Generalaudienzen 2018

Generalaudienz vom 26.09.2018

 

Liebe Brüder und Schwestern, während meiner Apostolischen Reise in die baltischen Staaten in den vergangenen Tagen habe ich den Menschen in diesen Ländern, die nach dem Fall der totalitären Regime nun in Freiheit leben können, die Freude des Evangeliums und die Revolution der Barmherzigkeit verkündet. Die Freiheit ohne die Liebe, die von Gott kommt, genügt nicht, um dem Leben Sinn und Fülle zu geben. In Zeiten der Prüfungen stärkt uns das Evangelium, in Zeiten der Freiheit ist es Licht für den täglichen Weg der Menschen und das Salz, das vor der Mittelmäßigkeit und dem Egoismus bewahrt. Zusammen mit Maria, die sich immer als Mutter ihrer Kinder erweist, haben die Völker Litauens, Lettlands und Estlands ihr Ja zu Christus als unserer Hoffnung erneuert. So werden ihre Herzen erweckt, auch in einer säkularisierten Welt die Sprache der Liebe zu sprechen und neues Leben aufkeimen zu lassen.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 19.09.2018

  

Liebe Brüder und Schwestern, das vierte Gebot handelt von der Ehre, die wir den Eltern schulden. Ehre erweisen ist nicht Frage äußerlicher Formen, sondern der Wahrheit. Gott ehren heißt seine Wirklichkeit anerkennen. Vater und Mutter ehren bedeutet, ihre Wichtigkeit auch mit konkreten Taten der Hingabe, Zuneigung und Fürsorge anzuerkennen. Das Elterngebot ist mit der Verheißung eines langen glücklichen Lebens verbunden. Dabei spricht es nicht von den Verdiensten der Eltern oder dass sie perfekt sein müssen, sondern vom Handeln der Kinder. Mag auch nicht jede Kindheit unbeschwert gewesen sein, können wir doch glücklich werden, wenn wir denen, die uns das Leben geschenkt haben, die rechte Anerkennung geben. Viele Heilige und Christen um uns herum zeigen uns, dass sie trotz einer schweren Kindheit ein gutes Leben führen, weil sie durch Christus mit ihrem Leben versöhnt sind. Welche Geschichte auch immer jemand mit sich trägt, so können wir sehen, dass Gott das Leben seiner Kinder führt und in ihm alles einen Sinn hat. Selbst unsere Verletzungen werden zu einer Chance, wenn wir durch Gottes Gnade entdecken, dass die eigentliche Frage nicht darin liegt, warum uns etwas widerfahren ist, sondern für wen das Geschehene Gutes bewirkt. Dann können wir als freie Menschen unsere Eltern ehren und mit Barmherzigkeit ihre Grenzen annehmen.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 12.09.2018

  

Liebe Brüder und Schwestern, in der heutigen Katechese betrachten wir noch einmal das dritte Gebot über den Ruhetag. Die Zehn Gebote sind uns zweimal überliefert, im Buch Exodus und im Buch Deuteronomium. Die Texte sind großenteils identisch, nur beim dritten Gebot gibt es einen bemerkenswerten Unterschied: Während in Exodus an die Ruhe des Schöpfers und die Heiligung der Schöpfung am siebten Tag erinnert wird, ist der Ruhetag in Deuteronomium das Gedächtnis des Pascha, des Moments der Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei Ägyptens. In der Tat haben Sklaven keinen Ruhetag. Die Sklaverei ist meist Folge von Unterdrückung und Gewalt; es gibt aber auch die verschiedenen Formen von innerer Unfreiheit, Blockierungen, Komplexe, charakterliche Grenzen. Sie weisen hin auf die Sklaverei durch das eigene Ich, die den Menschen in die Knechtschaft der Sünde führt. Diese äußert sich in den Hauptlastern: Stolz, Habsucht, Neid, Zorn, Wollust, Unmäßigkeit und Überdruss. Aus der Gefangenschaft des Ich kann uns nur die wahre Liebe retten, die uns Jesus Christus geschenkt hat, der uns geliebt hat bis zum Tod am Kreuz. Das dritte Gebot lädt also ein, in der Ruhe die Befreiung zu feiern, die Christus gewirkt hat, der die innere Knechtschaft der Sünde gebrochen hat und den Menschen fähig macht, wirklich zu lieben.

 

 

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 05.09.2018

  

Liebe Brüder und Schwestern,

guten Tag!

 

Der Weg durch den Dekalog führt uns heute zum Gebot des Ruhetags. Es scheint ein leicht zu erfüllendes Gebot zu sein, aber dieser Eindruck täuscht. Sich auszuruhen ist wirklich nicht einfach, denn es gibt falsche Ruhe und wahre Ruhe. Wie können wir sie erkennen?

 

Die heutige Gesellschaft kreist um Unterhaltung und Freizeit. Die Unterhaltungsindustrie floriert, und die Werbung zeichnet ein Idealbild von der Welt als einem großen Vergnügungspark, in dem alle Spaß haben. Der heute vorherrschende Begriff vom Leben hat seinen Schwerpunkt nicht in Arbeit und Mühe, sondern in der Zerstreuung. Geld verdienen, um Spaß zu haben, sich zu vergnügen. Das Modellbild ist das eines erfolgreichen Menschen, der es sich erlauben kann, sich weitgehend und vielfältig dem Vergnügen zu widmen. Diese Denkweise lässt uns jedoch in die Unzufriedenheit eines Lebens abgleiten, das von einem Vergnügen betäubt ist, das keine Ruhe ist, sondern Entfremdung und Realitätsflucht. Der Mensch hat sich noch nie so viel ausgeruht wie heute, und trotzdem hat der Mensch noch nie so viel Leere erfahren wie heute! All die Möglichkeiten, sich zu vergnügen, hinauszuziehen, Kreuzfahrten, Reisen, viele Dinge erfüllen dein Herz nicht. Im Gegenteil: Sie schenken dir keine Ruhe.

 

Die Worte des Dekalogs suchen und finden das Herzstück des Problems, indem sie ein anderes Licht darauf werfen, was die Ruhe ist. Das Gebot hat ein besonderes Element: Es liefert einen Grund. Die Ruhe im Namen des Herrn hat einen präzisen Grund: »Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel, Erde und Meer gemacht und alles, was dazugehört; am siebten Tag ruhte er. Darum hat der Herr den Sabbat gesegnet und ihn geheiligt « (Ex 20,11). Das verweist auf das Ende der Schöpfung, als Gott sagt: »Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut« (Gen 1,31). Und dann beginnt der Ruhetag, der die Freude Gottes ist über das, was er erschaffen hat. Es ist der Tag der Betrachtung und des Segens.

 

Was ist also die Ruhe gemäß diesem Gebot? Sie ist der Augenblick der Betrachtung, sie ist der Augenblick des Lobpreises, nicht der Zerstreuung. Sie ist die Zeit, um die Wirklichkeit anzuschauen und zu sagen: Wie schön ist das Leben! Der Ruhe als Flucht vor der Wirklichkeit setzt der Dekalog die Ruhe als Segen der Wirklichkeit entgegen. Für uns Christen ist der Mittelpunkt des Tages des Herrn, des Sonntags, die Eucharistie, die »Danksagung« bedeutet. Er ist der Tag, um zu Gott zu sagen: Danke, Herr des Lebens, für deine Barmherzigkeit, für alle deine Gaben. Der Sonntag ist nicht der Tag, um alle anderen Tage auszulöschen, sondern um an sie zu denken, sie zu segnen und Frieden zu schließen mit dem Leben.

 

Wie viele Menschen haben viele Möglichkeiten, sich zu vergnügen, und leben nicht in Frieden mit dem Leben! Der Sonntag ist der Tag, um Frieden zu schließen mit dem Leben und zu sagen: Das Leben ist kostbar; es ist nicht einfach, manchmal ist es schmerzvoll, aber es ist kostbar. In die echte Ruhe eingeführt zu werden ist ein Werk Gottes in uns, aber es verlangt, sich vom Fluch und seiner Faszination zu entfernen (vgl. Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 83). Denn das Herz der Traurigkeit zu beugen, indem man die Gründe, unzufrieden zu sein, hervorhebt, ist ganz leicht. Der Segen und die Freude setzen eine Öffnung zum Guten voraus, die einem reifen Herzen entspringt. Das Gute ist liebevoll und zwingt sich nie auf. Es muss gewählt werden.

 

Den Frieden wählt man, man kann ihn nicht aufzwingen, und man findet ihn nicht zufällig. Wenn der Mensch sich von den bitteren Winkeln seines Herzens entfernt, muss er Frieden schließen mit dem, vor dem er flieht. Es ist notwendig, sich mit der eigenen Geschichte zu versöhnen, mit den Tatsachen, die man nicht akzeptiert, mit den schwierigen Teilen der eigenen Existenz. Ich frage euch: Fühlt jeder von euch sich mit der eigenen Geschichte versöhnt? Eine Frage, um darüber nachzudenken: Habe ich mich mit meiner Geschichte versöhnt? Denn der wahre Friede besteht nicht darin, die eigene Geschichte zu verändern, sondern sie anzunehmen, wertzuschätzen – so wie sie gewesen ist.

 

Wie oft sind wir kranken Christen begegnet, die uns getröstet haben mit einer inneren Ruhe, die man bei den Genießern und bei den Hedonisten nicht findet! Und wir haben demütige und arme Menschen gesehen, die sich über kleine Gnaden gefreut haben, mit einer Glückseligkeit, die den Geschmack der Ewigkeit hatte. Der Herr sagt im Buch Deuteronomium: »Leben und Tod lege ich dir vor, Segen und Fluch. Wähle also das Leben, damit du lebst, du und deine Nachkommen« (30,19). Diese Wahl ist das »fiat« der Jungfrau Maria, sie ist die Öffnung gegenüber dem Heiligen Geist, der uns den Spuren Christi folgen lässt: Er schenkt sich im dramatischsten Augenblick dem Vater hin und schlägt so den Weg ein, der zur Auferstehung führt.

 

Wann wird das Leben schön? Wenn man beginnt, es zu mögen, ganz gleich, was unsere Geschichte ist. Wenn die Gabe eines Gedankens sich Bahn bricht: dass alles Gnade ist.[1] Und dieser heilige Gedanke lässt die innere Mauer der Unzufriedenheit zerbröckeln und leitet die echte Ruhe ein. Das Leben wird schön, wenn man das Herz für die Vorsehung öffnet und entdeckt, dass es wahr ist, was der Psalm sagt: »Bei Gott allein wird ruhig meine Seele« (62,2). Es ist schön, dieses Psalmwort: »Bei Gott allein wird ruhig meine Seele.«

 

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 29.08.2018

 

Liebe Brüder und Schwestern,

guten Tag!

 

Am vergangenen Wochenende habe ich eine Reise nach Irland unternommen, um am Weltfamilientreffen teilzunehmen: Ich bin sicher, dass ihr es im Fernsehen gesehen habt. Meine Anwesenheit sollte vor allem die christlichen Familien in ihrer Berufung und Sendung stärken. Die Tausende von Familien – Ehepaare, Großeltern, Kinder –, die in Dublin zusammengekommen waren, mit der ganzen Vielfalt ihrer Sprachen, Kulturen und Erfahrungen, waren ein beredtes Zeichen für die Schönheit des Traumes Gottes für die gesamte Menschheitsfamilie. Und wir wissen es: Der Traum Gottes ist die Einheit, die Eintracht und der Friede in den Familien und in der Welt, Frucht der Treue, der Vergebung und der Versöhnung, die er uns in Christus geschenkt hat. Er ruft die Familien, an diesem Traum teilzuhaben und die Welt zu einem Haus zu machen, wo keiner allein ist, keiner nicht gewollt ist, keiner ausgeschlossen ist. Denkt gut darüber nach: Gott will, dass keiner allein ist, keiner nicht gewollt ist, keiner ausgeschlossen ist. Daher war das Thema dieses Welttreffens sehr passend. Es lautete so: »Das Evangelium der Familie: Freude für die Welt«.

