Rückblick der Audienzen 2017


Generalaudienz vom 18.10.2017

 

 

Liebe Brüder und Schwestern, in früheren Zeiten war es üblich, sich intensiv mit der Realität des Todes auseinanderzusetzen. Heute tendieren wir dazu, diese Wirklichkeit auszublenden oder versuchen sie sogar auszulöschen. Die Betrachtung des Todes konfrontiert den Menschen mit den Werten des Lebens, die wirklich zählen. Er muss sich fragen, auf welches Ziel hin er lebt. Unsere Sünden, wie Stolz, Zorn und Hass, werden im Blick auf das Ende des Lebens in ihrer wahren Nichtigkeit erkannt, alles Gute, für das wir uns aufgeopfert haben, zeigt sich hingegen als bleibender Wert. Jesus selbst bringt Licht in das Geheimnis unseres Todes. In seiner tiefen Trauer über den Tod des Lazarus zeigt er auch uns seine Nähe und erfüllt uns durch die Auferweckung seines Freundes mit wirklicher Hoffnung auf das unvergängliche Leben. Im Angesicht des Todes werden wir daher nicht von Angst überwältigt, wenn wir dem Wort des Herrn glauben: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt“ (Joh 11,25). Für jeden, der glaubt, wird diese Hoffnung zu einer offenen Tür, durch die das Licht der Gnade Christi scheint.

 

 


Generalaudienz vom 11.10.2017

 

 

heute wollen wir die besondere Dimension der Hoffnung betrachten, die man als wache Bereitschaft bezeichnen könnte. Jesus lädt die Jünger ein, immer bereit zu sein. Das Evangelium empfiehlt auch uns, uns wie Diener zu verhalten, die sich nicht zur Ruhe begeben, bis ihr Herr zurückgekehrt ist. Das Leben fordert von uns täglich Verantwortung, die wir aus Liebe ganz auf uns nehmen wollen. Jeder Morgen ist wie ein leeres Blatt, das wir dann mit unseren guten Werken beschreiben. Dabei ist uns bewusst, dass wir durch Jesu Erlösungswerk bereits gerettet sind, aber wir erwarten noch die völlige Offenbarung seiner Herrschaft. So wollen wir bereit sein für das Heil, das kommen wird, und für die endgültige Begegnung mit ihm. Für diese Wachsamkeit braucht es Geduld. Menschen, die in den kleinen Dingen des Alltags geduldig ihre Liebe zum Ausdruck bringen, sind wie Quellen, die eine trockene Wüste bewässern. Sie verschließen sich nicht in sich selbst, vielmehr bringen sie mit ihrer inneren Zuversicht Hoffnung in die Welt und können, ohne auf eigene Bequemlichkeiten zu achten, Frieden stiften. Die Kraft zu einer solchen Haltung der Bereitschaft kommt aus dem Gebet, so wie uns das im letzten Wort der Bibel gezeigt wird: „Komm, Herr Jesus!“ heißt es dort. Und der Herr wird antworten: „Ja, ich komme bald“ (Offb 22,29).

 

 


Generalaudienz vom 04.10.2017

 

 

Liebe Brüder und Schwestern, wir wollen in der heutigen Katechese unseren Blick auf die Erziehung zur Hoffnung richten. Als Christen lassen wir uns nicht von negativen Gedanken erdrücken, sondern leben aus dem festen Glauben an Gott, der mit der Erschaffung dieser Welt schon sein erstes Wunder gewirkt hat. Wir vertrauen auf den Heiligen Geist, der alles zum Guten führt, und auf die Umarmung Christi, der auf jeden Menschen wartet. Glaube und Hoffnung gehen dabei Hand in Hand. Jeder ist daher gerufen, sich aufzumachen und voller Hoffnung Gutes zu tun. Denn Jesus hat dir ein Licht ge

Liebe Brüder und Schwestern,
guten Tag!

In dieser Katechese möchte ich über das Thema »Heutzutage Missionare der Hoffnung sein« sprechen. Ich freue mich, es am Anfang des Monats Oktober zu tun, der in der Kirche auf besondere Weise der Mission gewidmet ist, und auch am Fest des heiligen Franz von Assisi, der ein großer Missionar der Hoffnung war! Tatsächlich ist der Christ kein Unheilprophet. Wir sind keine Unheilpropheten. Das Wesen seiner Verkündigung ist das Gegenteil, das Gegenteil vom Unheil: Es ist Jesus, der aus Liebe gestorben ist und den Gott am Ostermorgen auferweckt hat. Und das ist der Kernpunkt des christlichen Glaubens. Wenn die Evangelien mit dem Begräbnis Jesu enden würden, dann würde die Geschichte dieses Propheten zu all jenen Lebensläufen heroischer Personen hinzugefügt werden, die ihr Leben für ein Ideal hingegeben haben. Das Evangelium wäre dann ein erbauliches, auch tröstliches Buch, aber es wäre keine Verkündigung der Hoffnung.

Aber die Evangelien enden nicht mit dem Karfreitag, sie gehen darüber hinaus; und gerade dieses weitere Fragment ist es, das unser Leben verändert. Die Jünger Jesu waren an jenem Samstag nach seiner Kreuzigung niedergeschlagen; der Stein, der vor den Eingang des Grabes gerollt worden war, hatte auch die drei Jahre abgeschlossen, die sie mit Begeisterung mit ihrem Meister aus Nazaret verbracht hatten. Alles schien zu Ende zu sein, und einige verließen bereits Jerusalem, enttäuscht und verängstigt. Aber Jesus ersteht von den Toten auf! Diese unerwartete Tatsache kehrt den Verstand und das Herz der Jünger um und stellt alles auf den Kopf. Denn Jesus ersteht nicht nur für sich selbst auf, so als sei sein Wiedererstehen ein Vorrecht, das eifersüchtig gehütet werden müsse: Er steigt zum Vater auf, weil er will, dass alle Menschen an seiner Auferstehung teilhaben und jedes Geschöpf in die Höhe mitgenommen wird. Und am Pfingsttag werden die Jünger durch den Hauch des Heiligen Geistes verwandelt. Sie haben nicht nur eine schöne Nachricht, die sie allen bringen wollen, sondern sie selbst werden als Erste anders sein, wie neu geboren zu neuem Leben. Die Auferstehung Jesu verwandelt uns durch die Kraft des Heiligen Geistes. Jesus ist lebendig, er lebt unter uns, er ist der Lebendige und hat jene Kraft der Verwandlung.

Wie schön ist es, daran zu denken, dass man Künder der Auferstehung Jesu ist – nicht nur mit Worten, sondern mit Taten und mit dem Zeugnis des Lebens! Jesus will keine Jünger, die nur Formeln wiedergeben können, die sie auswendig gelernt haben. Er will Zeugen: Menschen, die Hoffnung verbreiten durch ihre Art anzunehmen, zu lächeln, zu lieben. Vor allem zu lieben: Denn die Kraft der Auferstehung macht die Christen fähig zu lieben, auch wenn die Liebe ihre Gründe verloren zu haben scheint. Es gibt ein »Mehr«, das im christlichen Dasein wohnt und das sich nicht einfach mit der Willenskraft oder einem größeren Optimismus erklären lässt. Unser Glaube, unsere Hoffnung ist nicht nur Optimismus; er ist etwas anderes, er ist mehr! Die Gläubigen sind Menschen, die gleichsam »ein Stück Himmel« mehr über dem Kopf haben, begleitet von einer Gegenwart, die einige nicht einmal erahnen können.

So besteht die Aufgabe der Christen in dieser Welt darin, Räume des Heils zu öffnen, gleichsam Zellen zur Regenerierung, die in der Lage sind, dem Lebenssaft zurückzugeben, was für immer verloren schien. Wenn der ganze Himmel mit Wolken bedeckt ist, dann ist jener ein Segen, der von der Sonne zu sprechen vermag. So ist der wahre Christ: nicht jammernd und zornig, sondern durch die Kraft der Auferstehung überzeugt, dass kein Übel unendlich ist, dass es keine Nacht ohne Ende gibt, dass kein Mensch endgültig verkehrt ist, dass es keinen Hass gibt, den die Liebe nicht überwinden kann.

Gewiss, manchmal müssen die Jünger diese Hoffnung, die Jesus ihnen geschenkt hat, teuer bezahlen. Denken wir an die vielen Christen, die ihr Volk nicht verlassen haben, als die Zeit der Verfolgung kam. Sie sind dort geblieben, wo selbst das Morgen unsicher war, wo man keinerlei Pläne machen konnte, sie sind geblieben und haben auf Gott gehofft. Und denken wir an unsere Brüder, an unsere Schwestern im Nahen Osten, die Zeugnis geben von der Hoffnung und die für dieses Zeugnis sogar das Leben hingeben. Das sind wahre Christen! Sie tragen den Himmel im Herzen, sie blicken über den Horizont hinaus, immer weiter. Wer die Gnade hatte, die Auferstehung Jesu anzunehmen, kann noch immer auf das Unverhoffte hoffen.

