Generalaudienzen 2018

Generalaudienz vom 14.02.2018

 

 

in der Reihe unserer Betrachtungen über die heilige Messe wollen wir uns heute dem Abschluss des Wortgottesdienstes widmen: dem Glaubensbekenntnis und dem Allgemeinen Gebet, den Fürbitten. Das Credo ist die Antwort des Glaubenden auf das Wort Gottes, das er vorher gehört hat und das ihm in der Predigt ausgelegt wurde. Eine kurze Stille nach der Homilie ermöglicht es den Zuhörern, dass der Same des Wortes sich setzt und die Anregungen des Heiligen Geistes zu Herzen gehen. Der persönliche Glaube nährt sich vom Hören und geleitet zur Eucharistie. Das Glaubensbekenntnis ist die Zusammenfassung der wichtigsten Lehren, die uns von der Kirche überliefert wurden. In diesen Glauben der Kirche willigt der Einzelne ein und lässt dies in den Fürbitten zu seinem Gebet werden. Die einzelnen Bitten geben den konkreten Bedürfnissen der Gemeinde und aller Mitmenschen Ausdruck, für die die Gläubigen eintreten. Das Fürbittgebet schließt mit der Ermahnung, sich den barmherzigen Blick Gottes zu eigen zu machen, der für alle seine Kinder auf der ganzen Welt Sorge trägt.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 


Generalaudienz vom 07.02.2018

 

 

Liebe Brüder und Schwestern, in unseren Betrachtungen zur Feier der heiligen Messe sprechen wir heute über das Evangelium und die Homilie. Das Evangelium bildet den Höhepunkt der Liturgie des Wortes und darf nur von einem Priester oder Diakon verkündet werden. Ihm geht das Halleluja oder ein anderer Ruf voraus; ebenso wird es von besonderen Zeichen der Ehrerbietung und Verehrung begleitet, um deutlich zu machen: Hier ist der Herr gegenwärtig. Er spricht zu uns. Was er einst gesagt und getan hat, vollzieht er jetzt weiter an uns. Um seine Botschaft näherzubringen, bedient sich Christus auch des Wortes des Priesters oder des Diakons, der nach dem Evangelium die Homilie hält. Sie ist Teil der Liturgie und greift den Dialog zwischen dem Herrn und seinem Volk auf, damit er im Leben erfüllt wird. Die authentische Auslegung des Evangeliums ist unser heiligmäßiges Leben! Gottes Wort muss in uns Fleisch werden und in Werken umgesetzt werden, wie es bei Maria und den Heiligen war. Für eine fruchtbare Verkündigung sind eine gute Vorbereitung, Aufmerksamkeit und die rechte innere Haltung sowohl des Predigers wie auch der Zuhörer erforderlich. Die Kenntnis und das regelmäßige Lesen der Heiligen Schrift hilft uns allen, um mit Gewinn an der Liturgie des Wortes teilzunehmen.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 


Generalaudienz vom 31.01.2018

 

 

Liebe Brüder und Schwestern, in der Katechesenreihe über die heilige Messe wollen wir heute unseren Blick auf den Wortgottesdienst richten. Die Lesungen, die in der Eucharistiefeier vorgetragen werden, sind inspirierte Texte, in denen Gott selbst zu seinem Volk spricht. Denn der Geist Gottes hat die Autoren der Heiligen Schrift inspiriert und lässt das Wort Gottes in uns wirksam sein. Auch Jesus selbst misst der Heiligen Schrift eine ganz besondere Bedeutung zu: „Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt“ (Mt 4,4). So ist das Wort Gottes Nahrung, Speise für unser geistliches Leben, denn es eröffnet uns immer wieder neu das Geheimnis Christi. Von daher wird auch verständlich, warum die Texte der Heiligen Schrift nicht verändert oder durch andere Texte ersetzt werden können. Der Psalmist sagt: „Dein Wort ist meinem Fuß eine Leuchte, ein Licht für meine Pfade“ (Ps 119,105). Das Sprechen Gottes zu uns gibt uns Orientierung und Kraft, den Mühen und Herausforderungen unserer irdischen Pilgerschaft zu begegnen und unser Ziel, das er selbst ist, nie aus den Augen zu verlieren.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 


Generalaudienz vom 24.01.2018

 

 

