirken im Dienst am Wort Gottes! Wir sind die Werkzeuge des Heiligen Geistes; Gott ist so demütig, dass er uns gebraucht, um sein Wort zu verbreiten. Wir werden seine Stimme, nachdem wir unser Ohr seinem Mund zugewandt haben. Wir legen sein Wort auf unsere Lippen, um es der Welt zu geben. Das Opfer unseres Gebetes ist ihm wohlgefällig und dient ihm dazu, sich all denen mitzuteilen, denen wir begegnen.

Vesper in der Kathedrale Notre-Dame in Paris, 12. September 2008

Der Gottesdienst


Im Leben des Priesters ist es wichtig, soweit wie möglich eine gewisse Ordnung zu bewahren: Es soll nie die Messe ausfallen – ohne Eucharistie ist eine Tag unvollständig; deshalb wachsen wir ja schon im Seminar mit dieser täglichen Liturgiefeier; mir scheint sehr wichtig, dass wir das Bedürfnis spüren, beim Herrn zu sein in der Eucharistie, dass es nicht lediglich eine berufliche Verpflichtung, sondern wirklich eine innerlich empfundenen Pflicht sein soll, die Eucharistie nie auszulassen. Der andere wichtige Punkt ist, sich Zeit zu nehmen für das Stundengebet und damit für diese innere Freiheit: Das Stundengebet befreit uns trotz aller Lasten, die es gibt, und hilft uns auch, offener zu sein und in tiefem Kontakt mit dem Herrn zu stehen.

Besuch im Römischen Priesterseminar, 17. Februar 2007


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