Die Märtyrer aller Zeiten berichten durch ihre Treue zu Christus, dass das Unrecht nicht das letzte Wort im Leben ist. Im auferstandenen Christus können wir weiter hoffen. Die Männer und Frauen, die einen Grund haben, »warum« sie leben, halten in Zeiten des Unheils mehr aus als andere. Wer aber Christus an seiner Seite hat, der fürchtet wirklich nichts mehr. Und daher sind die Christen, die wahren Christen, nie einfache undgefügige Menschen. Ihre Sanftmut darf nicht verwechselt werden mit einem Gefühl der Unsicherheit und der Willfährigkeit. Der heilige Paulus spornt Timotheus an, für das Evangelium zu leiden, und er sagt: »Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit« (2 Tim 1,7). Wenn sie gefallen sind, stehen sie immer wieder auf.

Darum, liebe Brüder und Schwestern, ist der Christ ein Missionar der Hoffnung. Nicht aus eigenem Verdienst, sondern durch Jesus, das Weizenkorn, das in die Erde gefallen und gestorben ist und das reiche Frucht bringt (vgl. Joh 12,24).schenkt, das in der Finsternis leuchtet. In der Taufe wurde dein Leben in das Geheimnis der Dreifaltigkeit hineingetaucht und du gehörst zu Jesus. Jesus lebt in dir. Mit ihm kannst du Sünde, Hass, Verbrechen und Gewalt besiegen. Und wenn du selbst Fehler machst und sündigst, steh wieder auf und denke daran: Der Sohn Gottes ist nicht für die Gesunden, sondern für die Kranken gekommen. Er ist auch für dich gekommen. Du bist ein Christ. Übergib im Gebet daher alles Gott. Lebe, liebe und glaube. Und mit der Gnade Gottes wirst du nie verzweifeln.

 

 


Generalaudienz vom 20.09.2017

 

 

Liebe Brüder und Schwestern, wir wollen in der heutigen Katechese unseren Blick auf die Erziehung zur Hoffnung richten. Als Christen lassen wir uns nicht von negativen Gedanken erdrücken, sondern leben aus dem festen Glauben an Gott, der mit der Erschaffung dieser Welt schon sein erstes Wunder gewirkt hat. Wir vertrauen auf den Heiligen Geist, der alles zum Guten führt, und auf die Umarmung Christi, der auf jeden Menschen wartet. Glaube und Hoffnung gehen dabei Hand in Hand. Jeder ist daher gerufen, sich aufzumachen und voller Hoffnung Gutes zu tun. Denn Jesus hat dir ein Licht geschenkt, das in der Finsternis leuchtet. In der Taufe wurde dein Leben in das Geheimnis der Dreifaltigkeit hineingetaucht und du gehörst zu Jesus. Jesus lebt in dir. Mit ihm kannst du Sünde, Hass, Verbrechen und Gewalt besiegen. Und wenn du selbst Fehler machst und sündigst, steh wieder auf und denke daran: Der Sohn Gottes ist nicht für die Gesunden, sondern für die Kranken gekommen. Er ist auch für dich gekommen. Du bist ein Christ. Übergib im Gebet daher alles Gott. Lebe, liebe und glaube. Und mit der Gnade Gottes wirst du nie verzweifeln.

 

 


Generalaudienz vom 13.09.2017

 

 

Liebe Brüder und Schwestern, dankbar schaue ich auf meine Reise nach Kolumbien zurück. Das Motto „Machen wir den ersten Schritt“ bezog sich auf den Friedensprozess, der in den letzten Jahren mit Gottes Hilfe begonnen und vorangebracht werden konnte. So wollte ich mit meinem Besuch die Bemühungen für eine echte Versöhnung unterstützen und die Menschen im Glauben und in der Hoffnung stärken. Die Begegnung mit den jungen Menschen in Bogota war sehr eindrucksvoll, ebenso das Treffen mit den Bischöfen Kolumbiens und Lateinamerikas. Der zweite Tag in Villavicencio stand im Zeichen der Versöhnung. Bewegend waren die Versöhnungsfeier vor dem verstümmelten Christus von Bocayá und die Seligsprechung zweier Märtyrer. Einmal mehr wurde deutlich, dass der Friede sich auf dem Opfer vieler Zeugen der Liebe, der Wahrheit und der Gerechtigkeit gründet. Der Besuch in Medellín stellte das christliche Leben als Jüngerschaft in den Mittelpunkt. Die letzte Etappe in Cartagena war der Förderung der menschlichen Person und seiner Grundrechte gewidmet. Die beiden großen Heiligen dieser Stadt, Petrus Claver und Maria Bernarda Bütler, haben uns mit ihrem Leben für die Ärmsten und Ausgestoßenen gezeigt, dass uns das Evangelium die wahre Freiheit schenkt. Den ersten Schritt machen heißt, sich wirklich um den Mitmenschen in Not zu kümmern und ihm wie Christus zu dienen, der unsere Hoffnung und unser Friede ist.

 

 


Generalaudienz vom 30.08.2017

 

heute wollen wir über die Bedeutung der Erinnerung für die Hoffnung nachdenken. Insbesondere die Erinnerung an die eigene Berufung macht die Hoffnung lebendig. Das sehen wir beispielhaft bei der Berufung der ersten Jünger. Der Evangelist Johannes berichtet verschiedene Einzelheiten darüber; denn diese einschneidende Begebenheit seiner Jugend hat er in klarer Erinnerung behalten. Jesus fragt: „Was sucht ihr?“ Diese Frage zielt auf das Wesentliche: das Verlangen nach Leben und Glück, das vor allem junge Menschen in sich tragen. Jede Berufung beginnt mit einer solchen Begegnung mit Jesus. Sie schenkt den Berufenen Freude und neue Hoffnung und lässt sie auch den Schwierigkeiten des Lebens gelassen ins Auge sehen. Die Freude des Jüngers ist missionarisch. Sie hält die Flamme seiner ersten Liebe zu Christus lebendig. Das ist die grundlegende Dynamik des christlichen Lebens: Wir erinnern uns, wie Jesus uns das Feuer seiner Liebe offenbart hat, unser Herz entfacht und unser Leben auf ein höheres Gut ausgerichtet hat. Aus dieser Flamme lebt unsere Hoffnung.

 

 


Generalaudienz vom 23.08.2017

 

Liebe Brüder und Schwestern, die christliche Hoffnung gründet auf dem Glauben an Gott, der alles neu macht. Diese neue Schöpfung findet ihr Ziel im himmlischen Jerusalem, der heiligen Stadt, in der Gott die Erlösten mit großer Liebe aufnimmt: „Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen. Er, der auf dem Thron saß, sprach: Seht, ich mache alles neu“ (Offb 21,4-5). Gott kennt unsere Leiden und Verstrickungen; aber er gibt seine Schöpfung nicht auf. Er hat Mitleid mit den Tränen der Armen, der Notleidenden und der Kinder und er schenkt uns Jesus, der den Weg der Erlösung aus der Sünde weist. Aus einer Welt des Leidens und der Sünde wandern wir schon auf den Horizont einer künftigen Welt zu, in der Gott uns tröstet und uns eine Zukunft der Liebe und des Glücks erwartet. So ist der Christ erfüllt von der Hoffnung auf das ewige Leben in Gott im festen Vertrauen auf sein Wort: „Seht, ich mache alles neu“ (V. 5).

 

 


Generalaudienz vom 09.08.2017

 

Wie viele Leute verharren heute in einem verfehlten Leben, weil sie keinen Menschen finden, der bereit wäre, sie mit den Augen und dem Herzen Gottes, also mit Hoffnung anzusehen! Durch die Begegnung mit der Sünderin im Haus des Pharisäers zeigt uns Jesus, wie radikal seine Liebe ist. „Wer ist das, dass er sogar Sünden vergibt?“ (Lk 7,49), sagen die Gäste. Jesus geht noch weiter: Der Sohn Gottes lässt sich nicht kreuzigen, um Kranke zu heilen oder die Seligpreisungen zu verkünden. Er geht ans Kreuz, weil er die absolute Vergebung für die Menschen und die endgültige Befreiung des menschlichen Herzens von Sünde und Tod will. Jesus sieht eine Möglichkeit der Auferstehung sogar für den, der viele Fehltritte in seinem Leben angesammelt hat. Jesus gibt sich nicht ab mit einer billigen Liebe. Er nimmt es nicht hin, wenn ein Mensch sein Leben lang mit der Tätowierung herumläuft, dass ihn keiner wirklich geliebt hat. Jesus gibt den Menschen, die Fehler gemacht haben, die Hoffnung auf ein neues Leben: Der Zöllner Matthäus wird zum Apostel; der korrupte reiche Zachäus wandelt sich zum Wohltäter für die Armen. Petrus erkennt die Wahrheit über sich selbst erst beim Schrei des Hahns und nicht in den Anwandlungen von Großmut mit geschwellter Brust. Die Kirche ist das Volk der Sünder, die Gottes Barmherzigkeit und Vergebung wirklich erfahren. Alle, die diese Wahrheit erkennen, sendet Gott aus, Boten der Hoffnung und der Freude in der Welt zu sein.