 

Ich bin dem Präsidenten von Irland, dem Ministerpräsidenten, den verschiedenen zivilen und religiösen Autoritäten sowie den vielen Menschen, die auf allen Ebenen dazu beigetragen haben, die Ereignisse des Treffens vorzubereiten und umzusetzen, sehr dankbar. Und vielen Dank an die Bischöfe, die viel gearbeitet haben. In meiner Ansprache an die Autoritäten im Dubliner Schloss habe ich noch einmal bekräftigt, dass die Kirche eine Familie von Familien ist und dass sie als ein Leib diese Keimzellen in ihrer unverzichtbaren Rolle für die Entwicklung einer brüderlichen und solidarischen Gesellschaft stützt.

 

Wahre »Lichtpunkte« dieser Tage waren die Zeugnisse der ehelichen Liebe, die von Ehepaaren jeden Alters gegeben wurden. Ihre Geschichten haben uns in Erinnerung gerufen, dass die Liebe in der Ehe ein besonderes Geschenk Gottes ist, das in der »Hauskirche«, die die Familie ist, jeden Tag gepflegt werden muss. Wie sehr braucht die Welt eine Revolution der Liebe, eine Revolution der Zärtlichkeit, die uns von der gegenwärtigen Kultur des Provisorischen rettet! Und diese Revolution beginnt im Herzen der Familie.

 

In der Prokathedrale von Dublin bin ich Eheleuten begegnet, die sich in der Kirche engagieren, sowie vielen jungen Ehepaaren und zahlreichen kleinen Kindern. Anschließend hatte ich eine Begegnung mit einigen Familien, die besonderen Herausforderungen und Schwierigkeiten gegenüberstehen. Dank der Kapuzinerbrüder, die dem Volk stets nahe sind, sowie der größeren kirchlichen Familie erfahren sie die Solidarität und die Unterstützung, die Frucht der Nächstenliebe sind.

 

Höhepunkt meines Besuchs war das große Fest mit den Familien am Samstagabend im Croke Park Stadion, gefolgt von der Messe im Phoenix Park am Sonntag. Bei der Begegnung am Vorabend haben wir sehr bewegende Zeugnisse gehört: von Familien, die unter Kriegen gelitten haben; Familien, die von der Vergebung erneuert wurden; Familien, die die Liebe aus der Spirale der Abhängigkeiten gerettet hat; Familien, die gelernt haben, Handys und Tablets gut zu nutzen und der gemeinsam verbrachten Zeit Priorität zu geben. Und der Wert der Kommunikation zwischen den Generationen sowie die besondere Rolle der Großeltern bei der Festigung der Familienbande und der Weitergabe des Glaubensschatzes sind deutlich geworden. Heute – es ist hart, das zu sagen – scheint es, dass die Großeltern stören. In unserer Wegwerfkultur werden die Großeltern »ausgesondert«, ferngehalten. Aber die Großeltern sind die Weisheit, sie sind die Erinnerung eines Volkes, die Erinnerung der Familien!

 

Und die Großeltern müssen diese Erinnerung an die Enkel weitergeben. Die Jugendlichen und die Kinder müssen mit den Großeltern sprechen, um die Geschichte voranzubringen. Bitte: Sondert die Großeltern nicht aus. Lasst sie euren Kindern, den Enkeln, nahe sein. Am Sonntagvormittag habe ich die Wallfahrt zum Marienheiligtum von Knock gemacht, das dem irischen Volk so sehr am Herzen liegt. Dort, in der Kapelle, die über dem Ort einer Erscheinung der Jungfrau Maria erbaut wurde, habe ich alle Familien, insbesondere die Familien in Irland, ihrem mütterlichen Schutz anvertraut. Und auch wenn meine Reise keinen Besuch in Nordirland enthielt, habe ich an sein Volk einen herzlichen Gruß gerichtet und den Prozess der Versöhnung, der Befriedung, der Freundschaft und der ökumenischen Zusammenarbeit ermutigt. Mein Besuch in Irland sollte, außer der großen Freude, auch dazu dienen, sich des Schmerzes und der Bitterkeit anzunehmen, die von dem Leid verursacht wurden, das in jenem Land durch verschiedene Formen des Missbrauchs hervorgerufen wurde – auch durch Mitglieder der Kirche –, sowie der Tatsache, dass die kirchlichen Autoritäten diesen Verbrechen in der Vergangenheit nicht immer angemessen zu begegnen wussten.

 

Einen tiefen Eindruck hat die Begegnung mit einigen Missbrauchsopfern – es waren acht – hinterlassen; und mehrmals habe ich den Herrn um Vergebung gebeten für diese Sünden, für den Skandal und das Gefühl des Verrats, die sie verursacht haben. Die irischen Bischöfe haben einen ernsthaften Weg der Läuterung und der Versöhnung mit jenen eingeschlagen, die Missbrauch erlitten haben, und mit Hilfe der staatlichen Autoritäten haben sie eine Reihe strenger Normen aufgestellt, um die Sicherheit der jungen Menschen zu gewährleisten. Später, in meiner Begegnung mit den Bischöfen, habe ich sie in ihren Bemühungen unterstützt, das Versagen der Vergangenheit mit Aufrichtigkeit und Mut wiedergutzumachen, im Vertrauen auf die Verheißungen des Herrn und auf den tiefen Glauben des irischen Volkes, um eine Zeit der Erneuerung der Kirche in Irland einzuläuten. In Irland gibt es Glauben, gibt es gläubige Menschen: ein Glaube mit großen Wurzeln. Aber wisst ihr was? Es gibt wenige Berufungen zum Priestertum. Wieso schafft es dieser Glaube nicht? Wegen dieser Probleme, der Skandale, vieler Dinge… Wir müssen beten, dass der Herr heilige Priester nach Irland senden möge, dass er neue Berufungen senden möge. Und wir werden es gemeinsam tun, indem wir ein »Ave Maria« zur Gottesmutter von Knock beten. [Gebet des »Ave Maria«.] Herr Jesus, sende uns heilige Priester.

 

Liebe Brüder und Schwestern, das Weltfamilientreffen in Dublin war eine prophetische, tröstliche Erfahrung vieler Familien, die auf dem evangeliumsgemäßen Weg der Ehe und des Familienlebens unterwegs sind; Familien von Jüngern und Missionaren, Sauerteig der Güte, der Heiligkeit, der Gerechtigkeit und des Friedens. Vergessen wir nicht die vielen Familien – viele! –, die die eigene Familie, die Kinder mit Treue voranbringen und einander um Vergebung bitten, wenn es Probleme gibt. Wir vergessen das, weil es heute Mode ist, in den Zeitschriften, in den Zeitungen, so zu reden: »Die Ehe von dem mit der ist geschieden worden… Die von dem… Und die Trennung…« Aber bitte: Das ist etwas Schreckliches. Es ist wahr: Ich respektiere jeden, wir müssen die Menschen respektieren, aber das Ideal ist nicht die Scheidung, das Ideal ist nicht die Trennung, das Ideal ist nicht die Zerstörung der Familie. Das Ideal ist die vereinte Familie. Vorwärts also: Das ist das Ideal!

 

Das nächste Weltfamilientreffen wird 2021 in Rom stattfinden. Vertrauen wir sie alle dem Schutz der Heiligen Familie – Jesus, Maria und Josef – an, damit sie in ihren Häusern, Pfarreien und Gemeinschaften wirklich »Freude für die Welt« sein können.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 22.08.2018

  

Sprecher:

 

Liebe Brüder und Schwestern, in der Reihe der Katechesen über die Zehn Gebote betrachten wir heute das zweite Gebot: „Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen“ (Ex 20,7). Oder anders formuliert: Der Name Gottes soll nicht in unpassender Weise ausgesprochen werden. In wörtlicher Übersetzung heißt es: „Du sollst den Namen Gottes nicht ‚leer‘ an dich nehmen“. Der Name drückt in der Bibel das innerste Wesen einer Person aus und weist auf ihre Mission hin. Den Namen Gottes zu kennen hat einen prägenden Einfluss auf das Leben, wie wir es im Alten Testament am Beispiel des Mose sehen. In der jüdischen Tempelliturgie wurde am Versöhnungstag der Name Gottes feierlich ausgerufen. Damit wurde dem Volk Vergebung zugesprochen, weil es durch den Namen mit dem Leben Gottes, der Barmherzigkeit ist, in Kontakt kam. Auch wir Christen kennen den Namen Gottes. Wir werden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft, und wir machen das Kreuzzeichen, um unser tägliches Handeln in die Gemeinschaft mit Gott zu stellen, der die Liebe ist. Unser Name und unsere ganze Existenz sind ihm gegenwärtig. Der Name eines jeden von uns liegt auf den Schultern Christi, des Gekreuzigten und Auferstandenen. Deshalb sollen wir den Namen Gottes nicht leichtfertig aussprechen, sondern im gläubigen Bewusstsein, dass er unser Leben mit all seinen Fehlern bis zum Äußersten getragen und erlöst hat.

 

Heiliger Vater:

 

Un cordiale benvenuto ai fratelli e alle sorelle di lingua tedesca, in particolare ai pellegrini della Diocesi di Graz-Seckau, con il Vescovo Mons. Wilhelm. Come cristiani portiamo il nome di Cristo, che significa che siamo con tutta la nostra vita testimoni del Dio vivente e del Suo amore misericordioso. Per questa testimonianza il Signore benedica voi e le vostre famiglie.

 

Sprecher:

 

Ein herzliches Willkommen allen Brüdern und Schwestern deutscher Sprache, besonders den Pilgern der Diözese Graz-Seckau unter Leitung ihres Bischofs Wilhelm. Als Christen tragen wir den Namen Christi. Das bedeutet, dass wir mit unserem ganzen Leben Zeugen des lebendigen Gottes und seiner barmherzigen Liebe sind. Für dieses Zeugnis segne Gott euch und eure Familien!

 

  

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 08.08.2018

  

Liebe Brüder und Schwestern,

guten Tag!

 

Heute wollen wir weiter über den Dekalog nachdenken und das Thema des Götzendienstes vertiefen; wir haben in der vergangenen Woche bereits darüber gesprochen. Heute greifen wir das Thema wieder auf, weil es sehr wichtig ist, es kennenzulernen. Und wir setzen beim Götzen schlechthin an, beim Goldenen Kalb, von dem das Buch Exodus (32,1-8) berichtet – wir haben gerade einen Abschnitt daraus gehört. Diese Episode hat einen bestimmten Kontext: die Wüste, wo das Volk auf Mose wartet, der auf den Berg gestiegen ist, um die Weisungen von Gott zu empfangen. Was ist die Wüste? Sie ist ein Ort, an dem Mangel und Unsicherheit herrschen – in der Wüste gibt es nichts –, wo Mangel an Wasser, Mangel an Nahrung und Mangel an Schutz herrscht. Die Wüste ist ein Bild für das menschliche Leben, das ungewiss ist und keine unantastbaren Garantien besitzt. Diese Unsicherheit ruft im Menschen Grundängste hervor, die Jesus im Evangelium erwähnt: »Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? « (Mt 6,31). Es sind Grundängste. Und die Wüste ruft diese Ängste hervor.