Liebe Brüder und Schwestern, heute wollen wir einen Rückblick auf meine Reise nach Chile und Peru halten, auf der ich das wandernde Gottesvolk in diesen Ländern ein Stück begleiten konnte. Bei meinem Besuch in Chile unter dem Motto »Meinen Frieden gebe ich euch« (Joh 14,27) habe ich die Verantwortungsträger dazu ermutigt, der solidarischen Begegnung mit allen Volksgruppen Raum zu geben und dies vor allem im Hören auf die Armen, die Migranten, die Jugend, die älteren Menschen wie auch auf die Schöpfung. Die Gläubigen habe ich aufgerufen, Zeugen der Nähe Gottes in einer pluralistischen Gesellschaft zu sein, Wunden zu heilen, Gerechtigkeit zu fördern und Frieden zu stiften. Der Jugend gab ich ein Leitwort des heiligen Alberto Hurtado für ihre Entscheidungen mit auf den Weg: Was würde Jesus an meiner Stelle tun? Meine Reise durch die verschiedenen Landschaften Perus, die unter dem Motto »Geeint in der Hoffnung« (vgl. Eph 4,4) stattfand, machte den großen religiösen wie kulturellen Reichtum dieser Nation deutlich. Überaus vielfältig sind die Formen der Volksfrömmigkeit. In Trujillo konnte ich dem dortigen Gnadenbild der Jungfrau Maria von der Pforte den neuen Titel „Mutter der Barmherzigkeit und der Hoffnung“ verleihen. Die Menschen dort brauchen Ermutigung, weil sie durch Naturkatastrophen wie auch den sozialen Verfall und die Korruption in ihren Lebensgrundlagen bedroht sind. Hier sind die vielen Heiligen Perus Vorbilder und Fürsprecher, um gemeinsam den Weg in eine bessere Zukunft zu finden.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 


Generalaudienz vom 10.01.2018

 

 

 

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

In der Katechesereihe über die Eucharistiefeier haben wir gesehen, dass der Bußakt uns hilft, unseren Hochmut abzulegen und so vor Gott zu treten wie wir wirklich sind, im Bewusstsein, Sünder zu sein, in der Hoffnung, dass uns vergeben wird.

Gerade aus der Begegnung zwischen der menschlichen Armseligkeit und dem göttlichen Erbarmen entsteht die Dankbarkeit, die im »Gloria « zum Ausdruck kommt: In diesem »ehrwürdigen altchristlichen Hymnus verherrlicht die im Heiligen Geist versammelte Kirche den Vater und das Lamm und fleht um Erbarmen« (Allgemeine Einführung in das Römische Messbuch, 31). Der Beginn dieses Hymnus – »Ehre sei Gott in der Höhe« – greift den Gesang der Engel bei der Geburt Jesu in Betlehem auf, die freudige Verkündigung der Umarmung zwischen Himmel und Erde. Dieser Gesang schließt auch uns ein, die wir im Gebet versammelt sind: »Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade.«

Nach dem »Gloria« oder, wenn dieses nicht vorgesehen ist, gleich nach dem Bußakt nimmt das Gebet besondere Form an im sogenannten »Tagesgebet« oder »Kollektengebet«, durch das die Eigenart der Feier zum Ausdruck gebracht wird, die sich je nach den Tagen und den Zeiten des Kirchjahres verändern kann (vgl. ebd., 32).

Mit der Einladung »Lasset uns beten« ruft der Priester das Volk auf, sich mit ihm in einem Augenblick der Stille zu sammeln, um sich darauf zu besinnen, vor Gottes Angesicht zu stehen, und damit jeder in seinem Herzen die persönlichen Anliegen aussprechen kann, mit denen er an der Messe teilnimmt (vgl. ebd., 32). Der Priester sagt: »Lasset uns beten«; und dann folgt ein Augenblick der Stille, und jeder denkt an das, was er braucht, worum er bitten will, im Gebet. Das Schweigen ist nicht nur die Abwesenheit von Worten, sondern dient dazu, sich bereit zu machen, andere Stimmen zu hören: die Stimme unseres Herzen und vor allem die Stimme des Heiligen Geistes. In der Liturgie hängt das Wesen der heiligen Stille von dem Augenblick ab, in dem sie stattfindet: »Sie gibt Gelegenheit zur Besinnung beim Schuldbekenntnis und nach den Gebetseinladungen, zur kurzen Meditation nach den Lesungen und nach der Homilie, zum inneren Lobgebet nach der Kommunion« (ebd., 23).