 

 


Generalaudienz vom 02.08.2017

 

Liebe Brüder und Schwestern, der Osten, der Ort, an dem das erste Licht des Morgens die Nacht durchbricht und die Sonne aufgeht, steht für Christus, „das aufstrahlende Licht aus der Höhe“ (Lk 1,78). So waren in früheren Zeiten die Kirchen geostet und wandte sich der Taufkandidat nach Osten, wenn er vor dem Empfang der Taufe den Glauben dreimal bekannte. Diese alte Symbolik macht deutlich: Christ sein heißt auf Christus, das Licht, ausgerichtet sein und den Glauben bekennen, selbst wenn uns Finsternis umgibt. Durch die Gnade Christi, die wir in der Taufe empfangen haben, sind wir „geostete“ Männer und Frauen: Wir glauben an den dreifaltigen Gott, der unser Licht ist und zum Heil der Menschheit und der Welt am Werk ist. Das ist die Hoffnung, die uns jeden Morgen aufstehen lässt. Bei der Taufe gibt es noch ein weiteres Lichtsymbol: die Taufkerze, die an der Osterkerze entzündet wird. Das österliche Licht ist ein Zeichen für die Ausbreitung der Auferstehung Christi im Leben der Christen. Das Leben der Kirche bedeutet, vom Licht angesteckt zu werden. Wir sollen uns gegenseitig immer an die Taufe erinnern, durch die wir zum neuen Leben als Kinder Gottes geboren wurden. In uns lebt und wirkt der Geist Christi. Ein Christ ist wirklich ein „Christusträger“ in der Welt, wenn er in Situationen der Trauer, der Verzweiflung, der Dunkelheit und des Hasses das Licht und die Hoffnung Christi bringt.

 

 


Generalaudienz vom 28.06.2017

 

Liebe Brüder und Schwestern, die christliche Hoffnung ist die Stärke der Märtyrer. Das zeigen uns die vielen Glaubenszeugen in Geschichte und Gegenwart. Im Evangelium spricht der Herr davon, dass die Verkündigung des Reiches Gottes auf Widerstand und Feindschaft stößt. Die Verfolgung gehört zur Sendung, wie schon Christus selbst verfolgt wurde. Christ sein heißt gegen den Strom schwimmen. In der Welt finden wir Egoismus und Ungerechtigkeit vor. Wer Christus nachfolgt, ist in entgegen gesetzter Richtung unterwegs, aus Treue zur Botschaft Christi und in der Nachahmung seines Lebens. Dazu gehört als erstes die Armut. Der Jünger Jesu lebt nicht für sich selbst und seine eigenen Ideen, sondern bringt allein Christus. Er ist gesandt wie „Schafe mitten unter die Wölfe“ (Mt 10,16). Er muss klug, ja schlau sein, doch nie bekämpft er das Böse mit den Methoden des Bösen, mit Gewalt. Unsere einzige Kraft ist das Evangelium, und wir dürfen gewiss sein, dass der Herr an unserer Seite ist, uns nicht im Stich lässt. Diese Treue zum Stil Jesu, diese Jüngerschaft einschließlich der Bereitschaft, für das Evangelium zu sterben, haben die ersten Christen „Martyrium“ – „Zeugnis“ genannt. Das größte Zeugnis aber ist die Liebe. Und die Stärke der Märtyrer gründet in der Hoffnung und Gewissheit, dass uns nichts und niemand von der Liebe Gottes scheiden kann (vgl. Röm 8,38f).

 

 


Generalaudienz vom 21.06.2017

 

Heute wollen wir über die Heiligen als Zeugen unserer christlichen Hoffnung sprechen. In jedem Moment unseres Lebens steht uns nicht nur Gottes Hand bei, wir erfahren auch die diskrete Gegenwart und die Hilfe der Heiligen. Wir haben eine Wolke von Zeugen um uns, hörten wir gerade im Hebräerbrief. Ihre Anwesenheit schenkt uns die Zuversicht, dass ein christliches Leben nicht ein unerreichbares Ideal ist. Daher erbitten wir die Fürsprache der Heiligen. Besonders eindrucksvoll kommt dies bei der Taufe zum Ausdruck. Wir empfehlen den Täufling der Gemeinschaft der Heiligen an und vertrauen darauf, dass Gott sie ihm als Begleiter zur Seite stellt. Uns allen mögen sie helfen, beständig auf dem Weg des Glaubens und der Liebe zu bleiben. Der Herr seinerseits schenke uns die Hoffnung, selbst heilig zu werden. Die Heiligkeit ist das große Geschenk, das wir unseren Mitmenschen erweisen können. Der Herr gebe uns die Gnade, so fest an ihn zu glauben, dass wir für die Welt zu Abbildern Christi werden: zu Menschen, die keine Macht und Herrschaft ausüben, sondern nach Nächstenliebe und Brüderlichkeit streben und auch die Last und die Mühen der Bedürftigen und Leidgeprüften mittragen. Ohne solche Männer und Frauen gäbe es in der Welt keine Hoffnung.

 

 


Generalaudienz vom 14.06.2017

 

Liebe Brüder und Schwestern, viele Menschen meinen, sie müssten sich die Liebe verdienen. Sie bauen eine äußere Fassade auf, wollen stark, attraktiv und schön sein, um so von anderen Wertschätzung zu bekommen. Doch diese erkaufte Zuneigung macht nicht glücklich, sie hinterlässt eine Leere und versklavt. Viele Probleme des Narzissmus oder der Gewalt rühren von der traurigen Tatsache her, dass sich Menschen nicht geliebt und anerkannt fühlen. Und doch gibt es die große, bedingungslose Liebe, die wirklich jedem Menschen geschenkt wird: Gott hat sich aus Liebe zu uns entäußert, ist Mensch geworden und für uns gestorben, als wir noch Sünder waren. Gott liebt uns wie ein Vater oder eine Mutter. Eine Mutter hört nicht auf, selbst für den Sohn, der in die Irre geht, zu leiden. In dieser Weise werden wir von Gott geliebt. Aus Gnade werden wir einbezogen in die innere Liebesbeziehung der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, die Gott Vater mit dem eigenen Sohn durch den Heiligen Geist verbindet. In Jesus Christus sind wir ersehnt, gewollt und geliebt.

 

 


Generalaudienz vom 07.06.2017

 

Liebe Brüder und Schwestern, auf die Bitte der Jünger hin „Herr, lehre uns beten“ vertraut Jesus ihnen das „Vater unser“ an. Bei Lukas beginnt das Herrengebet nur mit der einfachen Anrufung „Vater“. In dieser Anrede verdichtet sich alles christliche Beten: Wir dürfen Gott Vater nennen. Diese vertrauensvolle Beziehung zu Gott wie die eines Kindes zum Vater ist die große Revolution, die das Christentum in das religiöse Bewusstsein des Menschen bringt. Gegenüber dem Geheimnis Gottes, das uns fasziniert und zugleich klein erscheinen lässt, brauchen wir keine Angst zu haben. Gott ist Vater, aber auf eine Art, die jede menschliche Weise übersteigt. So zeigt uns das Gleichnis vom verlorenen Sohn den barmherzigen Vater, der nur Liebe ist für seine Kinder. Dies mag ein Grund sein, dass auch der Apostel Paulus die von Jesus gebrauchte Anrede für den Vater „Abba“ wiedergibt, ohne diesen aramäischen Ausdruck zu übersetzen. Gott ist Vater, sogar dann, wenn wir meinen, ohne ihn auszukommen. Denn Gott selbst will nie ohne uns Menschen sein. Wie uns Jesus lehrt, können wir uns immer an den Vater wenden und ihn vertrauensvoll bitten. Er sorgt für uns und verlässt uns nicht. So ist die Vaterschaft Gottes Quell unserer Hoffnung.

in diesen Tagen vor dem Pfingstfest wollen wir den Zusammenhang zwischen dem Heiligen Geist und der Hoffnung betrachten. Die Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten war von einem Brausen wie bei einem heftigen Sturm begleitet. Dieser Wind trieb die Apostel hinaus auf den Weg ihrer Sendung. Damals wie heute weht dieser Wind des Heiligen Geistes. Er wird sozusagen durch das Segel der Hoffnung aufgefangen. So bringt er die Kirche wie ein Schiff voran. Im Römerbrief spricht Paulus vom Gott der Hoffnung (vgl. 15,13). Das heißt nicht nur, dass Gott das Objekt unserer Hoffnung ist und unsere Hoffnung auf Ihn gerichtet ist, sondern dass Er es ist, der uns die Hoffnung schenkt und uns freudig in der Hoffnung macht. Der Heilige Geist ist dabei die treibende Kraft, dass wir an Hoffnung reich werden (ebd.). Zugleich bezeugt der Geist unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind (vgl. 8,16). So erhalten wir eine unbesiegbare Hoffnung. Wir können daher auch selbst Hoffnung aussäen und Tröster nach dem Bild des Parakleten, des Heiligen Geistes, des Beistands und Trösters werden. Es sind besonders die Armen, die Ausgeschlossenen, die Nicht-Geliebten, die solche Tröster und Verteidiger brauchen. Der Heilige Geist gibt auch der ganzen Schöpfung Hoffnung auf Erlösung und wirkt in ihr. Diese Tatsache drängt uns, die Schöpfung stets zu achten. Man kann nicht ein Bild beschmieren, ohne den Künstler, der es geschaffen hat, zu beleidigen.