 

Und in jener Wüste geschieht etwas, das den Götzendienst in Gang setzt: dass »Mose noch immer nicht vom Berg herabkam« (Ex 32,1). Er ist 40 Tage dortgeblieben, und die Menschen sind ungeduldig geworden. Es fehlte der Bezugspunkt, der Mose war: der Anführer, das Oberhaupt, der beruhigende Leiter, und das wird unerträglich. Da verlangt das Volk einen sichtbaren Gott – das ist die Falle, in die das Volk gerät –, um sich damit identifizieren und daran orientieren zu können. Und sie sagen zu Aaron: »Mach uns einen Gott, der vor uns herzieht!«. »Mach uns ein Oberhaupt, mach uns einen Anführer.« Um der Unsicherheit zu entfliehen – die Unsicherheit ist die Wüste – sucht die menschliche Natur sich eine »Selfmade-Religion«: Wenn Gott sich nicht sehen lässt, machen wir uns einen Gott nach Maß. »Vor dem Götzen geht man nicht das mögliche Risiko eines Rufes ein, der einen aus den eigenen Sicherheiten herausholt, denn die Götzen ›haben einen Mund und reden nicht‹ (Ps 115,5). So begreifen wir, dass der Götze ein Vorwand ist, sich selbst ins Zentrum der Wirklichkeit zu setzen, in der Anbetung des Werkes der eigenen Hände« (Enzyklika Lumen fidei, 13).

 

Aaron kann sich der Forderung des Volkes nicht widersetzen und stellt ein Goldenes Kalb her. Das Kalb hatte im Alten Orient eine zweifache Bedeutung: Einerseits stand es für Fruchtbarkeit und Fülle, andererseits für Energie und Kraft. Vor allem aber ist es aus Gold, daher ist es Symbol für Reichtum, Erfolg, Macht und Geld. Das sind die großen Götzen: Erfolg, Macht und Geld. Es sind die Versuchungen, die es schon immer gegeben hat! Das ist also das Goldene Kalb: das Symbol aller Wünsche, die zwar die Illusion der Freiheit geben, in Wirklichkeit aber versklaven, denn der Götze versklavt immer. Du fühlst dich von ihm angezogen und gehst hin. Dieselbe Anziehungskraft hat die Schlange, die den Vogel anstarrt: Der Vogel kann sich nicht rühren, und die Schlange fängt ihn. Aaron konnte sich nicht widersetzen.

 

Alles kommt jedoch aus der Unfähigkeit, vor allem auf Gott zu vertrauen, auf ihn unsere Sicherheiten zu setzen, ihn unseren Herzenswünschen wahre Tiefe geben zu lassen. Das lässt auch die Schwäche, die Ungewissheit und die Unsicherheit ertragen. Die Bezugnahme auf Gott macht uns stark in der Schwäche, in der Ungewissheit und auch in der Unsicherheit. Ohne den Primat Gottes gerät man leicht in den Götzendienst und gibt sich mit armseligen Beruhigungen zufrieden. Aber das ist eine Versuchung, von der wir immer in der Bibel lesen. Und denkt gut darüber nach: Es hat Gott keine große Mühe gekostet, das Volk aus Ägypten zu befreien; er hat es mit Zeichen der Macht, der Liebe getan. Die große Mühsal Gottes bestand vielmehr darin, Ägypten aus dem Herzen des Volkes zu entfernen, also den Götzendienst aus dem Herzen des Volkes zu entfernen. Und noch immer ist Gott darum bemüht, ihn aus unserem Herzen zu entfernen.

 

Das ist die große Mühsal Gottes: jenes »Ägypten«, das wir ins uns tragen und das die Anziehungskraft des Götzendienstes ist, zu entfernen. Wenn man den Gott Jesu Christi annimmt, der reich war und unseretwegen arm wurde (vgl. 2 Kor 8,9), dann entdeckt man, dass die Anerkennung der eigenen Schwachheit nicht das Unglück des menschlichen Lebens ist, sondern die Voraussetzung, sich demjenigen gegenüber zu öffnen, der wahrhaft stark ist. Durch die Tür der Schwachheit tritt also das Heil Gottes ein (vgl. 2 Kor 12,10); kraft der eigenen Unzulänglichkeit öffnet der Mensch sich gegenüber der Vaterschaft Gottes. Die Freiheit des Menschen entsteht daraus, dass man den wahren Gott den einzigen Herrn sein lässt. Und das lässt uns die eigene Schwäche annehmen und die Götzen unseres Herzens ablehnen.

 

Wir Christen wenden den Blick dem gekreuzigten Christus zu (vgl. Joh 19,37), der schwach, verachtet und allen Besitzes beraubt ist. In ihm offenbart sich jedoch das Antlitz des wahren Gottes: die Herrlichkeit der Liebe und nicht die der glitzernden Täuschung. Jesaja sagt: »Durch seine Wunden sind wir geheilt« (53,5). Wir sind geheilt durch die Schwachheit eines Menschen, der Gott war, durch seine Wunden. Und durch unsere Schwächen können wir uns öffnen für das Heil Gottes. Unsere Heilung kommt vom ihm, der arm wurde, der das Scheitern angenommen hat, der bis ins Tiefste unsere Unsicherheit angenommen hat, um sie mit Liebe und Kraft zu füllen. Er kommt, um uns die Vaterschaft Gottes zu offenbaren; in Christus ist unsere Schwachheit kein Fluch mehr, sondern ein Ort der Begegnung mit dem Vater und Quelle einer neuen Kraft aus der Höhe.

 

* * *

 

Gerne heiße ich die Pilger aus den Ländern deutscher Sprache willkommen. Diese Urlaubszeit lädt uns ein, die Schönheit der Schöpfung Gottes zu bewundern und im Gebet unsere Beziehung zum Herrn wachsen zu lassen. Gott allein kann den Wünschen unseres Herzens echte Tiefe schenken. Der Heilige Geist erfülle euch mit seiner Freude. Schönen Aufenthalt in Rom.

 

  

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 01.08.2018

  

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

 

Wir haben das erste Gebot des Dekalogs gehört: »Du sollst neben mir keine anderen Götter haben« (Ex 20,3). Es ist gut, über das Thema des Götzendienstes zu sprechen, das von großer Tragweite und Aktualität ist. Das Gebot verbietet, Götzen[1] oder Bilder[2] jeglicher Gestalt herzustellen:  [3] Denn alles kann als Götze gebraucht werden. Es geht um eine menschliche Neigung, die weder Gläubige noch Atheisten verschont. Wir Christen können uns zum Beispiel fragen: Was ist wirklich mein Gott? Ist es die dreieinige Liebe, oder ist es mein Bild, mein persönlicher Erfolg, vielleicht sogar innerhalb der Kirche? »Götzendienst kommt nicht nur in den falschen Kulten des Heidentums vor. Er bleibt auch für den Glauben eine beständige Versuchung. Es ist Götzendienst, wenn der Mensch anstelle Gottes etwas Geschaffenes ehrt und verehrt« (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2113).

 

Was ist ein »Gott« auf existentieller Ebene? Es ist das, was im Mittelpunkt des eigenen Lebens steht und von dem das abhängt, was man tut und denkt.[4] Man kann in einer nominell christlichen Familie aufwachsen, die aber in Wirklichkeit auf Bezugspunkte ausgerichtet ist, die dem Evangelium fremd sind.[5] Der Mensch lebt nicht, ohne sich auf etwas auszurichten. Daher bietet die Welt den »Supermarkt« der Götzen an, die Gegenstände, Bilder, Ideen, Rollen sein können.

 

Zum Beispiel auch das Gebet. Wir sollen zu Gott, unserem Vater, beten. Ich erinnere mich, dass ich einmal in eine Pfarrei in der Diözese Buenos Aires gegangen bin, um eine heilige Messe zu feiern, und anschließend die Firmungen in einer anderen Pfarrei vornehmen sollte, die einen Kilometer entfernt lag. Ich ging zu Fuß dorthin und kam durch einen schönen Park. Aber in dem Park standen über 50 kleine Tische, an denen jeweils zwei Stühle standen, und die Menschen saßen einander gegenüber. Was geschah dort? Es wurden Tarotkarten gelegt. Sie gingen dorthin, um zum Götzen zu »beten«. Anstatt zu Gott zu beten, der die Vorsehung der Zukunft ist, gingen sie dorthin, um sich die Karten lesen zu lassen und in die Zukunft zu schauen. Das ist ein Götzendienst unserer Zeit. Ich frage euch: Wie viele von euch haben sich schon die Karten legen lassen, um in die Zukunft zu schauen? Wie viele von euch haben sich zum Beispiel die Hand lesen lassen, um in die Zukunft zu schauen, statt zum Herrn zu beten? Das ist der Unterschied: Der Herr lebt; die anderen sind Götzen, ein Götzendienst, der zu nichts nütze ist.

 

Wie entwickelt sich ein Götzendienst? Das Gebot beschreibt die einzelnen Phasen: »Du sollst dir kein Kultbild machen und keine Gestalt […]. Du sollst dich nicht vor ihnen niederwerfen und ihnen nicht dienen« (Ex 20,4-5). Das Wort »Götze« kommt im Griechischen vom Verb »sehen «.[6] Ein Götze ist eine »Vision«, die zu einer fixen Idee, einer Besessenheit wird. Der Götze ist in Wirklichkeit eine Projektion der eigenen Person auf Gegenstände oder Pläne. Dieser Dynamik bedient sich zum Beispiel die Werbung: Ich sehe nicht den Gegenstand an sich, sondern ich nehme jenes Auto, jenes Smartphone, jene Rolle – oder andere Dinge – als Mittel wahr, mich selbst zu verwirklichen und meine Grundbedürfnisse zu erfüllen. Und ich strebe danach, spreche darüber, denke daran. Die Vorstellung, jenen Gegenstand zu besitzen, jenen Plan zu verwirklichen oder jene Position zu erlangen, scheint ein wunderbarer Weg zum Glück zu sein: ein Turm, um zum Himmel zu gelangen (vgl. Gen 11,1-9), und alles wird diesem Ziel untergeordnet.

 

Dann tritt man in die zweite Phase ein: »Du sollst dich nicht vor ihnen niederwerfen.« Götzen fordern einen Kult, Rituale; man wirft sich vor ihnen nieder und opfert ihnen alles. In der Antike wurden den Götzen Menschenopfer dargebracht, aber auch heute: Der Karriere werden die Kinder geopfert, indem man sie vernachlässigt oder einfach nicht in die Welt setzt. Die Schönheit fordert menschliche Opfer. Wie viele Stunden verbringen Menschen vor dem Spiegel! Wie viel geben gewisse Menschen, gewisse Frauen aus, um sich zu schminken? Auch das ist ein Götzendienst.

 

Es ist nicht schlecht, sich zu schminken; aber es muss auf normale Weise geschehen, nicht um zu einer Göttin zu werden. Die Schönheit verlangt Menschenopfer. Die Berühmtheit verlangt die Aufopferung seiner selbst, der eigenen Unschuld und Authentizität. Das Geld raubt das Leben, und der Genuss führt zur Einsamkeit. Die wirtschaftlichen Strukturen opfern Menschenleben für größere Gewinne. Denken wir an all die Menschen ohne Arbeit. Warum? Weil es manchmal geschieht, dass die Betreiber jenes Unternehmens, jener Firma beschlossen haben, Menschen zu entlassen, um mehr Geld zu verdienen.

 

Der Götze »Geld«. Man lebt in Heuchelei, tut und sagt das, was die anderen erwarten, weil der Gott des eigenen Erfolgs es auferlegt. Und man zerstört Leben, man zerstört Familien, und man überlässt junge Menschen den Fängen zerstörerischer Modelle, nur um den Profit zu mehren. Auch die Drogen sind ein Götze. Wie viele junge Menschen zerstören ihre Gesundheit oder sogar ihr Leben, indem sie den Götzen »Droge« anbeten. Hier beginnt die dritte und noch tragischere Phase: »…und ihnen nicht dienen«, heißt es. Die Götzen versklaven. Sie versprechen Glück, aber schenken es nicht; und wieder lebt man für jene Sache oder jene Vision, gefangen in einem selbstzerstörerischen Abgrund, in Erwartung eines Ergebnisses, das nie eintritt.

