Generalaudienzen 2018

Generalaudienz vom 20.06.2018

  

Liebe Brüder und Schwestern, die Zehn Gebote stehen in der Bibel nicht für sich allein, sondern sind Teil einer Beziehung, nämlich des Bundes Gottes mit seinem Volk. Deswegen nennt die Heilige Schrift sie Dekalog – zehn Worte. Das Gebot ist eine bloße Mitteilung, das Wort hingegen das wesentliche Mittel der Beziehung als Dialog. Gott spricht zu seinem Volk, er will einen Dialog aus Liebe. Von jeher, wie auch die Erzählung vom Sündenfall im Buch Genesis deutlich macht, steht der Mensch vor diesem Scheideweg: Ist Gott jemand, der mir die Dinge auferlegt oder der für mich Sorge trägt? Sind seine Gebote allein Gesetz oder sein Wort für mich? Ist er Herrscher oder Vater, sind wir Untertanen oder Kinder? In diesem innerlichen und äußerlichen Ringen müssen wir uns unentwegt zwischen dem Denken als Sklaven oder als Kinder entscheiden. Der Heilige Geist ist ein Geist der Kindschaft. Ein Geist als Sklaven kann das Gesetz nur als Unterdrückung annehmen mit zwei gegensätzlichen Ergebnissen: ein Leben unter Pflichten und Zwängen oder eine gewaltsame Haltung der Ablehnung. Das Christentum als Ganzes ist hingegen der Übergang vom Buchstaben des Gesetzes zum Geist, der lebendig macht (vgl. 2 Kor 3,6). 

 

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 13.06.2018

  

Liebe Brüder und Schwestern, heute wollen wir uns auf eine neue Katechesenreihe zu den Zehn Geboten einstimmen und mit der Frage unserer Sehnsucht nach einem  Leben in Fülle auseinandersetzen. Wir Menschen, gerade die jungen unter uns, suchen das wahre „Leben“, zerstören es dabei aber oft mit kurzfristigen Freuden. Manche unterdrücken aber auch diese Sehnsucht und geben sich den gefährlichen Feinden der Mittelmäßigkeit und des Kleinmuts hin. Wir alle und in besonderer Weise die jungen Menschen sollen von Gott eine gesunde Unruhe erbitten, die nach dem wirklichen Leben hungert. Im soeben gehörten Abschnitt des  Markusevangeliums (10,17-21) weist Jesus einem Mann den Weg der Fülle. Dieser befolgt bereits die Zehn Gebote. Aber es geht um mehr. Es geht um die Fülle. Jesus, der nicht gekommen ist, das Gesetz und die Propheten aufzuheben, sondern sie zu erfüllen (vgl. Mt 5,17), macht uns Mut, uns nach dem, was uns noch fehlt, auszustrecken. Er selbst wird die Erfüllung schenken. Dabei geht es nicht darum, etwas zu verlieren, sondern das Große, den himmlischen Schatz zu gewinnen. Lasst uns zu reifen Christen werden, die ihre Begrenztheit erkennen und das Verlangen haben, den Weg zur Fülle des Lebens zu gehen, den Christus uns zeigt.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 06.06.2018

  

Liebe Brüder und Schwestern, in der heutigen Katechese wollen wir die Wirkungen des Sakraments der Firmung betrachten. Die Firmung verbindet die Getauften stärker miteinander als lebendige Glieder des mystischen Leibs der Kirche. Die Gabe des Heiligen Geistes lässt das „Ich“ der Gefirmten reifen, auf dass sie immer mehr für das „Wir“ der christlichen Gemeinschaft und für das Wohl der Gesellschaft leben. Die Kirche ist wie ein lebendiger Organismus, der sich aus Menschen zusammensetzt, die gemeinsam auf dem Weg sind. Diese Gemeinschaft der Teilkirche wird vom Bischof als Nachfolger der Apostel geführt. Entsprechend werden die Neugefirmten von ihm oder seinem Beauftragten als aktive Glieder der Teilkirche aufgenommen. Jedem Firmling gibt der Bischof den Friedensgruß. Der Zuspruch des Friedens ist zugleich ein Auftrag, Einheit zu suchen, andere einzubeziehen und keinen auszuschließen, nur weil er von uns verschieden ist. Die Firmung empfangen wir nur einmal, doch die Dynamik des Heiligen Geistes wirkt ständig in uns fort. Es bedarf aber auch unserer Beständigkeit. Keiner erhält die Firmung nur für sich allein sondern dazu, um am geistlichen Wachstum der anderen und der ganzen Kirche mitzuwirken. Die Firmung ist eine Stärkung, um aus sich herauszugehen und sein Leben für die Gemeinschaft einzusetzen.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 30.05.2018

  

Liebe Brüder und Schwestern, der innere Zusammenhang der Firmung mit der gesamten christlichen Initiation wird besonders deutlich durch die Erneuerung des Taufversprechens. Die Firmkandidaten bekräftigen ihr Bekenntnis zum Glauben der Kirche, ehe sie durch Handauflegung und Salbung die Fülle der Gaben des Heiligen Geistes empfangen, der die Taufgnade festigt und stärkt. Wie schon zur Zeit der Apostel wird der Heilige Geist durch das Auflegen der Hände mitgeteilt. Dazu kommt die Salbung mit wohlriechendem Öl, dem Chrisam. Der Bischof salbt den Firmling auf der Stirn und spricht: „Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist.“ Die Salbung bringt zum Ausdruck, dass der Geist den Christen heiligt und durchdringt und mit seinen Gaben, den Charismen, ziert. Der Heilige Geist ist das unsichtbare Geschenk und der Chrisam dessen sichtbares Siegel. Es ist Kennzeichen dafür, dass der Christ zum Herrn gehört und Gott ihm als Anteil am verheißenen Heil den Geist ins Herz gegeben hat (vgl. 2 Kor 1,22). Der Gefirmte empfängt ein unauslöschliches geistliches Prägemal, den „Charakter“, das ihn noch vollkommener Christus gleichgestaltet und ihm die Gnade schenkt, Christi Wohlgeruch unter den Menschen zu verbreiten (vgl. 2 Kor 2,15). 

 

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 23.05.2018

  

 

Liebe Brüder und Schwestern,

guten Tag!

 

Nach den Katechesen über die Taufe laden diese Tage, die auf das Hochfest Pfingsten folgen, uns ein, über das Zeugnis nachzudenken, das der Heilige Geist bei den Getauften erweckt, indem er ihr Leben in Bewegung bringt und es zum Wohl der anderen hin öffnet. Seinen Jüngern hat Jesus eine große Mission anvertraut: »Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt« (vgl. Mt 5,13-16). Diese Bilder lassen uns an unser Verhalten denken, denn sowohl der Mangel als auch das Übermaß an Salz machen die Nahrung ungenießbar, ebenso wie der Mangel oder das Übermaß an Licht das Sehen verhindern. Wer uns wirklich zu Salz machen kann, das Geschmack verleiht und vor dem Verderben bewahrt, und zu Licht, das die Welt erleuchtet, ist nur der Geist Christi! Und das ist das Geschenk, das wir im Sakrament der Firmung oder Chrismation empfangen, über das ich mit euch nachdenken möchte.

 

Es heißt »Firmung«, weil es die Taufe bestätigt und ihre Gnade stärkt (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 1289), und auch »Chrismation« aufgrund der Tatsache, dass wir den Heiligen Geist durch die Salbung mit dem »Chrisam« empfangen: mit wohlriechendem Balsam vermischtes Öl, das vom Bischof geweiht ist. Dieser Begriff verweist auf »Christus«, den mit dem Heiligen Geist Gesalbten.

 

Zum göttlichen Leben neu geboren zu werden ist der erste Schritt; dann muss man sich als Kinder Gottes verhalten, also Christus gleichförmig werden, der in der heiligen Kirche wirkt, und sich in seine Mission in der Welt hineinnehmen lassen. Dafür sorgt die Salbung des Heiligen Geistes: »Ohne dein lebendig Wehn kann im Menschen nichts bestehn« (Pfingstsequenz). Ohne die Kraft des Heiligen Geistes können wir nichts vollbringen: Der Heilige Geist gibt uns die Kraft voranzugehen. So wie das ganze Leben Jesu vom Heiligen Geist beseelt war, so steht auch das Leben der Kirche und jedes ihrer Glieder unter der Führung desselben Geistes.

 

Empfangen von der Jungfrau Maria durch den Heiligen Geist, beginnt Jesus seine Mission, nachdem er aus dem Wasser des Jordans gestiegen ist und vom Geist gesalbt wird, der herabkommt und auf ihm bleibt (vgl. Mk 1,10; Joh 1,32). Er erklärt es ausdrücklich in der Synagoge von Nazaret: Es ist schön, wie Jesus sich vorstellt, was der »Personalausweis« Jesu in der Synagoge von Nazaret ist! Hören wir, wie er es tut: »Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn er hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe« (Lk 4,18). Jesus stellt sich in der Synagoge seines Heimatortes als der Gesalbte vor, als jener, dem vom Heiligen Geist gesalbt ist.