Vor dem Eingangsgebet hilft uns die Stille also, uns innerlich zu sammeln und darüber nachzudenken, warum wir dort sind. Daher ist es wichtig, auf unser Herz zu hören und es dann dem Herrn zu öffnen. Vielleicht kommen wir aus Tagen der Mühe, der Freude, des Schmerzes und wollen es dem Herrn sagen, seine Hilfe anrufen, darum bitten, dass er uns beistehen möge; vielleicht haben wir Angehörige oder Freunde, die krank sind oder schwere Prüfungen durchmachen; vielleicht möchten wir Gott die Geschicke der Kirche oder der Welt anvertrauen. Dazu dient die kurze Stille, bevor der Priester, indem er die Anliegen eines jeden aufgreift, Gott im Namen aller mit lauter Stimme das allgemeine Gebet darbringt, das die Eingangsriten abschließt, indem er die »Kollekte« der einzelnen Anliegen macht. Ich ermahne die Priester eindringlich, diesen Augenblick der Stille zu bewahren und nicht voranzueilen: »Lasset uns beten«, und die Stille muss bewahrt werden. Dazu ermahne ich die Priester. Ohne diese Stille laufen wir Gefahr, die innere Sammlung zu vernachlässigen.

Der Priester spricht dieses Gebet, dieses Tagesgebet, mit ausgebreiteten Armen. Dies ist die Orantenhaltung, die die Christen schon in den ersten Jahrhunderten eingenommen haben – wie die Fresken der römischen Katakomben bezeugen –, um Christus nachzuahmen, der mit geöffneten Armen am Kreuz hängt. Und dort ist Christus der Beter, und er ist gleichzeitig das Gebet! Im Gekreuzigten erkennen wir den Priester, der Gott die Verehrung darbringt, die ihm gefällt, also den kindlichen Gehorsam.

Im Römischen Ritus sind die Gebete kurz, aber reich an Bedeutung: Man kann über diese Gebete viele schöne Betrachtungen halten. Sehr schöne! Über ihre Texte immer wieder nachzudenken, auch außerhalb der Messe, kann uns helfen zu lernen, wie wir uns an Gott wenden können, worum wir bitten, welche Worte wir gebrauchen sollen. Möge die Liturgie für uns alle eine wahre Schule des Gebets werden.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 


Generalaudienz vom 03.01.2018

 

 

 

Liebe Brüder und Schwestern,
guten Tag!

Indem wir die Katechesen über die Eucharistiefeier wieder aufnehmen, betrachten wir heute im Zusammenhang mit den Eingangsriten den Bußakt. In seiner Nüchternheit fördert er die Haltung, in der man sich bereitet, die heiligen Geheimnisse würdig zu feiern: indem wir vor Gott und den Brüdern und Schwestern unsere Sünden bekennen, indem wir anerkennen, dass wir Sünder sind. Denn die Einladung des Priesters ist an die ganze betende Gemeinde gerichtet, weil wir alle Sünder sind.

Was kann der Herr dem schenken, dessen Herz voll ist mit sich selbst, mit seinem eigenen Erfolg? Nichts, denn der Selbstgerechte ist unfähig, Vergebung zu empfangen, satt wie er ist von seiner vermeintlichen Gerechtigkeit. Denken wir an das Gleichnis vom Pharisäer und vom Zöllner, wo nur dieser – der Zöllner – gerechtfertigt nach Hause zurückgeht, ihm also seine Sünden vergeben sind (vgl. Lk 18,9-14). Wer sich des eigenen Elends bewusst ist und demütig die Augen niederschlägt, spürt, dass der barmherzige Blick Gottes auf ihm ruht. Wir wissen aus Erfahrung, dass nur jener, der seine Fehler anzuerkennen und um Entschuldigung zu bitten vermag, das Verständnis und die Vergebung der anderen empfängt.

Wenn wir in der Stille auf die Stimme des Gewissens hören, können wir erkennen, dass unsere Gedanken fern sind von den göttlichen Gedanken, dass unsere Worte und unser Handeln oft weltlich sind, also von Entscheidungen geleitet, die dem Evangelium entgegenstehen. Daher sprechen wir zu Beginn der Messe gemeinsam den Bußakt durch ein allgemeines Sündenbekenntnis, das in der ersten Person Singular gesprochen wird. Jeder bekennt vor Gott und vor den Brüdern und Schwestern, »dass ich Gutes unterlassen und Böses getan habe – ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken«. Ja, auch Unterlassungssünden: dass ich unterlassen habe, das Gute zu tun, das ich hätte tun können. Oft fühlen wir uns als gute Menschen, denn – so sagen wir – »ich habe niemandem etwas Böses getan«. In Wirklichkeit genügt es nicht, dem Nächsten nichts Böses zu tun, sondern man muss wählen, das Gute zu tun, indem man die Gelegenheiten wahrnimmt, gutes Zeugnis davon zu geben, dass wir Jünger Jesu sind.