 

Liebe Brüder und Schwestern, die Götzen versprechen Leben, aber in Wirklichkeit nehmen sie es weg. Der wahre Gott verlangt das Leben nicht, sondern er gibt es, schenkt es. Der wahre Gott bietet keine Projektion unseres Erfolgs an, sondern lehrt zu lieben. Der wahre Gott fordert keine Kinder, sondern er schenkt seinen Sohn für uns hin. Die Götzen projizieren Zukunftsträume und lassen uns die Gegenwart verachten. Der wahre Gott lehrt, jeden Tag in der Wirklichkeit, im Konkreten zu leben, nicht mit Illusionen über die Zukunft: heute und morgen und übermorgen unterwegs in die Zukunft. Die Konkretheit des wahren Gottes gegen die Flüchtigkeit der Götzen. Ich lade euch heute ein, darüber nachzudenken: Wie viele Götzen habe ich oder was ist mein Lieblingsgötze? Denn den eigenen Götzendienst zu erkennen ist ein Beginn der Gnade und bringt uns auf den Weg der Liebe. Die Liebe ist mit dem Götzendienst nämlich unvereinbar: Wenn etwas absolut und unantastbar wird, dann ist es wichtiger als ein Ehepartner, als ein Kind oder als eine Freundschaft. Das Hängen an einem Gegenstand oder an einer Idee macht blind für die Liebe. Und so verleugnen wir, um den Götzen, einem Götzen hinterherzulaufen, sogar den Vater, die Mutter, die Kinder, die Ehefrau, den Ehemann, die Familie…, die liebsten Dinge. Das Hängen an einem Gegenstand oder einer Idee macht blind für die Liebe. Tragt das im Herzen: Die Götzen rauben uns die Liebe, die Götzen machen uns blind für die Liebe, und um wirklich zu lieben, muss man frei sein von jedem Götzen. Wer oder was ist mein Götze? Nimm ihn weg und wirf ihn aus dem Fenster!

 

* * *

 

Einen herzlichen Gruß richte ich an die Pilger deutscher Sprache, besonders an die vielen Jugendlichen. Der Heilige Geist begleite euch in dieser Ferienzeit, damit ihr die Freude und den Frieden des Herrn zu allen bringen könnt, denen ihr auf euren Wegen begegnet. Gott segne euch und eure Familien! 

 

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 31.07.2018

  

Liebe Ministranten, guten Abend!

 

Es freut mich, euch so zahlreich hier auf dem Petersplatz zu sehen, der mit den Farben eurer Fahnen geschmückt ist. Ich hatte auch die Freude, euch bereits gegen Mittag zu sehen. Bei dieser Hitze! Ihr habt Mut! Bravo! Ihr habt mir die Abzeichen eurer Wallfahrt überreicht: herzlichen Dank dafür! Gemeinsam mit euch, die ihr aus vielen Ländern der Welt kommt, bin ich Pilger. Wir sind im Glauben an Jesus Christus vereint. Wir sind mit ihm, der unser Friede ist, auf dem Weg. Ich danke eurem Präsidenten, Bischof Nemet, für die Worte, die er in eurem Namen zur Begrüßung an mich gerichtet hat. Er hat mich gebeten, euch zu ermutigen. Er hat mich gebeten: »Ermutigen Sie sie, Heiliger Vater!« Ich muss euch ermutigen. Daher überlasse ich euch den Platz, und ihr stellt die Fragen.

 

 

FRAGEN DER JUGENDLICHEN UND ANTWORTEN DES HEILIGEN VATERS

 

 

[Frage aus Luxemburg auf Französisch]

 

Heiliger Vater, als Ministranten und Glaubende schenken wir einander beim Friedensgruß in der heiligen Messe den Frieden. Wie können wir dazu beitragen, dass dieser Friede auch aus den Mauern unserer Kirchen heraustritt und wir so Erbauer des Friedens sein können in unseren Gemeinden, in unseren Ländern, in unseren Familien und in der Welt?

 

Papst Franziskus:

 

Danke! Du hast sehr richtig gesagt: Der Friede und die heilige Messe gehören zusammen. Vor dem Friedensgruß bitten wir den Herrn, der Gemeinschaft der Kirche Frieden und Einheit zu schenken. Der Friede ist sein Geschenk, das uns verwandelt, damit wir als Glieder seines Leibes dieselbe Gesinnung haben können wie Jesus, damit wir so denken können, wie er denkt – dieselbe Gesinnung wie Jesus, denken wie Jesus denkt! –, lieben, wie er liebt. Das schenkt Frieden. Und am Schluss der Messe werden wir mit dem Wort ausgesandt: »Gehet hin in Frieden!«, das heißt: Nehmt den Frieden mit euch, um ihn den anderen zu geben, ihn mit eurem Leben, mit dem Lächeln, mit den Werken der Nächstenliebe weiterzugeben. Der konkrete Einsatz für den Frieden ist der Beweis dafür, dass wir wirklich Jünger Jesu sind. Die Suche nach Frieden beginnt bei den kleinen Dingen. Zum Beispiel zu Hause: Verschließe ich mich nach einem Streit unter Geschwistern – so frage ich –, indem ich den Beleidigten spiele, oder versuche ich, einen Schritt auf den anderen zuzugehen? Weiß ich mit kleinen Gesten Frieden zu schließen? Bin ich bereit, mich in jeder Situation zu fragen: »Was würde Jesus an meiner Stelle tun?« Wenn wir das tun und uns bemühen, das entschieden in die Tat umzusetzen, dann werden wir den Frieden Christi in das alltägliche Leben bringen und Erbauer und Werkzeuge des Friedens sein. Danke.

 

[Frage aus Portugal auf Portugiesisch]

 

Heiliger Vater, wir sind Ministranten, wir dienen dem Herrn am Altar und betrachten ihn in der Eucharistie. Wie können wir konkret nach dem Beispiel Marias die geistliche Betrachtung und nach dem Vorbild Martas den praktischen Dienst leben und dabei versuchen zu erkennen, was Jesus in unserem Leben von uns will?

 

Papst Franziskus:

 

Als Ministranten macht ihr in der Tat ein wenig die Erfahrung von Marta und Maria. Es ist schön, wenn ihr über eure Dienste bei der Liturgie hinaus euch einerseits im Leben der Pfarrei zu engagieren wisst und andererseits in Stille in der Gegenwart des Herrn verweilen könnt – beides. Und so, in dieser Verknüpfung von Aktion und Kontemplation, erkennt man auch den Plan Gottes für uns. Man sieht, welche Talente und Interessen Gott uns ins Herz legt und wie wir sie entfalten können. Aber vor allem stellt man sich demütig vor Gott, so wie man ist – so wie wir sind, ohne uns zu schminken, zu verkleiden; so wie wir sind, stellen wir uns vor Gott, mit unseren Vorzügen und Grenzen, und fragen ihn, wie wir ihm und unserem Nächsten am besten dienen können. Habt keine Angst, einen guten Rat zu erbitten, wenn ihr euch fragt, wie ihr Gott und den Menschen, die in der Welt Hilfe brauchen, dienen könnt. Denkt daran: Je mehr ihr euch an die anderen verschenkt, desto mehr werdet ihr selbst in Fülle empfangen und glücklich sein! Danke.

 

[Frage aus Antigua und Barbuda auf Englisch]

 

Heiliger Vater, als Ministranten macht es uns traurig, wenn wir sehen, wie wenige unserer Altersgenossen an der heiligen Messe und am Pfarreileben teilnehmen. In einigen Ländern verliert die Kirche aus unterschiedlichen Gründen rapide viele Jugendliche. Wie können wir und unsere Gemeinden sie erreichen und dafür sorgen, dass sie zu Christus und zur Familie der Kirche zurückkehren?

 

Papst Franziskus:

 

Heute könnt ihr als Jugendliche Apostel sein, die andere zu Jesus bringen. Das geschieht, wenn ihr selbst voller Begeisterung für ihn, für Jesus, seid; wenn ihr ihm begegnet seid, ihn persönlich kennt und wenn ihr als erste von ihm »ergriffen« worden seid. Daher sage ich euch: Bemüht euch, Jesus, den Herrn immer besser kennenzulernen und immer mehr zu lieben! Ich möchte es wiederholen: Bemüht euch, Jesus, den Herrn immer besser kennenzulernen und immer mehr zu lieben, indem ihr ihm im Gebet, in der Messe, beim Lesen des Evangeliums, im Antlitz der Kleinen und Armen begegnet. Und bemüht euch, ganz ohne Eigennutz Freunde der Menschen eurer Umgebung zu sein, damit ein Strahl des Lichtes Jesu durch euer für ihn begeistertes Herz zu ihnen gelangen kann. Liebe Jungen und Mädchen, es sind nicht viele Worte nötig. Wichtiger sind Taten, die Nähe, das Dienen, das stille Verweilen vor dem Allerheiligsten Sakrament. Die jungen Menschen brauchen – wie übrigens alle – Freunde, die ein gutes Beispiel geben, die handeln, ohne etwas zu verlangen, ohne sich etwas als Gegenleistung zu erwarten. Und auf diese Weise lasst ihr die anderen spüren, wie schön die Gemeinschaft der Gläubigen ist, weil der Herr mitten unter ihnen wohnt, und wie schön es ist, Teil der Familie der Kirche zu sein. Danke.

 

[Frage aus Deutschland auf Deutsch]

 

Heiliger Vater, viele Menschen sagen, sie brauchen Gott, Religion und Kirche nicht in ihrem Leben. Warum sollte man sich gerade für den katholischen Glauben entscheiden, was ist das wichtigste dabei? Und warum ist der Glaube für Sie so wichtig?

 

Papst Franziskus:

 

Der Glaube ist wesentlich, der Glaube lässt mich leben. Ich würde sagen, dass der Glaube wie die Luft ist, die wir atmen. Wir denken nicht bei jedem Atemzug daran, wie notwendig die Luft ist, aber wenn sie fehlt oder nicht sauber ist, dann merken wir, wie wichtig sie ist! Der Glaube hilft uns, den Sinn des Lebens zu begreifen: Es gibt jemanden, der uns unendlich liebt, und dieser Jemand ist Gott. Er liebt uns unendlich. Wir können Gott als unseren Schöpfer und Retter erkennen. Wir können Gott lieben und unser Leben als sein Geschenk annehmen. Gott will in eine lebendige Beziehung zu uns treten, er möchte Beziehungen schaffen. Und wir sind aufgerufen, unsererseits dasselbe zu tun. Wir können nicht an Gott glauben und zugleich denken, wir wären Einzelkinder! Der eine einzige Sohn, den Gott hat, ist Jesus. Einzig, weil er Gott ist. Aber unter den Menschen gibt es keine Einzelkinder Gottes. Denkt daran! Wir alle sind Kinder Gottes. Wir sind aufgerufen, die Familie Gottes zu bilden, das heißt die Kirche, die Gemeinschaft der Brüder und Schwestern in Christus – wir sind »Hausgenossen Gottes«, wie der heilige Paulus sagt (vgl. Eph 2,19). Und in dieser Familie der Kirche nährt der Herr seine Kinder mit seinem Wort und seinen Sakramenten. Danke.

 

[Frage aus Serbien auf Ungarisch]

 

Heiliger Vater, unser Ministrantendienst ist schön, er gefällt uns sehr. Wir möchten dem Herrn und dem Nächsten dienen. Aber es ist nicht immer leicht, das Gute zu tun, wir sind noch keine Heiligen. Wie können wir im Alltag unseren Dienst in ganz konkrete Werke der Nächstenliebe umsetzen und zu einem Weg zur Heiligkeit machen?