 

Jesus ist vom Heiligen Geist erfüllt, und er ist die Quelle des vom Vater verheißenen Geistes (vgl. Joh 15,26; Lk 24,49; Apg 1,8; 2,33). Tatsächlich haucht der Auferstandene am Abend des Paschafestes die Jünger an und sagt zu ihnen: »Empfangt den Heiligen Geist!« (Joh 20,22); und am Pfingsttag kommt die Kraft des Heiligen Geistes in wunderbarer Form auf die Apostel herab (vgl. Apg 2,1-4), wie wir wissen. Der »Atem« des auferstandenen Christus erfüllt die Lunge der Kirche mit Leben; und tatsächlich öffnen sich die Münder der »vom Heiligen Geist erfüllten« Jünger, um allen Gottes große Taten zu verkünden (vgl. Apg 2,1-11).

 

Das Pfingstfest – das wir am vergangenen Sonntag gefeiert haben – ist für die Kirche das, was für Christus die Salbung mit dem Heiligen Geist war, die er am Jordan empfangen hat: Das Pfingstfest ist der missionarische Impuls, das Leben hinzugeben für die Heiligung der Menschen, zur Ehre Gottes. Wenn in jedem Sakrament der Geist wirkt, so geschieht es in besonderer Weise in der Firmung, dass »die Gläubigen den Heiligen Geist als Geschenk empfangen« (Paul VI., Apostolische Konstitution Divinae consortium naturae).

 

Und in dem Augenblick, an dem er die Salbung vornimmt, sagt der Bischof dieses Wort: »Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist«: Er ist die große Gabe Gottes, der Heilige Geist. Und wir alle haben den Heiligen Geist in uns. Der Heilige Geist ist in unserem Herzen, in unserer Seele. Und der Heilige Geist führt uns im Leben, damit wir für die Menschen das rechte Maß Salz und das rechte Maß Licht werden.

 

Während bei der Taufe der Heilige Geist uns in Christus eintaucht, so ist es bei der Firmung Christus, der uns mit seinem Geist erfüllt und uns als seine Zeugen salbt, als Teilhaber am selben Prinzip des Lebens und der Mission, nach dem Plan des himmlischen Vaters. Das von den Gefirmten gegebene Zeugnis offenbart die Annahme des Heiligen Geistes und die Fügsamkeit gegenüber seiner schöpferischen Eingebung. Ich frage mich: Wie sieht man, dass wir die Gabe des Geistes empfangen haben? Wenn wir die Werke des Geistes tun, wenn wir mit Worten reden wie der Heilige Geist sie lehrt (vgl. 1 Kor 2,13). Das christliche Zeugnis besteht darin, nur das zu tun und alles zu tun, worum der Geist Christi uns bittet, der uns die Kraft verleiht, es zu vollbringen. 

 

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 16.05.2018

  

Liebe Brüder und Schwestern,

guten Tag!

 

Heute schließen wir die Katechesereihe über die Taufe ab. Die geistlichen Auswirkungen dieses Sakraments – für das Auge unsichtbar, aber wirksam im Herzen dessen, der zum neuen Geschöpf geworden ist – werden veranschaulicht durch die Übergabe des weißen Taufkleids und der brennenden Kerze. Nach dem Bad der Wiedergeburt, durch das der Mensch nach dem Bild Gottes in wahrer Heiligkeit neu erschaffen wird (vgl. Eph 4,24), schien es von den ersten Jahrhunderten an selbstverständlich, die Neugetauften in ein neues, strahlend weißes Gewand zu kleiden, als Zeichen der Herrlichkeit des in Christus und im Heiligen Geist empfangenen Lebens. Während das weiße Taufkleid symbolisch das zum Ausdruck bringt, was im Sakrament geschehen ist, kündigt es das Leben der Verklärten in der göttlichen Herrlichkeit an.

 

Was es bedeutet, Christus als Gewand anzulegen, sagt uns der heilige Paulus, indem er erklärt, welche Tugenden die Getauften pflegen müssen: »Bekleidet euch also, als Erwählte Gottes, Heilige und Geliebte, mit innigem Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Geduld! Ertragt einander und vergebt einander, wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat! Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Vor allem bekleidet euch mit der Liebe, die das Band der Vollkommenheit ist!« (Kol 3,12-14).

 

Auch die liturgische Übergabe der an der Osterkerze entzündeten Flamme führt die Wirkung der Taufe vor Augen: »Empfangt das Licht Christi«, sagt der Priester. Diese Worte rufen in Erinnerung, dass nicht wir das Licht sind, sondern dass das Licht Jesus Christus ist (vgl. Joh 1,9; 12,46), der von den Toten auferstanden ist und die Finsternis des Bösen überwunden hat. Wir sind berufen, seine Herrlichkeit zu empfangen! Wie die Flamme der Osterkerze den einzelnen Kerzen Licht schenkt, so entflammt der auferstandene Herr die Herzen der Getauften und erfüllt sie mit Licht und Wärme. Daher wurde die Taufe von den ersten Jahrhunderten an auch als »Erleuchtung « bezeichnet, und den Getauften nannte man den »Erleuchteten«.

 

Denn das ist die christliche Berufung: als Kind des Lichtes zu leben, sich im Glauben zu bewähren (vgl. Die Feier der Eingliederung Erwachsener in die Kirche, Nr. 264; Joh 12,36). Wenn es sich um Kinder handelt, ist es Aufgabe der Eltern, gemeinsam mit den Paten und Patinnen dafür zu sorgen, die Flamme der Taufgnade in ihren Kleinen zu nähren und ihnen zu helfen, sich im Glauben zu bewähren (vgl. Die Feier der Kindertaufe, Nr. 67). »Der christliche Unterricht, auf den die Kinder ein Recht haben, hat ja nur den einen Sinn, dass sie mit der Zeit den Ratschluss Gottes in Christus erfassen lernen, um sich schließlich den Glauben, auf den sie getauft werden, zu eigen machen zu können« (ebd., Praenotanda, Nr. 3).

 

Die lebendige Gegenwart Christi, die bewahrt, verteidigt und in uns erweitert werden muss, ist die Lampe, die unsere Schritte erhellt; das Licht, das unseren Entscheidungen Orientierung schenkt; die Flamme, die die Herzen erwärmt, wenn wir dem Herrn entgegengehen; und die uns fähig macht, jenen zu helfen, die mit uns unterwegs sind, bis hin zur untrennbaren Gemeinschaft mit ihm. An jenem Tag, so heißt es noch einmal in der Offenbarung, wird es »keine Nacht mehr geben und sie brauchen weder das Licht einer Lampe noch das Licht der Sonne. Denn der Herr, ihr Gott, wird über ihnen leuchten und sie werden herrschen in alle Ewigkeit« (22,5). Die Feier der Taufe endet mit dem Gebet des Vaterunsers, das der Gemeinschaft der Kinder Gottes zu eigen ist. Denn die in der Taufe wiedergeborenen Kinder werden die Fülle der Gabe des Heiligen Geistes in der Firmung empfangen und an der Eucharistie teilnehmen und lernen, was es bedeutet, sich an Gott zu wenden und ihn »Vater« zu nennen. Am Ende dieser Katechesen über die Taufe richte ich noch einmal an einen jeden von euch die Einladung, die ich im Apostolischen Schreiben Gaudete et exsultate so zum Ausdruck gebracht habe: »Lass zu, dass die Taufgnade in dir Frucht bringt auf einem Weg der Heiligkeit. Lass zu, dass alles für Gott offen ist, und dazu entscheide dich für ihn, erwähle Gott ein ums andere Mal neu. Verlier nicht den Mut, denn du besitzt die Kraft des Heiligen Geistes, um das möglich zu machen. Im Grunde ist die Heiligkeit die Frucht des Heiligen Geistes in deinem Leben (vgl. Gal 5,22-23)« (Nr. 15).

 

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 09.05.2018

  

Liebe Brüder und Schwestern,

guten Tag!

 

Die Katechese über das Sakrament der Taufe führt uns heute dahin, über das heilige Bad der Wiedergeburt zu sprechen, begleitet von der Anrufung der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, also über den zentralen Ritus, der im eigentlichen Sinne »tauft« – also »hineinnimmt« – in das Paschageheimnis Christi (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 1239). Den Sinn dieser Geste erläutert der heilige Paulus gegenüber den Christen von Rom, indem er zunächst fragt: »Wisst ihr denn nicht, dass wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind?«, und dann antwortet: »Wir wurden ja mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod, damit auch wir, so wie Christus […] von den Toten auferweckt wurde, in der Wirklichkeit des neuen Lebens wandeln« (Röm 6,3-4). Die Taufe öffnet uns die Tür zu einem auferstandenen Leben, nicht zu einem weltlichen Leben: zu einem Leben, das Christus entspricht.