 

 


Generalaudienz vom 31.05.2017

 

in diesen Tagen vor dem Pfingstfest wollen wir den Zusammenhang zwischen dem Heiligen Geist und der Hoffnung betrachten. Die Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten war von einem Brausen wie bei einem heftigen Sturm begleitet. Dieser Wind trieb die Apostel hinaus auf den Weg ihrer Sendung. Damals wie heute weht dieser Wind des Heiligen Geistes. Er wird sozusagen durch das Segel der Hoffnung aufgefangen. So bringt er die Kirche wie ein Schiff voran. Im Römerbrief spricht Paulus vom Gott der Hoffnung (vgl. 15,13). Das heißt nicht nur, dass Gott das Objekt unserer Hoffnung ist und unsere Hoffnung auf Ihn gerichtet ist, sondern dass Er es ist, der uns die Hoffnung schenkt und uns freudig in der Hoffnung macht. Der Heilige Geist ist dabei die treibende Kraft, dass wir an Hoffnung reich werden (ebd.). Zugleich bezeugt der Geist unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind (vgl. 8,16). So erhalten wir eine unbesiegbare Hoffnung. Wir können daher auch selbst Hoffnung aussäen und Tröster nach dem Bild des Parakleten, des Heiligen Geistes, des Beistands und Trösters werden. Es sind besonders die Armen, die Ausgeschlossenen, die Nicht-Geliebten, die solche Tröster und Verteidiger brauchen. Der Heilige Geist gibt auch der ganzen Schöpfung Hoffnung auf Erlösung und wirkt in ihr. Diese Tatsache drängt uns, die Schöpfung stets zu achten. Man kann nicht ein Bild beschmieren, ohne den Künstler, der es geschaffen hat, zu beleidigen.

 

 


Generalaudienz vom 24.05.2017

 

Liebe Brüder und Schwestern, heute wollen wir betrachten, wie Christus die menschliche Hoffnung der zwei Emmaus-Jünger zu einer christlichen Hoffnung wandelt. Voller Begeisterung hatten sie Jesus ihr Leben anvertraut. Doch der Herr zeigte seine Macht nicht so, wie sie gehofft hatten. Sein Tod am Kreuz hat alle ihre Erwartungen vernichtet. Nun gehen die beiden Jünger aus Jerusalem weg, um dieses schmerzlichste Ereignis ihres Lebens hinter sich zu lassen. Auf diesem Weg aber begegnet ihnen Jesus, der seine „Therapie der Hoffnung“ beginnt: Er fragt und er hört zu, während die Jünger ihre ganze Enttäuschung und Trauer schildern. Jesus geht mit ihnen den Weg des Leids und führt sie durch das Wort der Heiligen Schrift unmerklich zur wahren Hoffnung. Gerade im eucharistischen Gestus des Brotbrechens verweist er darauf, dass er selbst sich für uns gebrochen und hingegeben hat. So „bricht“ er sozusagen auch unser Leben. Denn es gibt keine Liebe ohne Opfer und Hingabe an Gott und den Nächsten. Der Herr begleitet auch uns in unseren Sorgen und Nöten. Er schenkt uns die christliche Hoffnung, dass unser Opfer – verbunden mit dem seinen – zur großen Liebe wird. Dies ist die Sendung der Kirche.

 

 


Generalaudienz vom 17.05.2017

 

Liebe Brüder und Schwestern, nach dem Johannesevangelium hat Maria von Magdala als erste den auferstandenen Herrn Jesus gesehen. Sie wurde sozusagen zur Apostolin der neuen und größten Hoffnung, der Auferstehung. Ihr Besuch beim Grab am Ostermorgen war ein Abbild der Treue vieler Frauen, die in Erinnerung an einen lieben Verstorbenen die Friedhöfe aufsuchen. Das leere Grab ließ sie zunächst nüchtern darauf schließen, dass der Leichnam weggenommen wurde, und sie berichtete es den Aposteln. Maria ging dann nochmals zum Grab, doppelt schwer bedrückt wegen des Todes Jesu und dem unerklärlichen Verschwinden seines Leichnams. Und da überrascht sie Gott auf unerwartete Weise. Als Jesus sie mit Namen anspricht, erkennt sie den Herrn, der lebt. Diese erste Erscheinung des Auferstandenen geschieht ganz persönlich. Sie zeigt uns den Gott, der uns Menschen kennt, sich unserer annimmt und sich um unser Leben kümmert. Jeder Mensch ist eine Geschichte der Liebe, die Gott auf Erden schreibt. Wie bei Maria von Magdala ist das Leben jedes Christen in diese überströmende Freude hineingenommen: Wir haben einen Gott an unserer Seite, der uns beim Namen nennt und aufrichtet, der durch seine Auferstehung uns und die Welt verwandelt.

 

 

 


Generalaudienz vom 10.05.2017

 

 Liebe Brüder und Schwestern, in der heutigen Katechese wollen wir auf Maria als die Mutter der Hoffnung schauen. Schon in ihrer Jugend zeigt sie die Bereitschaft, alles mit Gottvertrauen anzunehmen. Ihr Ja zur Botschaft des Engels ist der erste Schritt, um sich auf Gottes Pläne einzulassen, mit Mut und in Demut. Maria erscheint in den Evangelien als die Schweigende, die nicht alles versteht, was in ihrem Umfeld geschieht, aber jedes Wort und jedes Ereignis erwägt sie in ihrem Herzen (vgl. Lk 2,19). Sie bleibt während des Wirkens Jesu im Hintergrund, doch ist sie im entscheidenden Augenblick zugegen, bei seiner Kreuzigung. Die Jünger sind fast alle geflohen, Maria aber steht beim Kreuz. Sie ist einfach da. Sie bleibt als Mutter ihrem Sohn auch im Leiden nahe. Sie hält aus in ihrem Schmerz, der keinem anderen gleich kommt. Maria ist auch zugegen am Pfingstfest inmitten der Schar der Jünger, die sich als so wankelmütig erwiesen haben. Sie begleitet die frühe Kirche, die vom Licht der Auferstehung umstrahlt wird, aber auch in ihren ersten Schritten in der Welt immer wieder zittert. Maria lehrt uns die Tugend des Naheseins, des Beistands, selbst wenn es keinen Sinn mehr zu haben scheint. Sie bleibt immer zuversichtlich gegenüber dem geheimnisvollen Handeln Gottes, auch in der scheinbaren Ausweglosigkeit. Jesus hat uns Maria zur Mutter gegeben. Sie möge unsere Wege immer behüten.

 

 


Generalaudienz vom 03.05.2017

 

Liebe Brüder und Schwestern, wir wollen heute noch einmal einen dankbaren Blick auf die Apostolische Reise nach Ägypten vor einigen Tagen werfen, die dank der außerordentlichen Leistung der Verantwortlichen zu einem strahlenden Zeichen des Friedens werden konnte. Mein Besuch in der Al-Azhar-Universität, der höchsten akademischen Einrichtung der Sunniten, hatte ein doppeltes Motiv: einerseits den Dialog zwischen Christen und Muslimen zu vertiefen, und andererseits den Frieden in der Welt zu fördern. Der Friede wächst durch die Erziehung, durch Ausbildung zu einem Humanismus, der auch den religiösen Bereich einbezieht, wie der Großimam von Al-Azhar hervorhob. Der Friede baut auf dem Bund Gottes mit den Menschen auf, der in den Zehn Geboten seinen Ausdruck findet, sind sie doch in das Herz der Menschen an jedem Ort und zu allen Zeiten eingeschrieben. Die Christen in Ägypten sind trotz ihrer Minderheit eingeladen, Sauerteig der Brüderlichkeit für die Gesellschaft zu werden. So wurde auch meine Begegnung mit dem koptischen Papst Tawadros II. zum lebendigen Zeugnis der Gemeinschaft und der Ökumene. Die gemeinsame Messfeier mit den Katholiken Ägyptens war ein großes Fest des Glaubens und der Brüderlichkeit. Gerade beim Treffen mit den Priestern und Ordensleuten durfte ich die Schönheit der Kirche Ägyptens erleben.

 

 


Generalaudienz vom 26.04.2017

 

Liebe Brüder und Schwestern, die Verheißung des Auferstandenen »Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt« (Mt 28,20) verweist auf das Geheimnis Gottes, dessen Name und Wesen im „Mit-Sein“ besteht. Er ist der „Gott mit uns“: Er ist nicht ein ferner, abwesender Gott, sondern liebt und begleitet uns Menschen immer, selbst wenn wir ihn vergessen sollten. So ist der Mensch auf seinem Pilgerweg durch die Welt nie allein. Der Herr ist alle Tage mit den Seinen, seine Sorge für den Menschen dauert »bis zum Ende der Welt«. Er weiß, was wir nötig haben, und lässt uns in schwierigen Zeiten nicht im Stich. Wir dürfen diese Gewissheit auf Gottes Vorsehung fest im Herzen tragen. Eines der christlichen Symbole für die Hoffnung ist der Anker. Darin kommt zum Ausdruck, dass die christliche Hoffnung nicht etwas Vages ist, das auf das menschliche Wollen und Wirken baut. Vielmehr ist sie in der Sicherheit verankert, die von Gott kommt. Was Gott zugesagt und in Jesus Christus verwirklicht hat, schenkt uns Gewissheit. So können wir Christen überall unseren Weg gehen und selbst dort weiter hoffen, wo Dunkel herrscht. Die Verheißung Christi »Ich bin mit euch« lässt uns in der Hoffnung vorangehen und darauf vertrauen, dass Gott schon am Werk ist, das zu vollbringen, was menschlich unmöglich erscheint.