 

Papst Franziskus:

 

Ja, Anstrengung ist notwendig, um immer das Gute zu tun und heilig zu werden… Weißt du, der Weg zur Heiligkeit ist nichts für Faulpelze: Er verlangt Anstrengung. Ich sehe, dass ihr Ministranten euch auf diesem Weg engagiert. Jesus, der Herr, hat uns ein einfaches Programm gegeben, um den Weg zur Heiligkeit zu gehen: das Gebot, Gott und den Nächsten zu lieben. Bemühen wir uns, in der Freundschaft zu Gott fest verwurzelt zu sein, in Dankbarkeit für seine Liebe und mit dem Wunsch, ihm in allem zu dienen, und so können wir nicht anders, als die Gabe seiner Liebe mit den anderen Menschen zu teilen. Und um das Gebot der Liebe konkreter zu machen, hat uns Jesus die Werke der Barmherzigkeit gezeigt. Ich würde hier gerne fragen, ob ihr alle die Werke der Barmherzigkeit kennt. Ich bin mir sicher, dass eure Bischöfe sie euch gelehrt haben. Aber, ihr kennt sie sicher, welche sind die Werke der Barmherzigkeit? Wenn ihr sie nicht kennt, wie könnt ihr sie dann tun? Das ist wichtig: die Werke der Barmherzigkeit. Sie sind ein anspruchsvoller Weg, der aber für alle erreichbar ist. Um ein Werk der Barmherzigkeit zu vollbringen, muss man nicht zur Universität gehen, kein Diplom haben. Alle, wirklich wir alle können Werke der Barmherzigkeit tun. Sie sind für alle erreichbar. Es reicht, dass ein jeder von uns anfängt, sich zu fragen: »Was kann ich heute tun, um meinem Nächsten in seinen Bedürfnissen zu helfen?« Diesem konkreten Nächsten: meinen Geschwistern, meinem Vater, der Mutter, den Großeltern, meinen Freunden, den Armen, den Kranken … – nur einem einzigen, einem am Tag. Was kann ich tun, um meinem Nächsten in seinen Bedürfnissen zu helfen? Und es ist unwichtig, ob es ein Freund oder ein Unbekannter ist, ein Landsmann oder ein Fremder: er ist der Nächste. Glaubt mir, wenn ihr das tut, könnt ihr wahrhaft heilig werden, zu Männern und Frauen werden, die die Welt verändern, indem sie die Liebe Christi leben. Es stimmt, das ist nicht leicht, es ist anstrengend. Aber denkt daran, ich sage es noch einmal: Der Weg zur Heiligkeit ist nichts für Faulpelze.

 

Danke für dieses Gespräch!

 

 

 

PREDIGT DES HEILIGEN VATERS

 

 

»Tut alles zur Verherrlichung Gottes!« (1 Kor 10,31), dazu ermuntert uns der heilige Paulus in der eben gehörten Lesung. Der Verherrlichung Gottes in allem zu dienen, was wir tun, ist das entscheidende Kriterium für unser Handeln, die kürzeste Zusammenfassung dessen, was es bedeutet, die Freundschaft mit Jesus zu leben. Es ist der Wegweiser, der uns Orientierung gibt, wenn wir nicht sicher sind, was das Richtige zu tun ist. Es hilft uns, in unserem Inneren die Stimme Gottes zu vernehmen, der im Gewissen zu uns spricht, damit wir seinen Willen erkennen können. Die Verherrlichung Gottes ist die Kompassnadel für unser Gewissen.

 

Der heilige Paulus spricht von einem weiteren Kriterium: sich bemühen, allen in allem entgegenzukommen, damit sie gerettet werden (vgl. 1 Kor 10,33). Wir alle sind Kinder Gottes; wir haben dieselben Wünsche, Träume und Ideale. Zuweilen ist jemand enttäuscht, und wir sind diejenigen, die das Licht wieder entzünden, ein wenig gute Laune vermitteln können. So ist es leichter, gut miteinander auszukommen und im alltäglichen Leben die Liebe Gottes und die Freude des Glaubens zu bezeugen. Es hängt von der Stimmigkeit unseres Lebens ab, ob unsere Brüder und Schwestern Jesus Christus erkennen, den einzigen Erlöser und die Hoffnung der Welt.

 

Vielleicht fragt ihr euch: »Wie kann ich das tun? Ist das nicht eine zu schwierige Aufgabe für mich?« Es ist wahr, das ist eine anspruchsvolle Mission, aber sie ist möglich. Wieder ist es der heilige Paulus, der uns ermutigt: »Nehmt mich zum Vorbild, wie ich Christus zum Vorbild nehme!« (1 Kor 11,1). Ja, wir können diese Mission leben, wenn wir Jesus nachahmen, wie dies der Apostel Paulus und alle Heiligen getan haben. Blicken wir auf die Heiligen, sie sind das gelebte Evangelium, weil sie die Botschaft Christi in das eigene Leben zu übersetzen wussten. Der heutige Tagesheilige Ignatius von Loyola, der als junger Soldat an den eigenen Ruhm dachte, wurde im geeigneten Moment von der Verherrlichung Gottes angezogen und hat entdeckt, dass darin der Mittelpunkt und der Sinn des Lebens besteht. Ahmen wir die Heiligen nach! Tun wir alles zur Verherrlichung Gottes und für das Heil unserer Brüder und Schwestern! Aber passt auf und denkt daran: Auf diesem Weg der Nachfolge der Heiligen, auf diesem Weg der Heiligkeit, ist kein Platz für junge Faulpelze! Danke.

 

  

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 27.06.2018

  

Liebe Brüder und Schwestern, 

guten Tag!

 

Die heutige Audienz wird wie am vergangenen Mittwoch ablaufen. In der »Aula Paolo VI« sind viele kranke Menschen. Sie sind dort, damit sie vor der Hitze geschützt sind und es bequemer haben. Sie werden die Audienz jedoch über den Großbildschirm verfolgen und auch wir mit ihnen: Es gibt also keine zwei Audienzen. Es gibt nur eine. Grüßen wir die Kranken in der »Aula Paolo VI«.

 

Wir wollen fortfahren, über die Gebote zu sprechen, die, wie gesagt, nicht so sehr Gebote, sondern vielmehr Worte Gottes an sein Volk sind, um ihm auf seinem Weg zu helfen; liebevolle Worte eines Vaters. Die zehn Worte beginnen so: »Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus dem Land Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus« (Ex 20,2). Dieser Anfang scheint nichts mit den eigentlichen Gesetzen zu tun zu haben, die dann folgen. Aber es ist nicht so.

 

Warum gibt es diese Erklärung, die Gott über sich selbst und über die Befreiung macht? Weil man am Berg Sinai ankommt, nachdem man durch das Rote Meer gezogen ist: Der Gott Israels rettet erst, und dann bittet er um Vertrauen.[1] Anders ausgedrückt: Der Dekalog beginnt bei der Großherzigkeit Gottes. Gott bittet nie, ohne vorher zu geben. Nie. Erst rettet er, erst gibt er, dann bittet er. So ist unser Vater, der gute Gott.

 

Und wir verstehen die große Bedeutung der ersten Erklärung: »Ich bin der Herr, dein Gott.« Es gibt ein besitzanzeigendes Fürwort, es gibt eine Beziehung, man gehört zueinander. Gott ist kein Fremder: Er ist dein Gott.[2] Das erleuchtet den ganzen Dekalog und offenbart auch das Geheimnis des christlichen Handelns, denn es ist dieselbe Haltung Jesu, der sagt: »Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt« (Joh 15,9). Christus ist der geliebte Sohn des Vaters, und er liebt uns mit derselben Liebe. Er geht nicht von sich aus, sondern vom Vater. Oft scheitern unsere Werke, weil wir von uns selbst ausgehen und nicht von der Dankbarkeit. Und wer von sich selbst ausgeht, wo kommt der an? Er kommt bei sich selbst an! Er ist unfähig voranzukommen, sondern kehrt zu sich selbst zurück. Es ist genau jene egoistische Haltung, von der die Leute scherzhaft sagen: »Dieser Mensch ist ein Ich, mir, mit mir und für mich.« Er geht von sich selbst aus und kehrt zu sich selbst zurück. Das christliche Leben ist vor allem die dankbare Antwort an einen großherzigen Vater. Die Christen, die nur »Pflichten« erfüllen, zeigen an, dass sie keine persönliche Erfahrung haben mit jenem Gott, der »unser« ist. Ich muss das und das und das tun… Nur Pflichten. Aber dir fehlt etwas!

 

Was ist die Grundlage dieser Pflicht? Die Grundlage dieser Pflicht ist die Liebe Gottes, des Vaters, der erst gibt und dann gebietet. Das Gesetz vor die Beziehung zu stellen hilft dem Glaubensweg nicht. Wie kann ein Jugendlicher sich wünschen, Christ zu sein, wenn wir bei Pflichten, Aufgaben, Konsequenz beginnen und nicht bei der Befreiung? Christ zu sein ist doch ein Weg der Befreiung! Die Gebote befreien dich von deinem Egoismus, und sie befreien dich, weil die Liebe Gottes dich voranbringt. Die christliche Unterweisung gründet nicht auf der Willenskraft, sondern auf der Annahme des Heils – darauf, sich lieben zu lassen: erst das Rote Meer, dann der Berg Sinai. Zuerst das Heil: Gott rettet sein Volk im Roten Meer; dann sagt er ihm auf dem Sinai, was es tun soll. Aber jenes Volk weiß, dass es diese Dinge tut, weil es von einem Vater gerettet wurde, der es liebt. Die Dankbarkeit ist ein Wesenszug des Herzens, das vom Heiligen Geist besucht wurde; um Gott zu gehorchen, muss man vor allem seiner Wohltaten gedenken. Der heilige Basilius sagt: »Wer diese Wohltaten nicht vergisst, der wendet sich der guten Tugend und jedem Werk der Gerechtigkeit zu« (Regulae brevius tractatae, 56).

 

Wohin führt uns all das? Dazu, uns in Erinnerung zu üben:[3]Wie viele schöne Dinge hat Gott für jeden von uns getan! Wie großherzig ist unser himmlischer Vater! Jetzt möchte ich euch eine kleine Übung vorschlagen, in der Stille, jeder möge in seinem Herzen antworten. Wie viele schöne Dinge hat Gott für mich getan? Das ist die Frage. In der Stille möge jeder von uns antworten. Wie viele schöne Dinge hat Gott für mich getan? Das ist die Befreiung Gottes. Gott tut viele schöne Dinge und befreit uns. Jemand könnte jedoch spüren, dass er noch keine echte Erfahrung mit der Befreiung Gottes gemacht hat. Das kann passieren. Es könnte sein, dass man in sich selbst hineinschaut und dort nur Pflichtgefühl findet, eine Spiritualität von Sklaven und nicht von Kindern. Was kann man in diesem Fall tun? Das, was das auswählte Volk getan hat.

 

Im Buch Exodus heißt es: »Die Israeliten stöhnten noch unter der Sklavenarbeit; sie klagten und ihr Hilferuf stieg aus ihrem Sklavendasein zu Gott empor. Gott hörte ihr Stöhnen und Gott gedachte seines Bundes mit Abraham, Isaak und Jakob. Gott blickte auf die Israeliten. Gott hatte es wahrgenommen « (Ex 2,23-25). Gott denkt an mich. Das befreiende Handeln Gottes, das an den Beginn des Dekalogs – also der Gebote – gestellt wird, ist die Antwort auf diese Klage. Wir retten uns nicht allein, aber von uns kann ein Hilferuf ausgehen: »Herr, rette mich; Herr, weise mir den Weg; Herr, liebkose mich; Herr, schenk mir ein wenig Freude.« Das ist ein Ruf, der um Hilfe bittet.