 

Das Taufbecken ist der Ort, an dem man mit Christus das Pascha feiert! Der alte Mensch wird begraben, mit seinen Begierden des Trugs (vgl. Eph 4,22), damit ein neues Geschöpf wiedergeboren werden kann; tatsächlich ist das Alte vergangen, und Neues ist geworden (vgl. 2 Kor 5,17).

 

In den Katechesen, die dem heiligen Cyrill von Jerusalem zugeschrieben werden, wird den Neugetauften erklärt, was im Wasser der Taufe mit ihnen geschehen ist. Diese Erklärung des heiligen Cyrill ist schön: »Im gleichen Augenblick starbt ihr und wurdet ihr geboren; jenes heilsame Wasser wurde für euch zugleich Grab und Mutter« (Mystagogische Katechesen II,4: PG 33, 1079-1082). Die Wiedergeburt des neuen Menschen verlangt, dass der von der Sünde verdorbene Mensch zu Staub wird. Die Bilder vom Grab und vom mütterlichen Schoß, bezogen auf das Taufbecken, bringen in der Tat sehr einprägsam das Großartige zum Ausdruck, das durch die einfachen Gesten der Taufe geschieht. Ich zitiere gern die Inschrift, die sich im antiken römischen Baptisterium des Laterans befindet, wo auf Latein folgendes Wort zu lesen ist, das Papst Sixtus III. zugeschrieben wird: »In jungfräulicher Geburt gebiert die Mutter, die Kirche, ihre Kinder, die sie durch den Hauch Gottes empfängt, in dem Fluss. […] Der Himmel Reich erhofft, die ihr in diesem Quell wiedergeboren seid.«[1] Das ist schön: die Kirche, durch die wir geboren werden; die Kirche, die der Schoß ist, unsere Mutter durch die Taufe.

 

Wenn unsere Eltern uns zum irdischen Leben gezeugt haben, so hat die Kirche uns in der Taufe zum ewigen Leben wiedergeboren. Wir sind zu Kindern in seinem Sohn Jesus geworden (vgl. Röm 8,15; Gal 4,5-7). Auch über einen jeden von uns, die wir aus dem Wasser und aus dem Heiligen Geist wiedergeboren sind, lässt der himmlische Vater mit unendlicher Liebe seine Stimmer erklingen, die sagt: »Du bist mein geliebter Sohn« (vgl. Mt 3,17). Diese väterliche Stimme, die für das Ohr nicht wahrnehmbar, aber im Herzen dessen, der glaubt, gut hörbar ist, begleitet uns das ganze Leben hindurch, ohne uns jemals zu verlassen.

 

Das ganze Leben hindurch sagt der Vater zu uns: »Du bist mein geliebter Sohn, du bist meine geliebte Tochter.« Gott liebt uns sehr, wie ein Vater, und er lässt uns nicht allein: vom Augenblick der Taufe an. Als Kinder Gottes wiedergeboren, sind wir es für immer! Denn die Taufe lässt sich nicht wiederholen, weil mit einem unauslöschlichen Siegel bezeichnet: »Dieses Zeichen wird durch keine Sünde ausgelöscht, selbst wenn die Sünde die Taufe daran hindert, Früchte des Heils zu tragen « (KKK, 1272). Das Siegel der Taufe verliert man nie! »Vater, wenn ein Mensch aber ein Verbrecher wird, einer von jenen berüchtigten, jemand, der Menschen umbringt, der Unrecht tut, verschwindet das Siegel dann?« Nein. Zur eigenen Schande tut der Sohn Gottes, der jener Mensch ist, diese Dinge, aber das Siegel verschwindet nicht. Und er ist auch weiterhin ein Sohn Gottes, der sich gegen Gott wendet, aber Gott verleugnet nie seine Kinder. Habt ihr verstanden, was ich zuletzt gesagt habe? Gott verleugnet seine Kinder nie. Wollen wir es alle gemeinsam wiederholen? »Gott verleugnet seine Kinder nie.« Etwas lauter, denn ich bin taub und habe nichts verstanden. [Die Anwesenden wiederholen lauter]: »Gott verleugnet seine Kinder nie.« Ja, so ist es gut.

 

Durch die Taufe in Christus eingegliedert, werden die Getauften ihm, dem »Erstgeborenen unter vielen Brüdern« (Röm 8,29), gleichgestaltet. Durch das Wirken des Heiligen Geistes reinigt, heiligt, rechtfertigt die Taufe, damit die Vielen in Christus in einen einzigen Leib aufgenommen werden (vgl. 1 Kor 6,11; 12,13). Das kommt durch die Chrisam-Salbung zum Ausdruck, »die auf das königliche Priestertum des Getauften und seine Zugehörigkeit zum Volke Gottes hinweist« (Die Feier der Kindertaufe, Praenotanda 18,3). Daher salbt der Priester den Kopf eines jeden Getauften mit dem heiligen Chrisam, nachdem er folgende Worte gesprochen hat, die seine Bedeutung erläutern: »Aufgenommen in das Volk Gottes werdet ihr nun mit dem heiligen Chrisam gesalbt, damit ihr für immer Glieder Christi bleibt, der Priester, König und Prophet ist in Ewigkeit« (ebd., Nr. 65).

 

Brüder und Schwestern, das ist die christliche Berufung: mit Christus vereint zu leben in der heiligen Kirche und teilzuhaben an derselben Weihe, um dieselbe Sendung zu erfüllen, in dieser Welt, und Früchte zu tragen, die für immer bleiben. Denn von dem einen Geist beseelt hat das ganze Gottesvolk an den Ämtern Jesu Christi teil, der zum »Priester, König und Propheten« bestellt wurde, und ist verantwortlich für die Sendung und den Dienst, die sich daraus ergeben (vgl. KKK, 783-786). Was bedeutet es, am königlichen und prophetischen Priestertum Christi teilzuhaben? Es bedeutet, sich selbst als Gott wohlgefälliges Opfer darzubringen (vgl. Röm 12,1) und Zeugnis von ihm zu geben durch ein Leben des Glaubens und der Liebe (vgl. Lumen gentium, 12), indem man es in den Dienst des Nächsten stellt, nach dem Vorbild Christi (vgl. Mt 20,25-28; Joh 13,13-17). Danke. 

 

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 02.05.2018

  

in der Reihe der Katechesen über die Taufe richten wir heute unser Augenmerk auf die Handlungen am Taufbecken. Für die Taufe wird das Wasser gesegnet. In der Natur ist Wasser die Voraussetzung für alles Leben, es kann aber auch Tod bringen, und zugleich reinigt es. Der heilige Ambrosius sagt in seinen Taufkatechesen: „Du hast das Wasser gesehen, aber nicht jedes Wasser heilt. Nur das Wasser heilt, in dem die Gnade Christi wohnt. … Die Handlung wird vom Wasser, die Wirkung vom Heiligen Geist vollbracht“ (De sacr. 1,15). Die Kirche ruft den Heiligen Geist auf das Wasser herab, „damit alle, die durch die Taufe mit Christus begraben sind in seinem Tod, mit ihm zum Leben auferstehen“ (Die Feier der Kindertaufe, Nr. 54). So wie das Taufwasser gesegnet wird, müssen sich auch die Taufbewerber bereiten. Sie müssen sich von allen Bindungen lösen, um sich an Gott zu binden. Dies geschieht in der Absage vom Satan und im Bekenntnis des Glaubens an den Dreifaltigen Gott. Der Täufling oder seine Paten antworten in der ersten Person; sie vollziehen damit eine persönliche Geste gegenüber Gott. Immer wenn wir uns mit Weihwasser bekreuzigen, denken wir an unsere Taufe und erneuern dankbar unser Amen, dass wir in die Liebe der Allerheiligsten Dreifaltigkeit eingetaucht sind und daraus leben wollen.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 25.04.2018

  

Liebe Brüder und Schwestern, die heilige Taufe ist das „Sakrament des Glaubens“, denn durch sie tritt man in das Leben des Glaubens ein. Der Taufbewerber macht diesen Schritt nicht allein, sondern in der Gemeinschaft der Kirche. Diese begleitet ihn mit ihrem Gebet, und die Anrufung der Heiligen in der Taufliturgie ist dafür ein sinnfälliges Zeichen. Im Exorzismus und den Befreiungsgebeten erfolgt die Bitte, den Täufling von allem zu befreien, was ihn an der innigen Gemeinschaft mit dem Herrn hindert. Mit der Austreibung der Dämonen hat Christus die Ankunft des Reiches Gottes geoffenbart; sein Sieg über die Macht des Bösen schafft in uns Raum für die Herrschaft Gottes. Die Taufe ist keine magische Formel, sondern eine Gabe des Heiligen Geistes, die uns zum Kampf gegen die Nachstellungen des Teufels befähigt. Ähnlich den antiken Kämpfern, die sich zum Schutz mit Öl einrieben, wird der Täufling zum Zeichen der Kraft Christi mit Katechumenenöl gesalbt. Das Leben des Christen ist ein Kampf gegen das Böse und für das Gute. Bei diesem Kampf sind wir nicht allein, denn die ganze Kirche betet und kämpft mit uns und vor allem Christus ist stets mit uns verbunden.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 18.04.2018