 

 

Generalaudienz vom 19.04.2017

 

Liebe Brüder und Schwestern, im ersten Korintherbrief spricht der Apostel Paulus von der Auferstehung als dem Ausgangspunkt unseres Glaubens. Das Christsein ist ein Weg des Glaubens, der bei diesem Ereignis beginnt, welches das Leben einiger Personen grundlegend verändert hat. Das hat sie zu kraftvollen Zeugen gemacht. Die christliche Botschaft erwächst nicht aus den Gedanken eines Weisen, sondern tritt von außen an die Menschheit heran. Paulus will das Unerhörte des Ostergeheimnisses deutlich machen, wenn er hervorhebt, dass das Evangelium nicht nur darin besteht, dass Christus für uns gestorben ist. Wenn alles mit dem Tod Jesu geendet hätte, wäre das nur ein Beispiel höchster Hingabe gewesen, das aber unseren Glauben nicht hätte erwecken können. Christus ist auferstanden, er „erschien dem Kephas, dann den Zwölf“ (1 Kor 15,5). Auch Paulus selbst hat das – wie ein Unwürdiger – erfahren dürfen, als der Auferstandene ihm auf der Straße nach Damaskus begegnete und alle seine bisherigen Vorstellungen auf den Kopf stellte. Immer wieder kommen Menschen so zum Glauben. Es ist nicht in erster Linie unsere Suche nach Gott, sondern die Suche Gottes nach uns. Jesus hat uns gepackt, uns ergriffen, uns sich zu Eigen gemacht, um uns nicht wieder loszulassen. Das Christsein ist ein Geschenk, eine Überraschung, und deshalb bedarf es unsererseits eines Herzens, das zu staunen vermag.

 

 

Generalaudienz vom 12.04.2017

 

Liebe Brüder und Schwestern, in der heutigen Katechese wollen wir die Hoffnung, die das Geheimnis des Kreuzes schenkt, betrachten. Gleich nach seinem Einzug in Jerusalem erklärt Jesus: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht“ (Joh 12,24). Christus selbst macht sich klein wie ein Weizenkorn. Er hat die Herrlichkeit des Himmels verlassen und ist gleichsam „auf die Erde gefallen“. In der äußersten Erniedrigung, im Kreuzestod ist der Same seiner Liebe aufgebrochen und hat so reiche Frucht gebracht – Hoffnung ist aufgebrochen. In seinem Tod und seiner Auferstehung verwandelt der Herr unsere Schuld in Vergebung, unseren Tod in Auferstehung, unsere Angst in Zuversicht, unsere Dunkelheit in Licht, unsere Enttäuschung in Hoffnung. Der Same, der stirbt – das ist die Logik der demütigen Liebe. Das ist der Weg Gottes, der allein Frucht bringt. Auch unsere Berufung ist es, Same der Hoffnung für die Welt zu werden. Es ist wahr, dieser Weg der Liebe geht über das Kreuz, das Opfer, die Selbsthingabe. Aber das Ziel ist die Auferstehung, das Leben in Fülle.

 

 

Generalaudienz vom 05.04.2017

 

Liebe Brüder und Schwestern, der erste Petrusbrief taucht ganz in das Ostergeheimnis ein und lässt uns auf besondere Weise spüren, dass der Herr immer an unserer Seite ist, ja in einem jeden von uns wohnt. Christus ist wahrhaft auferstanden und lebt. Durch die Taufe wohnt der Herr in unseren Herzen und erneuert uns in seiner Liebe und seinem Geist. Daher sind wir eingeladen, stets Rechenschaft zu geben über die Hoffnung, die uns erfüllt (1 Petr 3,15). Unsere Hoffnung ist weder eine Vorstellung noch ein Gefühl. Unsere Hoffnung ist eine Person, nämlich Jesus Christus, der in uns gegenwärtig ist. Diese Hoffnung sollen wir nicht theoretisch oder bloß mit Worten, sondern vor allem mit unserem Leben bezeugen. Wir dürfen die Hoffnung nicht verstecken. Wir müssen zulassen, dass Christus durch uns sichtbar wird und wirkt. Wenn wir dem Herrn in unserem Herzen und unserem Leben Raum geben, können wir handeln, wie er gehandelt hat, und das Böse durch das Gute besiegen. Wenn wir für das Gute leiden, sind wir in Gemeinschaft mit dem Herrn. Es ist, als würden wir gleichsam den Samen der Auferstehung ausstreuen und sein österliches Licht in der Dunkelheit erstrahlen lassen. Wir sollen vergeben und segnen; dann sind wir leuchtende Zeichen der Hoffnung und werden zu Werkzeugen des Friedens nach dem Herzen Gottes.

 

 

Generalaudienz vom 29.03.2017

 


Liebe Brüder und Schwestern, der Apostel Paulus lädt uns ein, den Blick auf die enge Beziehung zwischen Glauben und Hoffnung zu richten. Im Römerbrief macht er das am Beispiel des Abraham deutlich. Abraham vertraut gegen jede menschliche Erfahrung der Verheißung Gottes, ihm noch im Alter Nachkommen zu schenken. Der Herr nennt ihn „Vater vieler Völker“, und Abraham ist „fest davon überzeugt, dass Gott die Macht besitzt, zu tun, was er verheißen hat“ (Röm 4,21). Seine große Hoffnung gründet im Glauben an den Gott des Lebens und ist deshalb fähig, über jede menschliche Erwartung hinauszugehen. Sie weicht nicht einmal vor dem Tod zurück, weil sie sich vom Gott der Auferstehung und des Lebens angesprochen weiß. Insofern ist Abraham Vorbote einer neuen Menschheit, die von Jesus Christus aus Sünde und Tod errettet ist und zum barmherzigen Vater geführt wird, der sie mit offenen Armen empfängt.

 

 

Generalaudienz vom 22.03.2017

 

Liebe Brüder und Schwestern, in der Katechesenreihe über die christliche Hoffnung wollen wir heute unseren Blick auf die Haltungen der Geduld und des Trostes richten. Was haben sie mit der Hoffnung zu tun? Geduld meint Beharrlichkeit, die Kraft, etwas zu tragen, Treue auch in Schwierigkeiten. Der Trost ist die Gnade, welche uns in Zeiten der Not und Enttäuschung die Gegenwart und das Mitleiden Gottes erkennen lässt. Der Apostel Paulus weist darauf hin, dass uns die Heilige Schrift Geduld und Trost lehrt. Zugleich aber offenbart sie uns den Herrn selbst als „Gott der Geduld und des Trostes“ (Röm 15,5). Die Gnade der Geduld und des Trostes, die Gott uns schenkt, sollen wir unserem Nächsten weitergeben. Dann nehmen die sogenannten „Starken“ Teil an der Schwäche der Bedürftigen und beschenken sich gegenseitig. Wichtig ist dabei, immer Christus ins Zentrum zu stellen, der wirklich unser „starker Bruder“ ist, der für jeden von uns sorgt, der als guter Hirt uns auf seinen Schultern trägt. So erschöpft sich christliche Hoffnung nicht in menschlichen Fähigkeiten, sondern Christus selbst ist ihre Erfüllung.

 

 

Generalaudienz vom 15.03.2017

 

Liebe Brüder und Schwestern,

die Gottes- und Nächstenliebe ist die höchste Berufung des Christen. Damit verbunden ist auch die Freude der christlichen Hoffnung. Der heilige Paulus warnt uns davor, dass sich in die Nächstenliebe Heuchelei einschleichen kann: persönliche Interessen, die Suche nach eigener Erfüllung, der Wunsch, sich selbst darzustellen und zu zeigen, wie gut und tüchtig wir sind, als wäre die Nächstenliebe unser menschliches Werk. Diese ist hingegen vielmehr ein Geschenk der Gnade Gottes und Frucht der Begegnung mit dem gütigen und barmherzigen Antlitz Jesu. Wir sind sündige Menschen, was sich auf unser Liebestun auswirkt. Von uns aus sind wir kaum fähig, wirklich zu lieben. Christus hat uns aber von der Sünde befreit und den Weg des Heils eröffnet. Wenn wir unser Herz von ihm heilen und erneuern lassen, können wir nach dem Gebot der Liebe leben und zu einem Werkzeug der göttlichen Liebe werden, so dass Gott in uns und durch uns wirkt. Die Erfahrung des göttlichen Erbarmens befähigt uns, die anderen so zu lieben, wie Gott sie liebt, und ihr Wohl zu wollen. Dies ist die Botschaft der Hoffnung, die Paulus uns bringt. So ermutigt er uns, die Hoffnung in uns neu zu entfachen und uns in der Hoffnung zu freuen. Denn selbst in unseren Unzulänglichkeiten und unserem Scheitern hört Gottes Liebe nie auf.