Es ist gut hervorzuheben, dass wir sowohl vor Gott als auch vor den Brüdern und Schwestern bekennen, dass wir Sünder sind. Das hilft uns, die Dimension der Sünde zu begreifen: Während sie uns von Gott trennt, trennt sie uns auch von unseren Brüdern und Schwestern und umgekehrt. Die Sünde zerbricht: Sie zerbricht die Beziehung zu Gott, und sie zerbricht die Beziehung zu den Brüdern und Schwestern, die Beziehung in der Familie, in der Gesellschaft, in der Gemeinde: Die Sünde zerbricht immer, sie scheidet, sie trennt. Die Worte, die wir mit dem Mund sprechen, werden begleitet von der Geste, sich an die Brust zu schlagen und dadurch anzuerkennen, dass ich aus eigener Schuld gesündigt habe und nicht aufgrund der Schuld anderer. Denn oft geschieht es, dass wir aus Angst oder Scham mit dem Finger auf andere zeigen, um sie anzuklagen. Es kostet etwas, zuzugeben, schuldig zu sein, aber es tut uns gut, es aufrichtig zu bekennen. Die eigenen Sünden bekennen.

Ich erinnere mich an eine Anekdote, die ein alter Missionar erzählt hat, von einer Frau, die beichten ging und begann, die Fehler ihres Ehemanns aufzuzählen; dann ging sie dazu über, von den Fehlern der Schwiegermutter zu sprechen und dann von den Sünden der Nachbarn. An einem gewissen Punkt sagte der Beichtvater zu ihr: »Meine Dame, sagen Sie mir: Sind Sie fertig? – Sehr gut: Sie sind fertig mit den Sünden der anderen. Jetzt beginnen Sie, mir Ihre eigenen Sünden zu bekennen.« Die eigenen Sünden bekennen!

Nach dem Schuldbekenntnis bitten wir die allerseligste Jungfrau Maria, die Engel und die Heiligen, beim Herrn für uns zu beten. Auch darin ist die Gemeinschaft der Heiligen kostbar: die Fürsprache dieser »verherrlichten Glieder der Kirche, unsere Brüder und Schwestern« (Präfation vom 1. November) stützt uns auf dem Weg zur vollen Gemeinschaft mit Gott, wenn die Sünde endgültig vernichtet sein wird.

Außer mit dem »Confiteor« kann man den Bußakt auch mit anderen Formeln vollbringen, zum Beispiel: »Sei uns gnädig, Herr, wir haben gegen dich gesündigt. Lass uns schauen, Herr,deine Huld und schenk uns dein Heil!« (vgl. Ps 123,3; 85,8; Jer 14,20). Besonders am Sonntag kann man die Segnung und Ausspendung des Weihwassers vornehmen, als Erinnerung an die Taufe (vgl. Messbuch für die Bistümer des deutschen Sprachgebietes, Teil II, Anhang I, S. 1172), die alle Sünden auslöscht. Es ist auch möglich, als Teil des Bußaktes das »Kyrie eléison« zu singen: Mit einem antiken griechischen Ausdruck rufen wir den Herrn – »Kyrios« – an und bitten um sein Erbarmen (vgl. Allgemeine Einführung in das Römische Messbuch, 30).

Die Heilige Schrift schenkt uns leuchtende Vorbilder von »Büßergestalten«, die in sich gehen, nachdem sie eine Sünde begangen haben, und den Mut finden, die Maske abzunehmen und  sich der Gnade zu öffnen, die das Herz erneuert. Denken wir an König David und an die Worte, die ihm im Psalm zugeschrieben werden: »Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld, tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen!« (51,3). Denken wir an den verlorenen Sohn, der zum Vater zurückkehrt, oder auch an den heiligen Petrus, an Zachäus, an die Samariterin. Sich zu messen mit der Zerbrechlichkeit des Lehms, aus dem wir geformt sind, ist eine Erfahrung, die uns stärkt: Während sie uns mit unserer Schwäche konfrontiert, öffnet sie uns das Herz, um das göttliche Erbarmen zu erbitten, das verwandelt und umkehren lässt. Und das ist es, was wir im Bußakt am Anfang der Messe tun.

 

Quelle: www.vatican.va