  

Liebe Brüder und Schwestern, in unseren Katechesen über die Taufe beginnen wir heute damit, die Zeichen und Worte der Tauffeier zu betrachten. Dies hilft uns, den im Taufsakrament empfangenen Auftrag tiefer zu begreifen und in unserem Leben zu erneuern. Die Befragung nach dem Namen verweist auf die Einmaligkeit und Würde der Person. Gott ruft jeden bei seinem Namen. Als Christ leben ist eine persönliche Berufung und erfordert eine persönliche Antwort. Unser ganzes Leben lang ruft uns Gott auf vielerlei Weise, seinem Sohn Jesus Christus ähnlich zu werden. Die Bitte an die Kirche um die Taufe macht deutlich, dass der Glaube eine Gabe von oben ist: Wir bitten um den Glauben und empfangen ihn als Geschenk. Das Kreuzzeichen bringt zum Ausdruck, dass Christus dem Täufling, der ihm angehören soll, sein Zeichen aufprägt. Es bezeichnet die Erlösungsgnade, die Christus uns durch sein Kreuz erworben hat. Das Kreuz ist das Kennzeichen, unter dem all unser Denken, Reden und Tun, unser ganzes Leben steht. Wenn wir das Kreuzzeichen machen – beim Aufstehen und Schlafengehen, vor dem Essen, vor einer Gefahr und zum Schutz vor dem Bösen –, wenn wir uns in der Kirche oder beim Außerhausgehen mit dem Weihwasser bekreuzigen, erinnern wir uns, dass wir getauft sind und zu Christus gehören.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 11.04.2018

  

Liebe Brüder und Schwestern, das Sakrament der Taufe, das „die Grundlage des ganzen christlichen Lebens“ (Katechismus der Katholischen Kirche 1213) ist, schenkt uns Anteil am Leben Christi. Erinnern wir uns an die Worte des Auferstandenen an die Apostel: „Geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt 28,19). Das griechische Wort für taufen – „baptizein“ bedeutet „eintauchen“. Und wenn unser Körper im Wasser untergetaucht wird, wissen wir im Glauben, dass unsere Seele in Christus eintaucht um von unseren Sünden befreit und des göttlichen Lichtes teilhaftig zu sein. Wir werden mit ihm begraben, um mit ihm aufzuerstehen (vgl. Röm 6,4). Denn auf dieses Wasser ist der Heilige Geist, der lebendig macht (vgl. Credo), herabgerufen worden. Daher wird die Taufe auch das Sakrament der Wiedergeburt genannt, das uns zu einem neuen Leben führt und zu Gliedern Christi und der Kirche macht. Durch die Taufe lebt Christus in uns und wir in ihm, und wir werden zur Mitarbeit in der Kirche befähigt, um die Welt zu verwandeln. Wir empfangen die Taufe nur einmal, aber sie ist Licht für unser ganzes Leben und geleitet uns auf dem Weg ins himmlische Jerusalem.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 04.04.2018

  

Liebe Brüder und Schwestern, wir beschließen heute die Katechesenreihe über die heilige Messe mit einer Betrachtung zum Schlusssegen und zur Entlassung. Wie das Messopfer mit dem Kreuzzeichen beginnt, so beschließen wir mit dem Segen des dreifaltigen Gottes die Eucharistiefeier. Und wir wissen, dass mit dem Gruß „Gehet hin in Frieden!“ ein Auftrag verbunden ist. Wir sollen Gott mit unserem Leben verherrlichen und das heilige Sakrament, das wir im Glauben empfangen haben, in unserem Alltag Frucht bringen lassen. Ja, wir sollen eucharistische Männer und Frauen werden. Das heißt, Christus selbst möge der Inhalt unseres Tuns sein. Seine Gedanken seien auch unsere Gedanken, wir wollen empfinden wie er, das tun, was er tut. Der Apostel Paulus drückt es so aus: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20). Die Anbetung des eucharistischen Herrn über die heilige Messe hinaus wird uns dabei helfen, mit Christus verbunden zu bleiben, die Sünde zu meiden und unsere Verbindung zur Gemeinschaft der Kirche zu stärken. Zugleich werden wir Christus selbst im Leib der Armen erkennen und ihnen tatkräftig zur Seite stehen.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 28.03.2018

 

 

Liebe Brüder und Schwestern, mit der Messe vom Letzten Abendmahl am Gründonnerstag treten wir wieder in das Ostertriduum ein, in die Feier der heiligen drei Tage vom Leiden und Sterben, von der Grabesruhe und von der Auferstehung des Herrn. Das Gedächtnis der österlichen Geheimnisse markiert die grundlegenden Stationen unseres Glaubens und unserer Berufung in der Welt. „Christus, meine Hoffnung, ist auferstanden und geht den Seinen voran nach Galiläa“, fasst die Sequenz am Ostersonntag die Nachricht der Auferstehung zusammen. Es ist eine Botschaft der Freude und Hoffnung, zugleich ein Aufruf zur Verantwortung, Verkündigung und Mission. Wie Paulus sagt, wurde Christus, unser Osterlamm, wegen unserer Verfehlungen hingegeben und wegen unserer Gerechtmachung auferweckt (vgl. Röm 4,25). Wenn wir daher voll Dankbarkeit die österlichen Geheimnisse feiern, machen wir uns das Geschenk des neuen Lebens als Getaufte wieder bewusst. Denn in der Taufe sind wir der Welt gestorben und mit Christus auferweckt worden. Wir sind als neue Schöpfung wiedergeboren. Dies muss Tag für Tag in unserem neuen Leben als Erlöste Gestalt annehmen. In der konkret gelebten Nächstenliebe werden wir durch und mit Christus zu Werkzeugen der Befreiung und Hoffnung, zu Zeichen des Lebens und der Auferstehung.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 21.03.2018

 

 

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Heute ist der erste Frühlingstag: Ich wünsche euch einen schönen Frühling! Was geschieht jedoch im Frühling? Die Pflanzen erblühen, die Bäume blühen. Ich möchte etwas fragen. Kann ein kranker Baum oder eine kranke Pflanze gut blühen – wenn sie krank sind? Nein! Kann ein Baum, eine Pflanze, die nicht vom Regen oder künstlich bewässert werden, gut blühen? Nein. Und kann ein Baum und eine Pflanze, die entwurzelt sind oder keine Wurzeln haben, blühen?

Nein. Kann man ohne Wurzeln blühen? Nein! Und das ist eine Botschaft: Das christliche Leben muss ein Leben sein, das in den Werken der Nächstenliebe erblüht – darin, dass man Gutes tut. Aber wenn du keine Wurzeln hast, kannst du nicht blühen. Und wer ist die Wurzel? Jesus! Wenn du nicht bei Jesus bist, dort, in der Wurzel, dann wirst du nicht blühen. Wenn ihr euer Leben nicht mit dem Gebet und den Sakramenten bewässert, werdet ihr dann christliche Blüten tragen? Nein! Denn das Gebet und die Sakramente bewässern die Wurzeln, und unser Leben erblüht. Ich wünsche euch, dass dieser Frühling für euch ein Frühling sein möge, der Blüten trägt, und dass auch das Osterfest Blüten tragen möge: Blüten der guten Werke, der Tugend, der guten Taten gegenüber dem Nächsten. Behaltet dies in Erinnerung, es ist ein sehr schöner Spruch aus meiner Heimat: »Was der Baum an Blüten trägt, kommt aus dem, was er unter der Erde hat.« Schneidet nie die Wurzeln zu Christus ab.

Und jetzt setzen wir die Katechesen über die heilige Messe fort. Die Feier der Messe, deren verschiedene Abschnitte wir gerade durchgehen, ist auf die Kommunion hingeordnet, also auf unsere Vereinigung mit Jesus. Die sakramentale Kommunion, nicht die geistliche Kommunion, die du zuhause empfangen kannst, indem du sagst: »Jesus, ich möchte dich geistlich empfangen.« Nein, die sakramentale Kommunion, mit dem Leib und dem Blut Christi. Wir feiern die Eucharistie, um uns mit Christus zu nähren, der sich sowohl im Wort als auch im Altarsakrament hinschenkt, um ihm gleichgestaltet zu werden. Das sagt der Herr selbst: »Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm« (Joh 6,56). Denn die Geste Jesu, der den Jüngern beim Letzten Abendmahl seinen Leib und sein Blut hingeschenkt hat, wird heute noch fortgesetzt durch den Dienst des Priesters und des Diakons, die ordentlichen Spender der Austeilung des Brotes des Lebens und des Kelches des Heils an die Brüder und Schwestern.