 

Das ist unsere Aufgabe: darum zu bitten, vom Egoismus, von der Sünde, von den Ketten der Sklaverei befreit zu werden. Dieser Ruf ist wichtig, er ist Gebet, er ist Bewusstsein dessen, was in uns noch unterdrückt und nicht befreit ist. Es gibt viele nicht befreite Dinge in unserer Seele. »Rette mich, hilf mir, befreie mich.« Das ist ein schönes Gebet zum Herrn. Gott wartet auf diesen Ruf, weil er unsere Ketten zerbrechen will; Gott hat uns nicht ins Leben gerufen, um unterdrückt zu bleiben, sondern um frei zu sein, in Dankbarkeit zu leben und mit Freude ihm zu gehorchen, der uns so viel gegeben hat, unendlich viel mehr als wir ihm jemals geben könnten. Das ist schön. Gott sei stets gepriesen für alles, was er in uns vollbracht hat, vollbringt und vollbringen wird! 

 

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 20.06.2018

  

Liebe Brüder und Schwestern, die Zehn Gebote stehen in der Bibel nicht für sich allein, sondern sind Teil einer Beziehung, nämlich des Bundes Gottes mit seinem Volk. Deswegen nennt die Heilige Schrift sie Dekalog – zehn Worte. Das Gebot ist eine bloße Mitteilung, das Wort hingegen das wesentliche Mittel der Beziehung als Dialog. Gott spricht zu seinem Volk, er will einen Dialog aus Liebe. Von jeher, wie auch die Erzählung vom Sündenfall im Buch Genesis deutlich macht, steht der Mensch vor diesem Scheideweg: Ist Gott jemand, der mir die Dinge auferlegt oder der für mich Sorge trägt? Sind seine Gebote allein Gesetz oder sein Wort für mich? Ist er Herrscher oder Vater, sind wir Untertanen oder Kinder? In diesem innerlichen und äußerlichen Ringen müssen wir uns unentwegt zwischen dem Denken als Sklaven oder als Kinder entscheiden. Der Heilige Geist ist ein Geist der Kindschaft. Ein Geist als Sklaven kann das Gesetz nur als Unterdrückung annehmen mit zwei gegensätzlichen Ergebnissen: ein Leben unter Pflichten und Zwängen oder eine gewaltsame Haltung der Ablehnung. Das Christentum als Ganzes ist hingegen der Übergang vom Buchstaben des Gesetzes zum Geist, der lebendig macht (vgl. 2 Kor 3,6). 

 

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 13.06.2018

  

Liebe Brüder und Schwestern, heute wollen wir uns auf eine neue Katechesenreihe zu den Zehn Geboten einstimmen und mit der Frage unserer Sehnsucht nach einem  Leben in Fülle auseinandersetzen. Wir Menschen, gerade die jungen unter uns, suchen das wahre „Leben“, zerstören es dabei aber oft mit kurzfristigen Freuden. Manche unterdrücken aber auch diese Sehnsucht und geben sich den gefährlichen Feinden der Mittelmäßigkeit und des Kleinmuts hin. Wir alle und in besonderer Weise die jungen Menschen sollen von Gott eine gesunde Unruhe erbitten, die nach dem wirklichen Leben hungert. Im soeben gehörten Abschnitt des  Markusevangeliums (10,17-21) weist Jesus einem Mann den Weg der Fülle. Dieser befolgt bereits die Zehn Gebote. Aber es geht um mehr. Es geht um die Fülle. Jesus, der nicht gekommen ist, das Gesetz und die Propheten aufzuheben, sondern sie zu erfüllen (vgl. Mt 5,17), macht uns Mut, uns nach dem, was uns noch fehlt, auszustrecken. Er selbst wird die Erfüllung schenken. Dabei geht es nicht darum, etwas zu verlieren, sondern das Große, den himmlischen Schatz zu gewinnen. Lasst uns zu reifen Christen werden, die ihre Begrenztheit erkennen und das Verlangen haben, den Weg zur Fülle des Lebens zu gehen, den Christus uns zeigt.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 06.06.2018

  

Liebe Brüder und Schwestern, in der heutigen Katechese wollen wir die Wirkungen des Sakraments der Firmung betrachten. Die Firmung verbindet die Getauften stärker miteinander als lebendige Glieder des mystischen Leibs der Kirche. Die Gabe des Heiligen Geistes lässt das „Ich“ der Gefirmten reifen, auf dass sie immer mehr für das „Wir“ der christlichen Gemeinschaft und für das Wohl der Gesellschaft leben. Die Kirche ist wie ein lebendiger Organismus, der sich aus Menschen zusammensetzt, die gemeinsam auf dem Weg sind. Diese Gemeinschaft der Teilkirche wird vom Bischof als Nachfolger der Apostel geführt. Entsprechend werden die Neugefirmten von ihm oder seinem Beauftragten als aktive Glieder der Teilkirche aufgenommen. Jedem Firmling gibt der Bischof den Friedensgruß. Der Zuspruch des Friedens ist zugleich ein Auftrag, Einheit zu suchen, andere einzubeziehen und keinen auszuschließen, nur weil er von uns verschieden ist. Die Firmung empfangen wir nur einmal, doch die Dynamik des Heiligen Geistes wirkt ständig in uns fort. Es bedarf aber auch unserer Beständigkeit. Keiner erhält die Firmung nur für sich allein sondern dazu, um am geistlichen Wachstum der anderen und der ganzen Kirche mitzuwirken. Die Firmung ist eine Stärkung, um aus sich herauszugehen und sein Leben für die Gemeinschaft einzusetzen.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 30.05.2018

  

Liebe Brüder und Schwestern, der innere Zusammenhang der Firmung mit der gesamten christlichen Initiation wird besonders deutlich durch die Erneuerung des Taufversprechens. Die Firmkandidaten bekräftigen ihr Bekenntnis zum Glauben der Kirche, ehe sie durch Handauflegung und Salbung die Fülle der Gaben des Heiligen Geistes empfangen, der die Taufgnade festigt und stärkt. Wie schon zur Zeit der Apostel wird der Heilige Geist durch das Auflegen der Hände mitgeteilt. Dazu kommt die Salbung mit wohlriechendem Öl, dem Chrisam. Der Bischof salbt den Firmling auf der Stirn und spricht: „Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist.“ Die Salbung bringt zum Ausdruck, dass der Geist den Christen heiligt und durchdringt und mit seinen Gaben, den Charismen, ziert. Der Heilige Geist ist das unsichtbare Geschenk und der Chrisam dessen sichtbares Siegel. Es ist Kennzeichen dafür, dass der Christ zum Herrn gehört und Gott ihm als Anteil am verheißenen Heil den Geist ins Herz gegeben hat (vgl. 2 Kor 1,22). Der Gefirmte empfängt ein unauslöschliches geistliches Prägemal, den „Charakter“, das ihn noch vollkommener Christus gleichgestaltet und ihm die Gnade schenkt, Christi Wohlgeruch unter den Menschen zu verbreiten (vgl. 2 Kor 2,15). 

 

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 23.05.2018

  

 

Liebe Brüder und Schwestern,

guten Tag!

 

Nach den Katechesen über die Taufe laden diese Tage, die auf das Hochfest Pfingsten folgen, uns ein, über das Zeugnis nachzudenken, das der Heilige Geist bei den Getauften erweckt, indem er ihr Leben in Bewegung bringt und es zum Wohl der anderen hin öffnet. Seinen Jüngern hat Jesus eine große Mission anvertraut: »Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt« (vgl. Mt 5,13-16). Diese Bilder lassen uns an unser Verhalten denken, denn sowohl der Mangel als auch das Übermaß an Salz machen die Nahrung ungenießbar, ebenso wie der Mangel oder das Übermaß an Licht das Sehen verhindern. Wer uns wirklich zu Salz machen kann, das Geschmack verleiht und vor dem Verderben bewahrt, und zu Licht, das die Welt erleuchtet, ist nur der Geist Christi! Und das ist das Geschenk, das wir im Sakrament der Firmung oder Chrismation empfangen, über das ich mit euch nachdenken möchte.

 

Es heißt »Firmung«, weil es die Taufe bestätigt und ihre Gnade stärkt (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 1289), und auch »Chrismation« aufgrund der Tatsache, dass wir den Heiligen Geist durch die Salbung mit dem »Chrisam« empfangen: mit wohlriechendem Balsam vermischtes Öl, das vom Bischof geweiht ist. Dieser Begriff verweist auf »Christus«, den mit dem Heiligen Geist Gesalbten.

 

Zum göttlichen Leben neu geboren zu werden ist der erste Schritt; dann muss man sich als Kinder Gottes verhalten, also Christus gleichförmig werden, der in der heiligen Kirche wirkt, und sich in seine Mission in der Welt hineinnehmen lassen. Dafür sorgt die Salbung des Heiligen Geistes: »Ohne dein lebendig Wehn kann im Menschen nichts bestehn« (Pfingstsequenz). Ohne die Kraft des Heiligen Geistes können wir nichts vollbringen: Der Heilige Geist gibt uns die Kraft voranzugehen. So wie das ganze Leben Jesu vom Heiligen Geist beseelt war, so steht auch das Leben der Kirche und jedes ihrer Glieder unter der Führung desselben Geistes.

 

Empfangen von der Jungfrau Maria durch den Heiligen Geist, beginnt Jesus seine Mission, nachdem er aus dem Wasser des Jordans gestiegen ist und vom Geist gesalbt wird, der herabkommt und auf ihm bleibt (vgl. Mk 1,10; Joh 1,32). Er erklärt es ausdrücklich in der Synagoge von Nazaret: Es ist schön, wie Jesus sich vorstellt, was der »Personalausweis« Jesu in der Synagoge von Nazaret ist! Hören wir, wie er es tut: »Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn er hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe« (Lk 4,18). Jesus stellt sich in der Synagoge seines Heimatortes als der Gesalbte vor, als jener, dem vom Heiligen Geist gesalbt ist.

 

Jesus ist vom Heiligen Geist erfüllt, und er ist die Quelle des vom Vater verheißenen Geistes (vgl. Joh 15,26; Lk 24,49; Apg 1,8; 2,33). Tatsächlich haucht der Auferstandene am Abend des Paschafestes die Jünger an und sagt zu ihnen: »Empfangt den Heiligen Geist!« (Joh 20,22); und am Pfingsttag kommt die Kraft des Heiligen Geistes in wunderbarer Form auf die Apostel herab (vgl. Apg 2,1-4), wie wir wissen. Der »Atem« des auferstandenen Christus erfüllt die Lunge der Kirche mit Leben; und tatsächlich öffnen sich die Münder der »vom Heiligen Geist erfüllten« Jünger, um allen Gottes große Taten zu verkünden (vgl. Apg 2,1-11).

 

Das Pfingstfest – das wir am vergangenen Sonntag gefeiert haben – ist für die Kirche das, was für Christus die Salbung mit dem Heiligen Geist war, die er am Jordan empfangen hat: Das Pfingstfest ist der missionarische Impuls, das Leben hinzugeben für die Heiligung der Menschen, zur Ehre Gottes. Wenn in jedem Sakrament der Geist wirkt, so geschieht es in besonderer Weise in der Firmung, dass »die Gläubigen den Heiligen Geist als Geschenk empfangen« (Paul VI., Apostolische Konstitution Divinae consortium naturae).