 

Generalaudienz vom 01.03.2017

 

Liebe Brüder und Schwestern, mit dem heutigen Aschermittwoch beginnen wir die Fastenzeit, die ein Weg der Hoffnung ist. Wir können diese vorösterliche Zeit als ein Heraustreten aus unserer Finsternis hin zum Licht des auferstandenen Christus verstehen. Sie bietet uns Gelegenheit, unser Taufbekenntnis zu erneuern, wieder neu „von oben“ – von der Liebe Gottes – geboren zu werden (vgl. Joh 3,3). Insofern ist die Fastenzeit ihrem Wesen nach Zeit der Umkehr und der Hoffnung. Der Auszug des Volkes Israel aus Ägypten ist ein Beispiel für den Weg der Hoffnung. Geführt von Mose bricht es aus einer Situation der Knechtschaft auf. Gott gibt den Israeliten das Gesetz, damit sie ihn, ihren einzigen Herrn, zu lieben lernen und auch untereinander Liebe üben. Trotz der Prüfungen auf dem Weg macht das Volk immer wieder die Erfahrung, dass Gott die Seinen in das Land der Verheißung führen will. Auch das Paschaopfer Jesu, sein österliches Leiden und Sterben, ist eine Art Auszug, ein Exodus. Um diesen Weg zu gehen, hat er sich entäußert, er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz (vgl. Phil 2,7-8). Damit hat er uns von der Knechtschaft der Sünde befreit. Dank ihm können wir die Wüste des Bösen durchqueren und in das Reich seines Friedens gelangen. Doch dazu bedarf es auch unseres „Ja“: Durch das Gebet, den Empfang der Sakramente und unsere Hilfe gegenüber den Bedürftigen nehmen wir teil an dieser Geschichte der Liebe zwischen Gott und den Menschen.

 

Generalaudienz vom 22.02.2017

 

Liebe Brüder und Schwestern, im Römerbrief, aus dem wir gerade einen Abschnitt gehört haben, weist der Apostel Paulus darauf hin, dass die Schöpfung nicht unser Eigentum, sondern eine Gabe ist, in der wir die Spuren der Liebe Gottes erkennen sollen. Doch durch die Sünde wurde die Gemeinschaft mit Gott verletzt, und dies gilt auch für die Schöpfung, die nun zugleich ein trauriges Zeichen der Gier des Menschen ist. Paulus hält allerdings mit Freude fest, dass Gott in seinem allumfassenden Heilswillen das Seufzen der ganzen Schöpfung hört. Auch wir selbst können in uns dieses Seufzen wahrnehmen, das der Apostel mit Geburtswehen vergleicht. Denn sie sind kein unnützes Klagen, sondern Ausdruck der Hoffnung auf unsere Erlösung. Mehr noch: Christliche Hoffnung besagt, dass wir schon erlöst sind, aber auf die Vollendung warten. Als Christen sind wir stets mit dem Geheimnis Christi, der auferstandenen ist und lebt, verbunden. Zwar kennen wir auch Zeiten der Not, in denen wir uns leicht in einem unnötigen Klagen ergehen. Da kommt uns jedoch der Heilige Geist als Tröster zu Hilfe. Er selber leitet dann unser Seufzen wieder auf die christliche Hoffnung, auf die Verheißungen der Liebe Gottes hin.

 

 

Generalaudienz vom 15.02.2017

 

Liebe Brüder und Schwestern, im Römerbrief spricht der Apostel Paulus davon, stolz zu sein: Wir »rühmen uns unserer Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes. Mehr noch, wir rühmen uns ebenso unserer Bedrängnis« (5,2b-3a). Es geht hier aber nicht um Selbstlob, sondern darum, im Licht des Heiligen Geistes zu erkennen, dass alles Gnade ist. Es ist Gott, der handelt und der Herr der Geschichte ist. Er schafft alles als ein Geschenk seiner Liebe, er führt seinen Heilsplan aus und vollendet ihn in seinem Sohn Jesus Christus. Dies sollen wir anerkennen, dankbar annehmen und zum Grund unseres Lobpreises und unserer Freude werden lassen. Dann haben wir Frieden mit Gott und erfahren wir echte Freiheit. Dieser Frieden erstreckt sich auf alle unsere Lebensbereiche und zwischenmenschlichen Beziehungen. Voraussetzung dieses Friedens bildet die Fähigkeit, sich auch der Bedrängnis zu rühmen. Der Frieden, den Gott uns anbietet und gewährt, ist nämlich nicht als Freisein von Sorgen, Enttäuschungen, Leid zu verstehen. Das Geschenk des Friedens, der aus dem Glauben kommt, besteht in der Gnade, die Erfahrung zu machen, dass Gott uns liebt und immer an unserer Seite ist. Dies bewirkt Geduld und Hoffnung, die nicht zugrunde gehen lässt (vgl. V. 5). Ihr Grund ist die Liebe Gottes zu einem jeden von uns und der Heilige Geist, der in uns den Glauben nährt und die Hoffnung lebendig erhält.

 

 

Generalaudienz vom 08.02.2017


Liebe Brüder und Schwestern, im ersten Brief an die Thessalonicher weist der Apostel Paulus darauf hin, dass die christliche Hoffnung nicht nur eine Sache des Einzelnen ist, sondern einen gemeinschaftlichen und kirchlichen Zug hat. Die Kirche bringt ihre Hoffnung unter anderem darin zum Ausdruck, dass alle ihre Mitglieder füreinander wie für die verschiedenen Gruppen beten. In diesem Sinne richtet Paulus seinen Blick auf alle Bereiche, aus denen sich die christliche Gemeinde zusammensetzt. Zunächst sind es die mit der seelsorglichen Leitung Beauftragten, die der Stützung durch die Gläubigen bedürfen; ist ihnen doch ein göttliches Amt anvertraut worden, das ihre rein menschlichen Kräfte übersteigt. Die Aufmerksamkeit richtet sich weiter auf Geschwister, die Gefahr laufen, ihre Hoffnung zu verlieren. Wer entmutigt und schwach ist, braucht die wärmende Nähe, das Mitgefühl und den Trost der Kirche. Es ist ganz wichtig, dass sich die christliche Hoffnung in der konkreten Nächstenliebe äußert. Damit die Hoffnung immer wieder genährt wird, ist ein „Körper“ nötig, dessen Glieder füreinander einstehen und einander stärken. Und gerade die Kleinen, die Menschen, die jeden Tag Prüfungen erdulden müssen, geben uns mit ihrer Hoffnung ein Zeugnis davon, dass Gott das letzte Wort behält, das Wort der Barmherzigkeit, des Lebens und des Friedens.

 

 

Generalaudienz vom 01.02.2017

 

Liebe Brüder und Schwestern, die Worte der Lesung, die wir eben gehört haben, sprechen von der Begeisterung und Freude, mit der die noch junge Gemeinde von Thessalonich die Auferstehung Christi feiert. Paulus zeigt zugleich, dass das Ostergeheimnis eine konkrete Wirkung für uns alle hat und versichert die Thessalonicher der Wahrheit über die Auferstehung der Toten: „Ihr alle seid Söhne des Lichts und Söhne des Tages“ (5,5). Er ermahnt uns, an dieser trostreichen Verheißung entschieden mit „der Hoffnung auf das Heil“ (5,8) festzuhalten. Die christliche Hoffnung ist nicht leer oder unsicher. Ihr Inhalt ist nicht etwas, das eintreten kann oder auch nicht. Sie ist die Erwartung dessen, was sich in uns bereits erfüllt hat. Kraft des Geheimnisses der Auferstehung Christi und unserer Gotteskindschaft dürfen auch wir die Auferstehung von den Toten als eine sichere Wirklichkeit erwarten: „Er ist für uns gestorben, damit wir vereint mit ihm leben, ob wir nun wachen oder schlafen“ (5,10). Im Leben und im Sterben wissen wir, dass Christus unser Leben ist.

 

 

Generalaudienz vom 25.01.2017

 

Liebe Brüder und Schwestern, zu den großen Gestalten der Hoffnung im Alten Testament zählt Judit. In der Stadt Betulia war angesichts der Belagerung durch den assyrischen Feldherrn Holofernes jegliche Hoffnung auf Gottes rettendes Eingreifen geschwunden. Als keiner mehr zu hoffen vermag, tritt Judit, eine Witwe, mit der Kraft und dem Blick eines Propheten auf. Mit der Sprache des Glaubens führt sie ihre Landsleute zu neuer Hoffnung. Der Herr ist ein Gott des Heils; er befreit und bringt Leben, aber in Gottes unergründlichem Plan kann Heil auch in Opfer und Leid geschehen. Wir dürfen Gott keine Bedingungen stellen. Denn ihm zu vertrauen heißt, seinem Plan zu folgen und dabei nichts zu verlangen, sondern anzunehmen, dass seine Hilfe und sein Heil durchaus anders sein können, als wir es uns vorstellen. Es liegt nicht an uns, dem Herrn vorzuschreiben, was wir brauchen, er weiß es besser als wir selbst. Judit zeigt uns den Weg des Vertrauens, des Wartens, des Gebets und des Gehorsams: nicht einfach aufgeben und alles tun, was uns möglich ist, doch stets in Treue zum Willen des Herrn und in der Haltung des Glaubens, alles aus Gottes Hand anzunehmen, dessen Güte wir sicher sein dürfen.

 

 

Generalaudienz vom 18.01.2017

 

 

Liebe Brüder und Schwestern,
guten Tag!