In der Messe zeigt der Priester, nachdem er das konsekrierte Brot, also den Leib Christi, gebrochen hat, dieses den Gläubigen und lädt sie ein, am eucharistischen Mahl teilzuhaben. Wir kennen die Worte, die vom heiligen Altar her erklingen: »Seht das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt. […] Selig, die zum Hochzeitsmahl des Lammes geladen sind.« Inspiriert von einem Vers aus der Offenbarung – »Selig, wer zum Hochzeitsmahl des Lammes eingeladen ist!« (Offb 19,9): Es heißt »Hochzeit«, weil Jesus der Bräutigam der Kirche ist – ruft diese Einladung uns auf, die innige Vereinigung mit Christus zu erfahren, Quell der Freude und der Heiligkeit. Es ist eine Einladung, die froh macht und gleichzeitig zu einer vom Glauben erleuchteten Gewissenserforschung drängt. Denn wenn wir einerseits die Entfernung sehen, die uns von der Heiligkeit Christi trennt, so glauben wir andererseits, dass sein Blut »vergossen wurde zur Vergebung der Sünden«.

Uns allen wurde in der Taufe vergeben, und jedes Mal, wenn wir das Sakrament der Buße empfangen, wird uns vergeben oder vergeben werden. Und vergesst nicht: Jesus vergibt immer. Jesus wird nicht müde zu vergeben. Wir sind es, die müde werden, um Vergebung zu bitten. Gerade im Hinblick auf den Heilswert dieses Blutes sagt der heilige Ambrosius: »Ich, der ich immer sündige, muss immer über das Heilmittel verfügen« (De sacramentis, 4,28: PL 16,446A). In diesem Glauben richten auch wir den Blick auf das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt, und rufen es an: »Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.« Das sagen wir in jeder heiligen Messe.

Wenn wir in Prozession hingehen, um die Kommunion zu empfangen, in Prozession zum  Altar gehen, um die Kommunion zu empfangen, dann ist es in Wirklichkeit Christus, der auf uns zukommt, um uns sich selbst gleichzugestalten. Es gibt eine Begegnung mit Jesus! Sich mit der Eucharistie zu nähren bedeutet, sich in das verwandeln zu lassen, was wir empfangen. Der heilige Augustinus hilft uns, das zu verstehen, wenn er von dem Licht berichtet, das er empfing, als er hörte, dass Christus zu ihm sagte: »Ich bin die Speise der Starken; wachse, und du wirst mich genießen. Aber du wirst mich nicht in dich verwandeln wie die leibliche Speise, sondern du wirst in mich umgewandelt werden« (Bekenntnisse, VII,10,16: PL 32,742). Jedes Mal, wenn wir die Kommunion empfangen, werden wir Christus ähnlicher, werden wir mehr in Jesus umgewandelt. Wie das Brot und der Wein in den Leib und das Blut des Herrn verwandelt werden, so werden jene, die sie im Glauben empfangen, zur lebendigen Eucharistie. Dem Priester, der bei der Austeilung der Eucharistie zu dir sagt: »Der Leib Christi«, antwortest du: »Amen«. Das heißt, dass du die Gnade und die Verpflichtung anerkennst, die es mit sich bringt, zum Leib Christi zu werden. Denn wenn du die Eucharistie empfängst, wirst du zum Leib Christi. Das ist schön: Das ist wunderschön. Während die Kommunion uns mit Christus vereint und uns von unseren Egoismen fortreißt, öffnet sie uns und vereint uns mit allen, die eins sind in ihm. Das ist das Wunder der Kommunion: Wir werden zu dem, was wir empfangen!

Die Kirche wünscht aufrichtig, dass auch die Gläubigen den Leib des Herrn von den Hostien empfangen, die in derselben Messe konsekriert wurden; und das Zeichen des eucharistischen Mahles wird auf vollkommenere Art zum Ausdruck gebracht, wenn die heilige Kommunion unter beiden Gestalten gereicht wird, auch wenn der katholische Glaube lehrt, unter jeder der beiden Gestalten wird der ganze, ungeteilte Christus empfangen (vgl. Allgemeine Einführung in das Römische Messbuch, 85; 281-281). Der kirchlichen Praxis entsprechend geht der Gläubige wie gesagt gewöhnlich in Form einer Prozession zur Eucharistie und empfängt diese mit Ehrfurcht, stehend oder kniend, wie es die Bischofskonferenz festgesetzt hat, und empfängt das Sakrament in den Mund oder, wo dies erlaubt ist, auf die Hand, nach eigener Entscheidung (vgl. ebd., 160-161). Nach der Kommunion hilft uns die Stille, das stille Gebet, das empfangene Geschenk im Herzen zu bewahren. Diesen Augenblick der Stille etwas zu verlängern und im Herzen mit Jesus zu sprechen hilft uns sehr, ebenso wie das Singen eines Psalms oder eines Lobliedes uns hilft, beim Herrn zu sein (vgl. ebd., 88).

Die Eucharistiefeier wird mit dem Schlussgebet nach der Kommunion beendet. In diesem wendet sich der Priester im Namen aller an Gott, um ihm zu danken, dass er uns zu seinen Tischgenossen gemacht hat, und darum zu bitten, dass das, was wir empfangen haben, unser Leben verwandeln möge. Die Eucharistie macht uns stark, Früchte guter Werke zu tragen und als Christen zu leben. Das heutige Schlussgebet ist bedeutsam; in ihm bitten wir den Herrn: »Das Sakrament, das wir empfangen haben, sei uns Heilmittel gegen das Böse in unserem Herzen und Schutz in jeder Gefahr« (Römisches Messbuch, Mittwoch der 5. Woche der Fastenzeit). Gehen wir zur Eucharistie: Jesus zu empfangen, der uns in sich selbst verwandelt, stärkt uns. So gütig und so groß ist der Herr!

* * *

Herzlich heiße ich die Pilger deutscher Sprache willkommen. Unter ihnen grüße ich die vielen Schülerinnen und Schüler, die in dieser Audienz anwesend sind, besonders die Schüler des Gymnasiums Haus Overbach aus Jülich, die ihr 100-jähriges Gründungsjubiläum feiern. Vergesst nie: Der Herr ist in der heiligen Eucharistie gegenwärtig – für euch. Gott segne euch alle.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 14.03.2018

 

 

Liebe Brüder und Schwestern,
guten Tag!

Wir setzen die Katechesen über die heilige Messe fort. Wir wissen: Jesus »brach das Brot« beim Letzten Abendmahl, nachdem er das Brot und den Kelch des Weines genommen und Gott gedankt hatte. Dieser Geste entspricht in der Eucharistiefeier der Messe die Brotbrechung, der das Gebet vorausgeht, das der Herr uns gelehrt hat: das Vaterunser.

Und so beginnen die Kommunionriten, in denen der Lobpreis und das Eucharistische Hochgebet fortgesetzt werden durch das gemeinschaftliche Gebet des Vaterunsers. Dieses ist kein christliches Gebet unter vielen, sondern es ist das Gebet der Kinder Gottes: Es ist das große Gebet, das Jesus uns gelehrt hat. Denn das Vaterunser, das uns am Tag unserer Taufe übergeben wird, lässt uns so gesinnt sein, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht. Wenn wir das Vaterunser beten, dann beten wir so, wie Jesus gebetet hat. Es ist das Gebet, das Jesus gesprochen hat, und er hat es uns gelehrt, als die Jünger zu ihm sagten: »Meister, lehre uns zu beten wie du betest. « Und Jesus betete so. Es ist so schön, wie Jesus zu beten!

Getreu seiner göttlichen Weisung wagen wir, uns an Gott zu wenden und ihn »Vater« zu nennen, weil wir als seine Kinder aus dem Wasser und dem Heiligen Geist neu geboren sind (vgl. Eph 1,5). In Wahrheit könnte niemand ihn vertraulich »Abba« – Vater – nennen, ohne von Gott gezeugt zu sein, ohne die Eingebung des Heiligen Geistes, wie der heilige Paulus lehrt (vgl. Röm 8,15). Daran müssen wir denken: Niemand kann ihn »Vater« nennen ohne die Eingebung des Heiligen Geistes. Wie oft gibt es Menschen, die sagen: »Vater unser«, die aber nicht wissen, was sie sagen. Denn er ist der Vater, aber spürst du, wenn du »Vater« sagst, dass er der Vater ist, dein Vater, der Vater der Menschheit, der Vater Jesu Christi? Hast du eine Beziehung zu diesem Vater? Wenn wir das Vaterunser beten, dann verbinden wir uns mit dem Vater, der uns liebt, aber der Heilige Geist ist es, der uns diese Verbindung schenkt, dieses Gefühl, Kinder Gottes zu sein. Kann es ein besseres Gebet geben als das, welches Jesus gelehrt hat, um uns für die sakramentale Kommunion mit ihm bereit zu machen? Außer in der Messe wird das Vaterunser am Morgen und am Abend, in den Laudes und in der Vesper gebetet; auf diese Weise tragen die Kindschaft gegenüber Gott und die Brüderlichkeit gegenüber dem Nächsten dazu bei, unseren Tagen eine christliche Form zu geben.