 

Und in dem Augenblick, an dem er die Salbung vornimmt, sagt der Bischof dieses Wort: »Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist«: Er ist die große Gabe Gottes, der Heilige Geist. Und wir alle haben den Heiligen Geist in uns. Der Heilige Geist ist in unserem Herzen, in unserer Seele. Und der Heilige Geist führt uns im Leben, damit wir für die Menschen das rechte Maß Salz und das rechte Maß Licht werden.

 

Während bei der Taufe der Heilige Geist uns in Christus eintaucht, so ist es bei der Firmung Christus, der uns mit seinem Geist erfüllt und uns als seine Zeugen salbt, als Teilhaber am selben Prinzip des Lebens und der Mission, nach dem Plan des himmlischen Vaters. Das von den Gefirmten gegebene Zeugnis offenbart die Annahme des Heiligen Geistes und die Fügsamkeit gegenüber seiner schöpferischen Eingebung. Ich frage mich: Wie sieht man, dass wir die Gabe des Geistes empfangen haben? Wenn wir die Werke des Geistes tun, wenn wir mit Worten reden wie der Heilige Geist sie lehrt (vgl. 1 Kor 2,13). Das christliche Zeugnis besteht darin, nur das zu tun und alles zu tun, worum der Geist Christi uns bittet, der uns die Kraft verleiht, es zu vollbringen. 

 

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 16.05.2018

  

Liebe Brüder und Schwestern,

guten Tag!

 

Heute schließen wir die Katechesereihe über die Taufe ab. Die geistlichen Auswirkungen dieses Sakraments – für das Auge unsichtbar, aber wirksam im Herzen dessen, der zum neuen Geschöpf geworden ist – werden veranschaulicht durch die Übergabe des weißen Taufkleids und der brennenden Kerze. Nach dem Bad der Wiedergeburt, durch das der Mensch nach dem Bild Gottes in wahrer Heiligkeit neu erschaffen wird (vgl. Eph 4,24), schien es von den ersten Jahrhunderten an selbstverständlich, die Neugetauften in ein neues, strahlend weißes Gewand zu kleiden, als Zeichen der Herrlichkeit des in Christus und im Heiligen Geist empfangenen Lebens. Während das weiße Taufkleid symbolisch das zum Ausdruck bringt, was im Sakrament geschehen ist, kündigt es das Leben der Verklärten in der göttlichen Herrlichkeit an.

 

Was es bedeutet, Christus als Gewand anzulegen, sagt uns der heilige Paulus, indem er erklärt, welche Tugenden die Getauften pflegen müssen: »Bekleidet euch also, als Erwählte Gottes, Heilige und Geliebte, mit innigem Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Geduld! Ertragt einander und vergebt einander, wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat! Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Vor allem bekleidet euch mit der Liebe, die das Band der Vollkommenheit ist!« (Kol 3,12-14).

 

Auch die liturgische Übergabe der an der Osterkerze entzündeten Flamme führt die Wirkung der Taufe vor Augen: »Empfangt das Licht Christi«, sagt der Priester. Diese Worte rufen in Erinnerung, dass nicht wir das Licht sind, sondern dass das Licht Jesus Christus ist (vgl. Joh 1,9; 12,46), der von den Toten auferstanden ist und die Finsternis des Bösen überwunden hat. Wir sind berufen, seine Herrlichkeit zu empfangen! Wie die Flamme der Osterkerze den einzelnen Kerzen Licht schenkt, so entflammt der auferstandene Herr die Herzen der Getauften und erfüllt sie mit Licht und Wärme. Daher wurde die Taufe von den ersten Jahrhunderten an auch als »Erleuchtung « bezeichnet, und den Getauften nannte man den »Erleuchteten«.

 

Denn das ist die christliche Berufung: als Kind des Lichtes zu leben, sich im Glauben zu bewähren (vgl. Die Feier der Eingliederung Erwachsener in die Kirche, Nr. 264; Joh 12,36). Wenn es sich um Kinder handelt, ist es Aufgabe der Eltern, gemeinsam mit den Paten und Patinnen dafür zu sorgen, die Flamme der Taufgnade in ihren Kleinen zu nähren und ihnen zu helfen, sich im Glauben zu bewähren (vgl. Die Feier der Kindertaufe, Nr. 67). »Der christliche Unterricht, auf den die Kinder ein Recht haben, hat ja nur den einen Sinn, dass sie mit der Zeit den Ratschluss Gottes in Christus erfassen lernen, um sich schließlich den Glauben, auf den sie getauft werden, zu eigen machen zu können« (ebd., Praenotanda, Nr. 3).

 

Die lebendige Gegenwart Christi, die bewahrt, verteidigt und in uns erweitert werden muss, ist die Lampe, die unsere Schritte erhellt; das Licht, das unseren Entscheidungen Orientierung schenkt; die Flamme, die die Herzen erwärmt, wenn wir dem Herrn entgegengehen; und die uns fähig macht, jenen zu helfen, die mit uns unterwegs sind, bis hin zur untrennbaren Gemeinschaft mit ihm. An jenem Tag, so heißt es noch einmal in der Offenbarung, wird es »keine Nacht mehr geben und sie brauchen weder das Licht einer Lampe noch das Licht der Sonne. Denn der Herr, ihr Gott, wird über ihnen leuchten und sie werden herrschen in alle Ewigkeit« (22,5). Die Feier der Taufe endet mit dem Gebet des Vaterunsers, das der Gemeinschaft der Kinder Gottes zu eigen ist. Denn die in der Taufe wiedergeborenen Kinder werden die Fülle der Gabe des Heiligen Geistes in der Firmung empfangen und an der Eucharistie teilnehmen und lernen, was es bedeutet, sich an Gott zu wenden und ihn »Vater« zu nennen. Am Ende dieser Katechesen über die Taufe richte ich noch einmal an einen jeden von euch die Einladung, die ich im Apostolischen Schreiben Gaudete et exsultate so zum Ausdruck gebracht habe: »Lass zu, dass die Taufgnade in dir Frucht bringt auf einem Weg der Heiligkeit. Lass zu, dass alles für Gott offen ist, und dazu entscheide dich für ihn, erwähle Gott ein ums andere Mal neu. Verlier nicht den Mut, denn du besitzt die Kraft des Heiligen Geistes, um das möglich zu machen. Im Grunde ist die Heiligkeit die Frucht des Heiligen Geistes in deinem Leben (vgl. Gal 5,22-23)« (Nr. 15).

 

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 09.05.2018

  

Liebe Brüder und Schwestern,

guten Tag!

 

Die Katechese über das Sakrament der Taufe führt uns heute dahin, über das heilige Bad der Wiedergeburt zu sprechen, begleitet von der Anrufung der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, also über den zentralen Ritus, der im eigentlichen Sinne »tauft« – also »hineinnimmt« – in das Paschageheimnis Christi (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 1239). Den Sinn dieser Geste erläutert der heilige Paulus gegenüber den Christen von Rom, indem er zunächst fragt: »Wisst ihr denn nicht, dass wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind?«, und dann antwortet: »Wir wurden ja mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod, damit auch wir, so wie Christus […] von den Toten auferweckt wurde, in der Wirklichkeit des neuen Lebens wandeln« (Röm 6,3-4). Die Taufe öffnet uns die Tür zu einem auferstandenen Leben, nicht zu einem weltlichen Leben: zu einem Leben, das Christus entspricht.

 

Das Taufbecken ist der Ort, an dem man mit Christus das Pascha feiert! Der alte Mensch wird begraben, mit seinen Begierden des Trugs (vgl. Eph 4,22), damit ein neues Geschöpf wiedergeboren werden kann; tatsächlich ist das Alte vergangen, und Neues ist geworden (vgl. 2 Kor 5,17).

 

In den Katechesen, die dem heiligen Cyrill von Jerusalem zugeschrieben werden, wird den Neugetauften erklärt, was im Wasser der Taufe mit ihnen geschehen ist. Diese Erklärung des heiligen Cyrill ist schön: »Im gleichen Augenblick starbt ihr und wurdet ihr geboren; jenes heilsame Wasser wurde für euch zugleich Grab und Mutter« (Mystagogische Katechesen II,4: PG 33, 1079-1082). Die Wiedergeburt des neuen Menschen verlangt, dass der von der Sünde verdorbene Mensch zu Staub wird. Die Bilder vom Grab und vom mütterlichen Schoß, bezogen auf das Taufbecken, bringen in der Tat sehr einprägsam das Großartige zum Ausdruck, das durch die einfachen Gesten der Taufe geschieht. Ich zitiere gern die Inschrift, die sich im antiken römischen Baptisterium des Laterans befindet, wo auf Latein folgendes Wort zu lesen ist, das Papst Sixtus III. zugeschrieben wird: »In jungfräulicher Geburt gebiert die Mutter, die Kirche, ihre Kinder, die sie durch den Hauch Gottes empfängt, in dem Fluss. […] Der Himmel Reich erhofft, die ihr in diesem Quell wiedergeboren seid.«[1] Das ist schön: die Kirche, durch die wir geboren werden; die Kirche, die der Schoß ist, unsere Mutter durch die Taufe.

 

Wenn unsere Eltern uns zum irdischen Leben gezeugt haben, so hat die Kirche uns in der Taufe zum ewigen Leben wiedergeboren. Wir sind zu Kindern in seinem Sohn Jesus geworden (vgl. Röm 8,15; Gal 4,5-7). Auch über einen jeden von uns, die wir aus dem Wasser und aus dem Heiligen Geist wiedergeboren sind, lässt der himmlische Vater mit unendlicher Liebe seine Stimmer erklingen, die sagt: »Du bist mein geliebter Sohn« (vgl. Mt 3,17). Diese väterliche Stimme, die für das Ohr nicht wahrnehmbar, aber im Herzen dessen, der glaubt, gut hörbar ist, begleitet uns das ganze Leben hindurch, ohne uns jemals zu verlassen.

 

Das ganze Leben hindurch sagt der Vater zu uns: »Du bist mein geliebter Sohn, du bist meine geliebte Tochter.« Gott liebt uns sehr, wie ein Vater, und er lässt uns nicht allein: vom Augenblick der Taufe an. Als Kinder Gottes wiedergeboren, sind wir es für immer! Denn die Taufe lässt sich nicht wiederholen, weil mit einem unauslöschlichen Siegel bezeichnet: »Dieses Zeichen wird durch keine Sünde ausgelöscht, selbst wenn die Sünde die Taufe daran hindert, Früchte des Heils zu tragen « (KKK, 1272). Das Siegel der Taufe verliert man nie! »Vater, wenn ein Mensch aber ein Verbrecher wird, einer von jenen berüchtigten, jemand, der Menschen umbringt, der Unrecht tut, verschwindet das Siegel dann?« Nein. Zur eigenen Schande tut der Sohn Gottes, der jener Mensch ist, diese Dinge, aber das Siegel verschwindet nicht. Und er ist auch weiterhin ein Sohn Gottes, der sich gegen Gott wendet, aber Gott verleugnet nie seine Kinder. Habt ihr verstanden, was ich zuletzt gesagt habe? Gott verleugnet seine Kinder nie. Wollen wir es alle gemeinsam wiederholen? »Gott verleugnet seine Kinder nie.« Etwas lauter, denn ich bin taub und habe nichts verstanden. [Die Anwesenden wiederholen lauter]: »Gott verleugnet seine Kinder nie.« Ja, so ist es gut.