In der Heiligen Schrift hebt sich unter den Propheten Israels eine etwas ungewöhnliche Gestalt ab: ein Prophet, der versucht, sich dem Ruf des Herrn zu entziehen, indem er sich weigert, sich in den Dienst des göttlichen Heilsplans zu stellen. Es handelt sich um den Propheten Jona, dessen Geschichte in einem kleinen Buch mit nur vier Kapiteln erzählt wird: eine Art Gleichnis, das eine große Lehre enthält, die Lehre der Barmherzigkeit Gottes, der vergibt.

Jona ist ein Prophet »im Aufbruch« und auch ein Prophet auf der Flucht! Er ist ein Prophet im Aufbruch, den Gott in ein »Randgebiet« sendet, nach Ninive, um die Bewohner jener großen Stadt zu bekehren. Ninive war jedoch für einen Israeliten wie Jona eine bedrohliche Realität: der Feind, der Jerusalem selbst in Gefahr brachte und daher zerstört und gewiss nicht gerettet werden sollte. Als Gott ihn also zum Predigen in jene Stadt sendet, versucht der Prophet, der die Güte des Herrn und seinen Wunsch nach Vergebung kennt, sich der Aufgabe zu entziehen, und flieht.

Auf seiner Flucht kommt der Prophet in Kontakt mit einigen Heiden, den Seeleuten des Schiffes, auf dem er sich eingeschifft hatte, um sich von Gott und von seiner Sendung zu entfernen. Er flieht weit weg, denn Ninive lag im Gebiet des Irak, und er flieht nach Spanien, er flieht ernsthaft. Und gerade das Verhalten dieser heidnischen Männer, ebenso wie später das der Bewohner von Ninive, gestattet uns heute, etwas über die Hoffnung nachzudenken, die angesichts der Todesgefahr im Gebet zum Ausdruck kommt. Denn auf der Überfahrt über das Meer bricht ein gewaltiger Sturm los, und Jona steigt in den Laderaum des Schiffes hinab und legt sich schlafen. Die Seeleute dagegen sehen sich verloren, und »jeder schrie zu seinem Gott um Hilfe«: Sie waren Heiden (Jona 1,5). Der Kapitän des Schiffes weckt Jona und sagt zu ihm: »Wie kannst du schlafen? Steh auf, ruf deinen Gott an; vielleicht denkt dieser Gott an uns, so dass wir nicht untergehen « (Jona 1,6). Die Reaktion dieser »Heiden« ist die richtige Reaktion angesichts des Todes, angesichts der Gefahr: denn dann erfährt der Mensch in ganzer Fülle seine eigene Schwäche und seine Heilsbedürftigkeit. Der instinktive Schauder vor dem Tod offenbart die Notwendigkeit, auf den Gott des Lebens zu hoffen. »Vielleicht denkt dieser Gott an uns, so dass wir nicht untergehen«: Es sind Worte der Hoffnung, die zum Gebet wird, zu jenem ängstlichen Flehen, das dem Menschen angesichts einer unmittelbaren Todesgefahr über die Lippen kommt. Zu leicht verschmähen wir die Anrufung Gottes in der Not, so als sei es nur ein eigennütziges und daher unvollkommenes Gebet. Aber Gott kennt unsere Schwäche, er weiß, dass wir uns an ihn erinnern, um Hilfe zu erbitten, und mit dem milden Lächeln eines Vaters gibt Gott eine gütige Antwort.

Als Jona die eigene Verantwortung erkennt und sich ins Meer werfen lässt, um seine Reisegefährten zu retten, legt sich der Sturm. Der bevorstehende Tod hat jene heidnischen Männer zum Gebet gebracht, er hat dafür gesorgt, dass der Prophet trotz allem seine Berufung im Dienst der anderen lebt und bereit ist, sich für sie zu opfern. Jetzt führt er die Überlebenden zur Erkenntnis des wahren Herrn und zum Lobpreis. Die Seeleute, die von Angst ergriffen gebetet und sich an ihre Götter gewandt hatten, erkennen jetzt mit aufrichtiger Gottesfurcht den wahren Gott, bringen Opfer dar und machen ihm Gelübde. Die Hoffnung, die sie dazu gebracht hatte zu beten, um nicht zu sterben, erweist sich als noch mächtiger und bringt eine Wirklichkeit hervor, die über das, was sie gehofft hatten, sogar hinausgeht: Sie kommen nicht nur nicht im Sturm um, sondern öffnen sich für die Erkenntnis des wahren und einzigen Herrn des Himmels und der Erde.

Später werden auch die Bewohner von Ninive angesichts der Gefahr, vernichtet zu werden, beten, getrieben von der Hoffnung auf die Vergebung Gottes. Sie werden Buße tun, werden den Herrn anrufen und sich zu ihm bekehren, begonnen beim König, der – wie der Kapitän des Schiffes – der Hoffnung die Stimme verleiht, indem er sagt: »Wer weiß, vielleicht reut es Gott wieder […] so dass wir nicht zugrunde gehen« (Jona 3,9). Auch Sie, ebenso wie die Schiffsbesatzung im Sturm, hat die Tatsache, dass sie sich dem Tod gestellt haben und heil herausgekommen sind, zur Wahrheit geführt. So kann in der göttlichen Barmherzigkeit und noch mehr im Licht des Ostergeheimnisses der Tod zu »unserem Bruder Tod« werden, wie für den heiligen Franz von Assisi, und für alle Menschen und einen jeden von uns die überraschende Gelegenheit darstellen, die Hoffnung kennenzulernen und dem Herrn zu begegnen. Möge der Herr uns diese Verbindung zwischen Gebet und Hoffnung verstehen lassen. Das Gebet bringt dich voran in der Hoffnung, und wenn die Dinge dunkel werden, braucht man mehr Gebet! Und es wird mehr Hoffnung da sein. Danke.

 

 

Generalaudienz vom 11.01.2017

 

 

Liebe Brüder und Schwestern,
guten Tag!

In der Heiligen Schrift hebt sich unter den Propheten Israels eine etwas ungewöhnliche Gestalt ab: ein Prophet, der versucht, sich dem Ruf des Herrn zu entziehen, indem er sich weigert, sich in den Dienst des göttlichen Heilsplans zu stellen. Es handelt sich um den Propheten Jona, dessen Geschichte in einem kleinen Buch mit nur vier Kapiteln erzählt wird: eine Art Gleichnis, das eine große Lehre enthält, die Lehre der Barmherzigkeit Gottes, der vergibt.

Jona ist ein Prophet »im Aufbruch« und auch ein Prophet auf der Flucht! Er ist ein Prophet im Aufbruch, den Gott in ein »Randgebiet« sendet, nach Ninive, um die Bewohner jener großen Stadt zu bekehren. Ninive war jedoch für einen Israeliten wie Jona eine bedrohliche Realität: der Feind, der Jerusalem selbst in Gefahr brachte und daher zerstört und gewiss nicht gerettet werden sollte. Als Gott ihn also zum Predigen in jene Stadt sendet, versucht der Prophet, der die Güte des Herrn und seinen Wunsch nach Vergebung kennt, sich der Aufgabe zu entziehen, und flieht.

Auf seiner Flucht kommt der Prophet in Kontakt mit einigen Heiden, den Seeleuten des Schiffes, auf dem er sich eingeschifft hatte, um sich von Gott und von seiner Sendung zu entfernen. Er flieht weit weg, denn Ninive lag im Gebiet des Irak, und er flieht nach Spanien, er flieht ernsthaft. Und gerade das Verhalten dieser heidnischen Männer, ebenso wie später das der Bewohner von Ninive, gestattet uns heute, etwas über die Hoffnung nachzudenken, die angesichts der Todesgefahr im Gebet zum Ausdruck kommt. Denn auf der Überfahrt über das Meer bricht ein gewaltiger Sturm los, und Jona steigt in den Laderaum des Schiffes hinab und legt sich schlafen. Die Seeleute dagegen sehen sich verloren, und »jeder schrie zu seinem Gott um Hilfe«: Sie waren Heiden (Jona 1,5). Der Kapitän des Schiffes weckt Jona und sagt zu ihm: »Wie kannst du schlafen? Steh auf, ruf deinen Gott an; vielleicht denkt dieser Gott an uns, so dass wir nicht untergehen « (Jona 1,6). Die Reaktion dieser »Heiden« ist die richtige Reaktion angesichts des Todes, angesichts der Gefahr: denn dann erfährt der Mensch in ganzer Fülle seine eigene Schwäche und seine Heilsbedürftigkeit. Der instinktive Schauder vor dem Tod offenbart die Notwendigkeit, auf den Gott des Lebens zu hoffen. »Vielleicht denkt dieser Gott an uns, so dass wir nicht untergehen«: Es sind Worte der Hoffnung, die zum Gebet wird, zu jenem ängstlichen Flehen, das dem Menschen angesichts einer unmittelbaren Todesgefahr über die Lippen kommt. Zu leicht verschmähen wir die Anrufung Gottes in der Not, so als sei es nur ein eigennütziges und daher unvollkommenes Gebet. Aber Gott kennt unsere Schwäche, er weiß, dass wir uns an ihn erinnern, um Hilfe zu erbitten, und mit dem milden Lächeln eines Vaters gibt Gott eine gütige Antwort.