Im Gebet des Herrn – im Vaterunser – bitten wir um das »tägliche Brot«, in dem wir einen besonderen Bezug zum eucharistischen Brot erkennen, das wir brauchen, um als Kinder Gottes zu leben. Wir bitten auch inständig um die »Vergebung unserer Schuld«, und um würdig zu sein, die Vergebung Gottes zu empfangen, verpflichten wir uns, denen zu vergeben, die uns verletzt haben. Und das ist nicht einfach. Den Menschen zu vergeben, die uns verletzt haben, ist nicht einfach; es ist eine Gnade, um die wir bitten müssen: »Herr, lehre mich zu vergeben, wie du mir vergeben hast.« Es ist eine Gnade. Mit unseren Kräften können wir es nicht: Vergeben ist eine Gnade des Heiligen Geistes. Während das Vaterunser so unser Herz für Gott öffnen, macht es uns auch bereit für die brüderliche Liebe. Schließlich bitten wir Gott auch, uns »zu erlösen vom Bösen«, das uns von ihm trennt und das uns von unseren Brüdern trennt. Wir verstehen gut, dass dies Bitten sind, die sehr gut dafür geeignet sind, uns auf die heilige Kommunion vorzubereiten (vgl. Allgemeine Einführung in das Römische Messbuch", 81). Tatsächlich wird das, worum wir im Vaterunser bitten, fortgesetzt vom Gebet des Priesters, der im Namen aller bittet: »Erlöse uns, Herr, von allem Bösen und gib Frieden in unseren Tagen.«

Und dann bekommt es eine Art Siegel im Friedensritus: Zunächst bittet man Christus, dass das Geschenk seines Friedens (vgl. Joh 14,27) – der so anders ist als der Frieden der Welt – die Kirche in Einheit und Frieden wachsen lassen möge, nach seinem Willen; dann bringen wir durch die konkrete Geste, die wir untereinander austauschen, zum Ausdruck, dass »die Gläubigen einander die kirchliche Gemeinschaft und die gegenseitige Liebe bezeugen, ehe sie das Sakrament empfangen« (Allgemeine Einführung in das Römische Messbuch, 82). Im Römischen Ritus ist der Austausch des Zeichens des Friedens, der seit der Antike der Kommunion vorausgeht, auf die eucharistische Gemeinschaft hingeordnet. Der Mahnung des heiligen Paulus gemäß ist es nicht möglich, an dem einen Brot teilzuhaben, das uns zu einem Leib in Christus macht, ohne zu bekennen, von der brüderlichen Liebe befriedet zu sein (vgl. 1 Kor 10,16-17; 11,29). Der Friede Christi kann nicht in einem Herzen wurzeln, das unfähig ist, die Brüderlichkeit zu leben, und sie wiederherzustellen, nachdem sie verletzt wurde. Den Frieden schenkt der Herr: Er schenkt uns die Gnade, denen zu vergeben, die uns verletzt haben. Auf den Friedensgruß folgt die Brotbrechung, die seit der apostolischen Zeit der ganzen Eucharistiefeier den Namen gegeben hat (vgl. Allgemeine Einführung in das Römische Messbuch, 83; Katechismus der Katholischen Kirche, 1329).

Das Brechen des Brotes, das von Jesus beim Letzten Abendmahl vollzogen wurde, ist die Offenbarungsgeste, die es den Jüngern gestattet hat, ihn nach seiner Auferstehung zu erkennen. Erinnern wir uns an die Emmausjünger, die, als sie über die Begegnung mit dem Auferstandenen sprechen, erzählen, »wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach« (vgl. Lk 24,30-31.35). Das Brechen des eucharistischen Brotes wird begleitet von der Anrufung »Lamm Gottes«: der Gestalt, mit der Johannes der Täufer auf Jesus verwiesen hat als jenem, der »die Sünde der Welt hinwegnimmt« (Joh 1,29). Das biblische Bild vom Lamm verweist auf die Erlösung (vgl. Ex 12,1-14; Jes 53,7; 1 Petr 1,19; Offb 7,14). Im eucharistischen Brot, das gebrochen wird für das Leben der Welt, erkennt die betende Gemeinde das wahre Lamm Gottes, also Christus, den Erlöser, und bittet ihn: »Erbarme dich unser… gib uns deinen Frieden.«

»Erbarme dich unser«, »gib uns deinen Frieden « sind Bitten, die uns vom Gebet des Vaterunser bis hin zur Brotbrechung helfen, das Herz bereit zu machen für die Teilnahme am eucharistischen Mahl, Quelle der Gemeinschaft mit Gott und mit den Geschwistern. Vergessen wir nicht das große Gebet: das Gebet, das Jesus uns gelehrt hat und das das Gebet ist, mit dem er zum Vater betete. Und dieses Gebet bereitet uns auf die Kommunion vor.

 

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Herzlich grüße ich die Pilger aus den Ländern deutscher Sprache, insbesondere die Gemeinschaft des Friedrich-List-Berufskollegs aus Hamm. Von der Gnade des Herrn geformt und von der göttlichen Hoffnung erfüllt können wir unseren Nächsten gegenüber die Liebe erwidern, die Gott uns jeden Tag schenkt. Schönen Aufenthalt in Rom unter der Leitung des Heiligen Geistes.

 

 

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 07.03.2018

 

 

Liebe Brüder und Schwestern, heute wollen wir über das Eucharistische Hochgebet sprechen. Es bildet die Mitte und den Höhepunkt der heiligen Messe und entspricht dem, was Jesus selbst beim Letzten Abendmahl tat, als er über Brot und Wein den Lobpreis sprach. In diesem Gebet bringt die Kirche zum Ausdruck, was sie in der Eucharistie vollzieht und was der Grund dieser Feier ist, nämlich die Gemeinschaft mit dem Herrn, der unter den Gestalten von Brot und Wein wirklich gegenwärtig wird. Das Eucharistische Hochgebet beinhaltet die Danksagung, die besonders in der Präfation ihren Ausdruck findet, die Akklamation im Gesang des Sanctus und die Epiklese, die Herabrufung des Heiligen Geistes. Sein Walten und die Worte Christi, die der Priester spricht, bewirken die Verwandlung des Brotes und des Weines in den Leib und das Blut Christi und machen sein Kreuzesopfer gegenwärtig. Es ist ein Geheimnis des Glaubens, die Feier des Gedächtnisses des Todes und der Auferstehung Christi in der Erwartung seiner Wiederkunft. Durch die Speise seines Leibes werden wir als Kirche in seinen lebendigen Leib heute verwandelt. Die Vereinigung mit dem Opfer Christi ist ebenso Geheimnis der Gemeinschaft, sichtbar in der Fürbitte der Gemeinde für die Kirche und die Welt. Nichts und niemand bleibt im Eucharistischen Hochgebet vergessen, sondern alles wird Gott dargebracht.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 


Generalaudienz vom 28.02.2018

 

 

Liebe Brüder und Schwestern, in der Katechesenreihe über die heilige Messe wollen wir heute mit der Betrachtung ihres zweiten grundlegenden Teils neben der Liturgie des Wortes beginnen, nämlich der Eucharistischen Liturgie. Die Eucharistische Liturgie besteht aus drei Teilen: die Gabenbereitung, das Eucharistische Hochgebet sowie die Brotbrechung und Kommunion. Heute wollen wir uns zunächst mit der Gabenbereitung befassen. Mit Brot und Wein werden die Gaben dargebracht, die auch Jesus beim letzten Abendmahl in seine Hände nahm und die die Hingabe des ganzen Volkes Gottes symbolisieren. Damit geben die Gläubigen ihre Opfergaben in die Hände des Priesters, der sie zusammen mit ihrem Lobpreis, ihren Leiden, ihrem Gebet und ihrer Arbeit (KKK 1368) auf den Altar des Herrn legt. Im Gabengebet bittet er Gott, das Opfer der Kirche anzunehmen und den wunderbaren Tausch des Wenigen, was wir geben, in seine Fülle zu vollziehen. Im Opfer Christi und durch die Kraft des Heiligen Geistes möge unser ganzes Leben in eine dem himmlischen Vater wohlgefällige Gabe verwandelt werden.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 