Als Jona die eigene Verantwortung erkennt und sich ins Meer werfen lässt, um seine Reisegefährten zu retten, legt sich der Sturm. Der bevorstehende Tod hat jene heidnischen Männer zum Gebet gebracht, er hat dafür gesorgt, dass der Prophet trotz allem seine Berufung im Dienst der anderen lebt und bereit ist, sich für sie zu opfern. Jetzt führt er die Überlebenden zur Erkenntnis des wahren Herrn und zum Lobpreis. Die Seeleute, die von Angst ergriffen gebetet und sich an ihre Götter gewandt hatten, erkennen jetzt mit aufrichtiger Gottesfurcht den wahren Gott, bringen Opfer dar und machen ihm Gelübde. Die Hoffnung, die sie dazu gebracht hatte zu beten, um nicht zu sterben, erweist sich als noch mächtiger und bringt eine Wirklichkeit hervor, die über das, was sie gehofft hatten, sogar hinausgeht: Sie kommen nicht nur nicht im Sturm um, sondern öffnen sich für die Erkenntnis des wahren und einzigen Herrn des Himmels und der Erde.

Später werden auch die Bewohner von Ninive angesichts der Gefahr, vernichtet zu werden, beten, getrieben von der Hoffnung auf die Vergebung Gottes. Sie werden Buße tun, werden den Herrn anrufen und sich zu ihm bekehren, begonnen beim König, der – wie der Kapitän des Schiffes – der Hoffnung die Stimme verleiht, indem er sagt: »Wer weiß, vielleicht reut es Gott wieder […] so dass wir nicht zugrunde gehen« (Jona 3,9). Auch Sie, ebenso wie die Schiffsbesatzung im Sturm, hat die Tatsache, dass sie sich dem Tod gestellt haben und heil herausgekommen sind, zur Wahrheit geführt. So kann in der göttlichen Barmherzigkeit und noch mehr im Licht des Ostergeheimnisses der Tod zu »unserem Bruder Tod« werden, wie für den heiligen Franz von Assisi, und für alle Menschen und einen jeden von uns die überraschende Gelegenheit darstellen, die Hoffnung kennenzulernen und dem Herrn zu begegnen. Möge der Herr uns diese Verbindung zwischen Gebet und Hoffnung verstehen lassen. Das Gebet bringt dich voran in der Hoffnung, und wenn die Dinge dunkel werden, braucht man mehr Gebet! Und es wird mehr Hoffnung da sein. Danke.

 

 

Generalaudienz vom 04.01.2017

 

 

Liebe Brüder und Schwestern,
guten Tag!

In der heutigen Katechese möchte ich mit euch die Gestalt einer Frau betrachten, die von der in Zeiten der Tränen gelebten Hoffnung zu uns spricht. Die unter Tränen gelebte Hoffnung. Es handelt sich um Rahel, die Ehefrau des Jakob und Mutter von Josef und Benjamin. Wie das Buch Genesis uns berichtet stirbt sie bei der Geburt ihres Zweitgeborenen, also Benjamins.

Der Prophet Jeremia nimmt Bezug auf Rahel, als er sich an die in der Verbannung lebenden Israeliten wendet, um sie zu trösten, mit gefühlvollen und poetischen Worten. Er greift also Rahels Tränen auf, schenkt jedoch Hoffnung.

So spricht der Herr: »Ein Geschrei ist in Rama zu hören,
bitteres Klagen und Weinen.
Rahel weint um ihre Kinder und will sich nicht trösten lassen,
um ihre Kinder,
denn sie sind dahin« (Jer 31,15).

In den Versen präsentiert Jeremia diese Frau aus seinem Volk, die große Erzmutter seines Stammes, in einer Wirklichkeit des Schmerzes und der Tränen, aber gleichzeitig in einer unerwarteten Perspektive des Lebens. Nach dem Bericht der Genesis war Rahel bei der Geburt gestorben und hatte jenen Tod angenommen, damit ihr Sohn leben konnte. Jetzt dagegen wird sie vom Propheten in Rama, wo die Vertriebenen sich versammelt haben, als lebendig dargestellt: Sie weint um die Kinder, die in gewissem Sinne gestorben sind, als sie in die Verbannung gegangen sind. Diese Kinder, wie sie selbst sagt, »sind dahin«, sind für immer verschwunden. Und darum will Rahel nicht getröstet werden. Diese Weigerung bringt die Tiefe ihres Schmerzes und die Bitterkeit ihrer Tränen zum Ausdruck.

Angesichts der Tragödie des Verlustes der Kinder kann eine Mutter Worte oder Gesten des Trostes nicht annehmen: Sie sind immer unzulänglich und nie in der Lage, den Schmerz einer Wunde zu lindern, die nicht geheilt werden kann und werden will: ein Schmerz, der proportional zur Liebe ist. Jede Mutter weiß das alles; und auch heute gibt es viele Mütter, die weinen, die sich mit dem Verlust eines Kindes nicht abfinden, die untröstlich sind angesichts eines Todes, den man unmöglich annehmen kann. Rahel schließt den Schmerz aller Mütter der Welt, aller Zeiten ein sowie die Tränen eines jedes Menschen, der um unwiederbringliche Verluste weint.

Diese Weigerung Rahels, die nicht getröstet werden will, lehrt uns auch, wie viel Einfühlsamkeit von uns verlangt wird angesichts des Schmerzes anderer Menschen. Um zum Verzweifelten von Hoffnung zu sprechen, muss man seine Verzweiflung teilen; um eine Träne auf dem Gesicht des Leidenden zu trocknen, müssen wir uns im Weinen mit ihm vereinen. Nur so können unsere Worte wirklich in der Lage sein, etwas Hoffnung zu schenken. Und wenn ich die Worte nicht so sagen kann, mit Tränen, mit Schmerz, dann ist es besser zu schweigen: eine Liebkosung, eine Geste und keine Worte.

Und Gott mit seiner Zärtlichkeit und seiner Liebe antwortet auf Rahels Weinen mit wahren, nicht mit falschen Worten. Denn der Text des Jeremia geht so weiter:

So spricht der Herr – er antwortet auf dieses Weinen:
»Verwehre deiner Stimme die Klage
und deinen Augen die Tränen!
Denn es gibt einen Lohn für deine Mühe –
Spruch des Herrn:
Sie werden zurückkehren
aus dem Feindesland.
Es gibt eine Hoffnung für deine
Nachkommen – Spruch des Herrn:
Die Söhne werden zurückkehren
in ihre Heimat« (Jer 31,16-17).

Gerade wegen des Weinens der Mutter gibt es noch Hoffnung für die Kinder, die wieder ins Leben zurückkehren werden. Diese Frau, die akzeptiert hatte, im Augenblick der Geburt zu sterben, damit der Sohn leben kann, ist mit ihrem Weinen jetzt der Beginn neuen Lebens für die verbannten, gefangenen Kinder, die fern der Heimat sind. Auf Rahels Schmerz und ihr bitteres Weinen antwortet der Herr mit einer Verheißung, die jetzt für sie Grund wahren Trostes sein kann: Das Volk kann aus der Verbannung zurückkehren und im Glauben, frei, seine Beziehung zu Gott leben. Die Tränen haben Hoffnung hervorgebracht.

Und das ist nicht leicht zu verstehen, aber es ist wahr. Oft säen in unserem Leben die Tränen Hoffnung, sind sie Samen der Hoffnung. Bekanntlich wurde dieser Text des Jeremia später vom Evangelisten "Matthäus aufgegriffen und auf den Kindermord von Betlehem übertragen (vgl. 2,16-18): ein Text, der uns mit der Tragödie der Ermordung wehrloser Menschen konfrontiert, mit den Schrecken der Macht, die das Leben verachtet und auslöscht. Die Kinder von Betlehem sind wegen Jesus gestorben. Und er, das unschuldige Lamm, sollte später seinerseits für uns alle sterben. Der Sohn Gottes ist in den Schmerz der Menschen eingetreten. Das darf man nicht vergessen. Wenn jemand sich an mich wendet und mir schwierige Fragen stellt, zum Beispiel: »Sagen Sie mir, Vater: Warum leiden die Kinder?«, dann weiß ich wirklich nicht, was ich antworten soll. Ich sage nur: »Betrachte den Gekreuzigten:  Gott hat uns seinen Sohn geschenkt, er hat gelitten, und vielleicht findest du dort eine Antwort.« Aber Antworten von hier [er zeigt auf seinen Kopf] gibt es nicht. Nur die Betrachtung der Liebe Gottes, der seinen Sohn hingibt, der sein Leben für uns hinschenkt, kann einen Weg des Trostes aufzeigen. Und daher sagen wir, dass der Sohn Gottes in den Schmerz der Menschen eingetreten ist; er hat den Tod geteilt und angenommen; sein Wort ist endgültig ein Wort des Trostes, weil es aus dem Weinen hervorgeht.

Und am Kreuz schenkt er, der sterbende Sohn, seiner Mutter neue Fruchtbarkeit, indem er ihr den Jünger Johannes anvertraut und sie zur Mutter des Volkes der Gläubigen macht. Der Tod ist besiegt, und so gelangt Jeremias Prophezeiung zur Erfüllung. Auch Marias Tränen haben, ebenso wie die von Rahel, Hoffnung und neues Leben hervorgebracht. Danke.

 

 

Quelle: www.vatican.va