Generalaudienz vom 14.02.2018

 

 

in der Reihe unserer Betrachtungen über die heilige Messe wollen wir uns heute dem Abschluss des Wortgottesdienstes widmen: dem Glaubensbekenntnis und dem Allgemeinen Gebet, den Fürbitten. Das Credo ist die Antwort des Glaubenden auf das Wort Gottes, das er vorher gehört hat und das ihm in der Predigt ausgelegt wurde. Eine kurze Stille nach der Homilie ermöglicht es den Zuhörern, dass der Same des Wortes sich setzt und die Anregungen des Heiligen Geistes zu Herzen gehen. Der persönliche Glaube nährt sich vom Hören und geleitet zur Eucharistie. Das Glaubensbekenntnis ist die Zusammenfassung der wichtigsten Lehren, die uns von der Kirche überliefert wurden. In diesen Glauben der Kirche willigt der Einzelne ein und lässt dies in den Fürbitten zu seinem Gebet werden. Die einzelnen Bitten geben den konkreten Bedürfnissen der Gemeinde und aller Mitmenschen Ausdruck, für die die Gläubigen eintreten. Das Fürbittgebet schließt mit der Ermahnung, sich den barmherzigen Blick Gottes zu eigen zu machen, der für alle seine Kinder auf der ganzen Welt Sorge trägt.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 


Generalaudienz vom 07.02.2018

 

 

Liebe Brüder und Schwestern, in unseren Betrachtungen zur Feier der heiligen Messe sprechen wir heute über das Evangelium und die Homilie. Das Evangelium bildet den Höhepunkt der Liturgie des Wortes und darf nur von einem Priester oder Diakon verkündet werden. Ihm geht das Halleluja oder ein anderer Ruf voraus; ebenso wird es von besonderen Zeichen der Ehrerbietung und Verehrung begleitet, um deutlich zu machen: Hier ist der Herr gegenwärtig. Er spricht zu uns. Was er einst gesagt und getan hat, vollzieht er jetzt weiter an uns. Um seine Botschaft näherzubringen, bedient sich Christus auch des Wortes des Priesters oder des Diakons, der nach dem Evangelium die Homilie hält. Sie ist Teil der Liturgie und greift den Dialog zwischen dem Herrn und seinem Volk auf, damit er im Leben erfüllt wird. Die authentische Auslegung des Evangeliums ist unser heiligmäßiges Leben! Gottes Wort muss in uns Fleisch werden und in Werken umgesetzt werden, wie es bei Maria und den Heiligen war. Für eine fruchtbare Verkündigung sind eine gute Vorbereitung, Aufmerksamkeit und die rechte innere Haltung sowohl des Predigers wie auch der Zuhörer erforderlich. Die Kenntnis und das regelmäßige Lesen der Heiligen Schrift hilft uns allen, um mit Gewinn an der Liturgie des Wortes teilzunehmen.

 

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Generalaudienz vom 31.01.2018

 

 

Liebe Brüder und Schwestern, in der Katechesenreihe über die heilige Messe wollen wir heute unseren Blick auf den Wortgottesdienst richten. Die Lesungen, die in der Eucharistiefeier vorgetragen werden, sind inspirierte Texte, in denen Gott selbst zu seinem Volk spricht. Denn der Geist Gottes hat die Autoren der Heiligen Schrift inspiriert und lässt das Wort Gottes in uns wirksam sein. Auch Jesus selbst misst der Heiligen Schrift eine ganz besondere Bedeutung zu: „Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt“ (Mt 4,4). So ist das Wort Gottes Nahrung, Speise für unser geistliches Leben, denn es eröffnet uns immer wieder neu das Geheimnis Christi. Von daher wird auch verständlich, warum die Texte der Heiligen Schrift nicht verändert oder durch andere Texte ersetzt werden können. Der Psalmist sagt: „Dein Wort ist meinem Fuß eine Leuchte, ein Licht für meine Pfade“ (Ps 119,105). Das Sprechen Gottes zu uns gibt uns Orientierung und Kraft, den Mühen und Herausforderungen unserer irdischen Pilgerschaft zu begegnen und unser Ziel, das er selbst ist, nie aus den Augen zu verlieren.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 


Generalaudienz vom 24.01.2018

 

 

Liebe Brüder und Schwestern, heute wollen wir einen Rückblick auf meine Reise nach Chile und Peru halten, auf der ich das wandernde Gottesvolk in diesen Ländern ein Stück begleiten konnte. Bei meinem Besuch in Chile unter dem Motto »Meinen Frieden gebe ich euch« (Joh 14,27) habe ich die Verantwortungsträger dazu ermutigt, der solidarischen Begegnung mit allen Volksgruppen Raum zu geben und dies vor allem im Hören auf die Armen, die Migranten, die Jugend, die älteren Menschen wie auch auf die Schöpfung. Die Gläubigen habe ich aufgerufen, Zeugen der Nähe Gottes in einer pluralistischen Gesellschaft zu sein, Wunden zu heilen, Gerechtigkeit zu fördern und Frieden zu stiften. Der Jugend gab ich ein Leitwort des heiligen Alberto Hurtado für ihre Entscheidungen mit auf den Weg: Was würde Jesus an meiner Stelle tun? Meine Reise durch die verschiedenen Landschaften Perus, die unter dem Motto »Geeint in der Hoffnung« (vgl. Eph 4,4) stattfand, machte den großen religiösen wie kulturellen Reichtum dieser Nation deutlich. Überaus vielfältig sind die Formen der Volksfrömmigkeit. In Trujillo konnte ich dem dortigen Gnadenbild der Jungfrau Maria von der Pforte den neuen Titel „Mutter der Barmherzigkeit und der Hoffnung“ verleihen. Die Menschen dort brauchen Ermutigung, weil sie durch Naturkatastrophen wie auch den sozialen Verfall und die Korruption in ihren Lebensgrundlagen bedroht sind. Hier sind die vielen Heiligen Perus Vorbilder und Fürsprecher, um gemeinsam den Weg in eine bessere Zukunft zu finden.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 


Generalaudienz vom 10.01.2018

 

 

 

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

In der Katechesereihe über die Eucharistiefeier haben wir gesehen, dass der Bußakt uns hilft, unseren Hochmut abzulegen und so vor Gott zu treten wie wir wirklich sind, im Bewusstsein, Sünder zu sein, in der Hoffnung, dass uns vergeben wird.

Gerade aus der Begegnung zwischen der menschlichen Armseligkeit und dem göttlichen Erbarmen entsteht die Dankbarkeit, die im »Gloria « zum Ausdruck kommt: In diesem »ehrwürdigen altchristlichen Hymnus verherrlicht die im Heiligen Geist versammelte Kirche den Vater und das Lamm und fleht um Erbarmen« (Allgemeine Einführung in das Römische Messbuch, 31). Der Beginn dieses Hymnus – »Ehre sei Gott in der Höhe« – greift den Gesang der Engel bei der Geburt Jesu in Betlehem auf, die freudige Verkündigung der Umarmung zwischen Himmel und Erde. Dieser Gesang schließt auch uns ein, die wir im Gebet versammelt sind: »Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade.«

Nach dem »Gloria« oder, wenn dieses nicht vorgesehen ist, gleich nach dem Bußakt nimmt das Gebet besondere Form an im sogenannten »Tagesgebet« oder »Kollektengebet«, durch das die Eigenart der Feier zum Ausdruck gebracht wird, die sich je nach den Tagen und den Zeiten des Kirchjahres verändern kann (vgl. ebd., 32).

Mit der Einladung »Lasset uns beten« ruft der Priester das Volk auf, sich mit ihm in einem Augenblick der Stille zu sammeln, um sich darauf zu besinnen, vor Gottes Angesicht zu stehen, und damit jeder in seinem Herzen die persönlichen Anliegen aussprechen kann, mit denen er an der Messe teilnimmt (vgl. ebd., 32). Der Priester sagt: »Lasset uns beten«; und dann folgt ein Augenblick der Stille, und jeder denkt an das, was er braucht, worum er bitten will, im Gebet. Das Schweigen ist nicht nur die Abwesenheit von Worten, sondern dient dazu, sich bereit zu machen, andere Stimmen zu hören: die Stimme unseres Herzen und vor allem die Stimme des Heiligen Geistes. In der Liturgie hängt das Wesen der heiligen Stille von dem Augenblick ab, in dem sie stattfindet: »Sie gibt Gelegenheit zur Besinnung beim Schuldbekenntnis und nach den Gebetseinladungen, zur kurzen Meditation nach den Lesungen und nach der Homilie, zum inneren Lobgebet nach der Kommunion« (ebd., 23).

Vor dem Eingangsgebet hilft uns die Stille also, uns innerlich zu sammeln und darüber nachzudenken, warum wir dort sind. Daher ist es wichtig, auf unser Herz zu hören und es dann dem Herrn zu öffnen. Vielleicht kommen wir aus Tagen der Mühe, der Freude, des Schmerzes und wollen es dem Herrn sagen, seine Hilfe anrufen, darum bitten, dass er uns beistehen möge; vielleicht haben wir Angehörige oder Freunde, die krank sind oder schwere Prüfungen durchmachen; vielleicht möchten wir Gott die Geschicke der Kirche oder der Welt anvertrauen. Dazu dient die kurze Stille, bevor der Priester, indem er die Anliegen eines jeden aufgreift, Gott im Namen aller mit lauter Stimme das allgemeine Gebet darbringt, das die Eingangsriten abschließt, indem er die »Kollekte« der einzelnen Anliegen macht. Ich ermahne die Priester eindringlich, diesen Augenblick der Stille zu bewahren und nicht voranzueilen: »Lasset uns beten«, und die Stille muss bewahrt werden. Dazu ermahne ich die Priester. Ohne diese Stille laufen wir Gefahr, die innere Sammlung zu vernachlässigen.

Der Priester spricht dieses Gebet, dieses Tagesgebet, mit ausgebreiteten Armen. Dies ist die Orantenhaltung, die die Christen schon in den ersten Jahrhunderten eingenommen haben – wie die Fresken der römischen Katakomben bezeugen –, um Christus nachzuahmen, der mit geöffneten Armen am Kreuz hängt. Und dort ist Christus der Beter, und er ist gleichzeitig das Gebet! Im Gekreuzigten erkennen wir den Priester, der Gott die Verehrung darbringt, die ihm gefällt, also den kindlichen Gehorsam.

Im Römischen Ritus sind die Gebete kurz, aber reich an Bedeutung: Man kann über diese Gebete viele schöne Betrachtungen halten. Sehr schöne! Über ihre Texte immer wieder nachzudenken, auch außerhalb der Messe, kann uns helfen zu lernen, wie wir uns an Gott wenden können, worum wir bitten, welche Worte wir gebrauchen sollen. Möge die Liturgie für uns alle eine wahre Schule des Gebets werden.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 


Generalaudienz vom 03.01.2018

 

 

 

Liebe Brüder und Schwestern,
guten Tag!

Indem wir die Katechesen über die Eucharistiefeier wieder aufnehmen, betrachten wir heute im Zusammenhang mit den Eingangsriten den Bußakt. In seiner Nüchternheit fördert er die Haltung, in der man sich bereitet, die heiligen Geheimnisse würdig zu feiern: indem wir vor Gott und den Brüdern und Schwestern unsere Sünden bekennen, indem wir anerkennen, dass wir Sünder sind. Denn die Einladung des Priesters ist an die ganze betende Gemeinde gerichtet, weil wir alle Sünder sind.

Was kann der Herr dem schenken, dessen Herz voll ist mit sich selbst, mit seinem eigenen Erfolg? Nichts, denn der Selbstgerechte ist unfähig, Vergebung zu empfangen, satt wie er ist von seiner vermeintlichen Gerechtigkeit. Denken wir an das Gleichnis vom Pharisäer und vom Zöllner, wo nur dieser – der Zöllner – gerechtfertigt nach Hause zurückgeht, ihm also seine Sünden vergeben sind (vgl. Lk 18,9-14). Wer sich des eigenen Elends bewusst ist und demütig die Augen niederschlägt, spürt, dass der barmherzige Blick Gottes auf ihm ruht. Wir wissen aus Erfahrung, dass nur jener, der seine Fehler anzuerkennen und um Entschuldigung zu bitten vermag, das Verständnis und die Vergebung der anderen empfängt.

Wenn wir in der Stille auf die Stimme des Gewissens hören, können wir erkennen, dass unsere Gedanken fern sind von den göttlichen Gedanken, dass unsere Worte und unser Handeln oft weltlich sind, also von Entscheidungen geleitet, die dem Evangelium entgegenstehen. Daher sprechen wir zu Beginn der Messe gemeinsam den Bußakt durch ein allgemeines Sündenbekenntnis, das in der ersten Person Singular gesprochen wird. Jeder bekennt vor Gott und vor den Brüdern und Schwestern, »dass ich Gutes unterlassen und Böses getan habe – ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken«. Ja, auch Unterlassungssünden: dass ich unterlassen habe, das Gute zu tun, das ich hätte tun können. Oft fühlen wir uns als gute Menschen, denn – so sagen wir – »ich habe niemandem etwas Böses getan«. In Wirklichkeit genügt es nicht, dem Nächsten nichts Böses zu tun, sondern man muss wählen, das Gute zu tun, indem man die Gelegenheiten wahrnimmt, gutes Zeugnis davon zu geben, dass wir Jünger Jesu sind.

Es ist gut hervorzuheben, dass wir sowohl vor Gott als auch vor den Brüdern und Schwestern bekennen, dass wir Sünder sind. Das hilft uns, die Dimension der Sünde zu begreifen: Während sie uns von Gott trennt, trennt sie uns auch von unseren Brüdern und Schwestern und umgekehrt. Die Sünde zerbricht: Sie zerbricht die Beziehung zu Gott, und sie zerbricht die Beziehung zu den Brüdern und Schwestern, die Beziehung in der Familie, in der Gesellschaft, in der Gemeinde: Die Sünde zerbricht immer, sie scheidet, sie trennt. Die Worte, die wir mit dem Mund sprechen, werden begleitet von der Geste, sich an die Brust zu schlagen und dadurch anzuerkennen, dass ich aus eigener Schuld gesündigt habe und nicht aufgrund der Schuld anderer. Denn oft geschieht es, dass wir aus Angst oder Scham mit dem Finger auf andere zeigen, um sie anzuklagen. Es kostet etwas, zuzugeben, schuldig zu sein, aber es tut uns gut, es aufrichtig zu bekennen. Die eigenen Sünden bekennen.

Ich erinnere mich an eine Anekdote, die ein alter Missionar erzählt hat, von einer Frau, die beichten ging und begann, die Fehler ihres Ehemanns aufzuzählen; dann ging sie dazu über, von den Fehlern der Schwiegermutter zu sprechen und dann von den Sünden der Nachbarn. An einem gewissen Punkt sagte der Beichtvater zu ihr: »Meine Dame, sagen Sie mir: Sind Sie fertig? – Sehr gut: Sie sind fertig mit den Sünden der anderen. Jetzt beginnen Sie, mir Ihre eigenen Sünden zu bekennen.« Die eigenen Sünden bekennen!

Nach dem Schuldbekenntnis bitten wir die allerseligste Jungfrau Maria, die Engel und die Heiligen, beim Herrn für uns zu beten. Auch darin ist die Gemeinschaft der Heiligen kostbar: die Fürsprache dieser »verherrlichten Glieder der Kirche, unsere Brüder und Schwestern« (Präfation vom 1. November) stützt uns auf dem Weg zur vollen Gemeinschaft mit Gott, wenn die Sünde endgültig vernichtet sein wird.

Außer mit dem »Confiteor« kann man den Bußakt auch mit anderen Formeln vollbringen, zum Beispiel: »Sei uns gnädig, Herr, wir haben gegen dich gesündigt. Lass uns schauen, Herr,deine Huld und schenk uns dein Heil!« (vgl. Ps 123,3; 85,8; Jer 14,20). Besonders am Sonntag kann man die Segnung und Ausspendung des Weihwassers vornehmen, als Erinnerung an die Taufe (vgl. Messbuch für die Bistümer des deutschen Sprachgebietes, Teil II, Anhang I, S. 1172), die alle Sünden auslöscht. Es ist auch möglich, als Teil des Bußaktes das »Kyrie eléison« zu singen: Mit einem antiken griechischen Ausdruck rufen wir den Herrn – »Kyrios« – an und bitten um sein Erbarmen (vgl. Allgemeine Einführung in das Römische Messbuch, 30).

Die Heilige Schrift schenkt uns leuchtende Vorbilder von »Büßergestalten«, die in sich gehen, nachdem sie eine Sünde begangen haben, und den Mut finden, die Maske abzunehmen und  sich der Gnade zu öffnen, die das Herz erneuert. Denken wir an König David und an die Worte, die ihm im Psalm zugeschrieben werden: »Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld, tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen!« (51,3). Denken wir an den verlorenen Sohn, der zum Vater zurückkehrt, oder auch an den heiligen Petrus, an Zachäus, an die Samariterin. Sich zu messen mit der Zerbrechlichkeit des Lehms, aus dem wir geformt sind, ist eine Erfahrung, die uns stärkt: Während sie uns mit unserer Schwäche konfrontiert, öffnet sie uns das Herz, um das göttliche Erbarmen zu erbitten, das verwandelt und umkehren lässt. Und das ist es, was wir im Bußakt am Anfang der Messe tun.

 

Quelle: www.vatican.va