 

Durch die Taufe in Christus eingegliedert, werden die Getauften ihm, dem »Erstgeborenen unter vielen Brüdern« (Röm 8,29), gleichgestaltet. Durch das Wirken des Heiligen Geistes reinigt, heiligt, rechtfertigt die Taufe, damit die Vielen in Christus in einen einzigen Leib aufgenommen werden (vgl. 1 Kor 6,11; 12,13). Das kommt durch die Chrisam-Salbung zum Ausdruck, »die auf das königliche Priestertum des Getauften und seine Zugehörigkeit zum Volke Gottes hinweist« (Die Feier der Kindertaufe, Praenotanda 18,3). Daher salbt der Priester den Kopf eines jeden Getauften mit dem heiligen Chrisam, nachdem er folgende Worte gesprochen hat, die seine Bedeutung erläutern: »Aufgenommen in das Volk Gottes werdet ihr nun mit dem heiligen Chrisam gesalbt, damit ihr für immer Glieder Christi bleibt, der Priester, König und Prophet ist in Ewigkeit« (ebd., Nr. 65).

 

Brüder und Schwestern, das ist die christliche Berufung: mit Christus vereint zu leben in der heiligen Kirche und teilzuhaben an derselben Weihe, um dieselbe Sendung zu erfüllen, in dieser Welt, und Früchte zu tragen, die für immer bleiben. Denn von dem einen Geist beseelt hat das ganze Gottesvolk an den Ämtern Jesu Christi teil, der zum »Priester, König und Propheten« bestellt wurde, und ist verantwortlich für die Sendung und den Dienst, die sich daraus ergeben (vgl. KKK, 783-786). Was bedeutet es, am königlichen und prophetischen Priestertum Christi teilzuhaben? Es bedeutet, sich selbst als Gott wohlgefälliges Opfer darzubringen (vgl. Röm 12,1) und Zeugnis von ihm zu geben durch ein Leben des Glaubens und der Liebe (vgl. Lumen gentium, 12), indem man es in den Dienst des Nächsten stellt, nach dem Vorbild Christi (vgl. Mt 20,25-28; Joh 13,13-17). Danke. 

 

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 02.05.2018

  

in der Reihe der Katechesen über die Taufe richten wir heute unser Augenmerk auf die Handlungen am Taufbecken. Für die Taufe wird das Wasser gesegnet. In der Natur ist Wasser die Voraussetzung für alles Leben, es kann aber auch Tod bringen, und zugleich reinigt es. Der heilige Ambrosius sagt in seinen Taufkatechesen: „Du hast das Wasser gesehen, aber nicht jedes Wasser heilt. Nur das Wasser heilt, in dem die Gnade Christi wohnt. … Die Handlung wird vom Wasser, die Wirkung vom Heiligen Geist vollbracht“ (De sacr. 1,15). Die Kirche ruft den Heiligen Geist auf das Wasser herab, „damit alle, die durch die Taufe mit Christus begraben sind in seinem Tod, mit ihm zum Leben auferstehen“ (Die Feier der Kindertaufe, Nr. 54). So wie das Taufwasser gesegnet wird, müssen sich auch die Taufbewerber bereiten. Sie müssen sich von allen Bindungen lösen, um sich an Gott zu binden. Dies geschieht in der Absage vom Satan und im Bekenntnis des Glaubens an den Dreifaltigen Gott. Der Täufling oder seine Paten antworten in der ersten Person; sie vollziehen damit eine persönliche Geste gegenüber Gott. Immer wenn wir uns mit Weihwasser bekreuzigen, denken wir an unsere Taufe und erneuern dankbar unser Amen, dass wir in die Liebe der Allerheiligsten Dreifaltigkeit eingetaucht sind und daraus leben wollen.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 25.04.2018

  

Liebe Brüder und Schwestern, die heilige Taufe ist das „Sakrament des Glaubens“, denn durch sie tritt man in das Leben des Glaubens ein. Der Taufbewerber macht diesen Schritt nicht allein, sondern in der Gemeinschaft der Kirche. Diese begleitet ihn mit ihrem Gebet, und die Anrufung der Heiligen in der Taufliturgie ist dafür ein sinnfälliges Zeichen. Im Exorzismus und den Befreiungsgebeten erfolgt die Bitte, den Täufling von allem zu befreien, was ihn an der innigen Gemeinschaft mit dem Herrn hindert. Mit der Austreibung der Dämonen hat Christus die Ankunft des Reiches Gottes geoffenbart; sein Sieg über die Macht des Bösen schafft in uns Raum für die Herrschaft Gottes. Die Taufe ist keine magische Formel, sondern eine Gabe des Heiligen Geistes, die uns zum Kampf gegen die Nachstellungen des Teufels befähigt. Ähnlich den antiken Kämpfern, die sich zum Schutz mit Öl einrieben, wird der Täufling zum Zeichen der Kraft Christi mit Katechumenenöl gesalbt. Das Leben des Christen ist ein Kampf gegen das Böse und für das Gute. Bei diesem Kampf sind wir nicht allein, denn die ganze Kirche betet und kämpft mit uns und vor allem Christus ist stets mit uns verbunden.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 18.04.2018

  

Liebe Brüder und Schwestern, in unseren Katechesen über die Taufe beginnen wir heute damit, die Zeichen und Worte der Tauffeier zu betrachten. Dies hilft uns, den im Taufsakrament empfangenen Auftrag tiefer zu begreifen und in unserem Leben zu erneuern. Die Befragung nach dem Namen verweist auf die Einmaligkeit und Würde der Person. Gott ruft jeden bei seinem Namen. Als Christ leben ist eine persönliche Berufung und erfordert eine persönliche Antwort. Unser ganzes Leben lang ruft uns Gott auf vielerlei Weise, seinem Sohn Jesus Christus ähnlich zu werden. Die Bitte an die Kirche um die Taufe macht deutlich, dass der Glaube eine Gabe von oben ist: Wir bitten um den Glauben und empfangen ihn als Geschenk. Das Kreuzzeichen bringt zum Ausdruck, dass Christus dem Täufling, der ihm angehören soll, sein Zeichen aufprägt. Es bezeichnet die Erlösungsgnade, die Christus uns durch sein Kreuz erworben hat. Das Kreuz ist das Kennzeichen, unter dem all unser Denken, Reden und Tun, unser ganzes Leben steht. Wenn wir das Kreuzzeichen machen – beim Aufstehen und Schlafengehen, vor dem Essen, vor einer Gefahr und zum Schutz vor dem Bösen –, wenn wir uns in der Kirche oder beim Außerhausgehen mit dem Weihwasser bekreuzigen, erinnern wir uns, dass wir getauft sind und zu Christus gehören.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 11.04.2018

  

Liebe Brüder und Schwestern, das Sakrament der Taufe, das „die Grundlage des ganzen christlichen Lebens“ (Katechismus der Katholischen Kirche 1213) ist, schenkt uns Anteil am Leben Christi. Erinnern wir uns an die Worte des Auferstandenen an die Apostel: „Geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt 28,19). Das griechische Wort für taufen – „baptizein“ bedeutet „eintauchen“. Und wenn unser Körper im Wasser untergetaucht wird, wissen wir im Glauben, dass unsere Seele in Christus eintaucht um von unseren Sünden befreit und des göttlichen Lichtes teilhaftig zu sein. Wir werden mit ihm begraben, um mit ihm aufzuerstehen (vgl. Röm 6,4). Denn auf dieses Wasser ist der Heilige Geist, der lebendig macht (vgl. Credo), herabgerufen worden. Daher wird die Taufe auch das Sakrament der Wiedergeburt genannt, das uns zu einem neuen Leben führt und zu Gliedern Christi und der Kirche macht. Durch die Taufe lebt Christus in uns und wir in ihm, und wir werden zur Mitarbeit in der Kirche befähigt, um die Welt zu verwandeln. Wir empfangen die Taufe nur einmal, aber sie ist Licht für unser ganzes Leben und geleitet uns auf dem Weg ins himmlische Jerusalem.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 04.04.2018

  

Liebe Brüder und Schwestern, wir beschließen heute die Katechesenreihe über die heilige Messe mit einer Betrachtung zum Schlusssegen und zur Entlassung. Wie das Messopfer mit dem Kreuzzeichen beginnt, so beschließen wir mit dem Segen des dreifaltigen Gottes die Eucharistiefeier. Und wir wissen, dass mit dem Gruß „Gehet hin in Frieden!“ ein Auftrag verbunden ist. Wir sollen Gott mit unserem Leben verherrlichen und das heilige Sakrament, das wir im Glauben empfangen haben, in unserem Alltag Frucht bringen lassen. Ja, wir sollen eucharistische Männer und Frauen werden. Das heißt, Christus selbst möge der Inhalt unseres Tuns sein. Seine Gedanken seien auch unsere Gedanken, wir wollen empfinden wie er, das tun, was er tut. Der Apostel Paulus drückt es so aus: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20). Die Anbetung des eucharistischen Herrn über die heilige Messe hinaus wird uns dabei helfen, mit Christus verbunden zu bleiben, die Sünde zu meiden und unsere Verbindung zur Gemeinschaft der Kirche zu stärken. Zugleich werden wir Christus selbst im Leib der Armen erkennen und ihnen tatkräftig zur Seite stehen.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 28.03.2018

 

 

Liebe Brüder und Schwestern, mit der Messe vom Letzten Abendmahl am Gründonnerstag treten wir wieder in das Ostertriduum ein, in die Feier der heiligen drei Tage vom Leiden und Sterben, von der Grabesruhe und von der Auferstehung des Herrn. Das Gedächtnis der österlichen Geheimnisse markiert die grundlegenden Stationen unseres Glaubens und unserer Berufung in der Welt. „Christus, meine Hoffnung, ist auferstanden und geht den Seinen voran nach Galiläa“, fasst die Sequenz am Ostersonntag die Nachricht der Auferstehung zusammen. Es ist eine Botschaft der Freude und Hoffnung, zugleich ein Aufruf zur Verantwortung, Verkündigung und Mission. Wie Paulus sagt, wurde Christus, unser Osterlamm, wegen unserer Verfehlungen hingegeben und wegen unserer Gerechtmachung auferweckt (vgl. Röm 4,25). Wenn wir daher voll Dankbarkeit die österlichen Geheimnisse feiern, machen wir uns das Geschenk des neuen Lebens als Getaufte wieder bewusst. Denn in der Taufe sind wir der Welt gestorben und mit Christus auferweckt worden. Wir sind als neue Schöpfung wiedergeboren. Dies muss Tag für Tag in unserem neuen Leben als Erlöste Gestalt annehmen. In der konkret gelebten Nächstenliebe werden wir durch und mit Christus zu Werkzeugen der Befreiung und Hoffnung, zu Zeichen des Lebens und der Auferstehung.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 21.03.2018

 

 

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Heute ist der erste Frühlingstag: Ich wünsche euch einen schönen Frühling! Was geschieht jedoch im Frühling? Die Pflanzen erblühen, die Bäume blühen. Ich möchte etwas fragen. Kann ein kranker Baum oder eine kranke Pflanze gut blühen – wenn sie krank sind? Nein! Kann ein Baum, eine Pflanze, die nicht vom Regen oder künstlich bewässert werden, gut blühen? Nein. Und kann ein Baum und eine Pflanze, die entwurzelt sind oder keine Wurzeln haben, blühen?

Nein. Kann man ohne Wurzeln blühen? Nein! Und das ist eine Botschaft: Das christliche Leben muss ein Leben sein, das in den Werken der Nächstenliebe erblüht – darin, dass man Gutes tut. Aber wenn du keine Wurzeln hast, kannst du nicht blühen. Und wer ist die Wurzel? Jesus! Wenn du nicht bei Jesus bist, dort, in der Wurzel, dann wirst du nicht blühen. Wenn ihr euer Leben nicht mit dem Gebet und den Sakramenten bewässert, werdet ihr dann christliche Blüten tragen? Nein! Denn das Gebet und die Sakramente bewässern die Wurzeln, und unser Leben erblüht. Ich wünsche euch, dass dieser Frühling für euch ein Frühling sein möge, der Blüten trägt, und dass auch das Osterfest Blüten tragen möge: Blüten der guten Werke, der Tugend, der guten Taten gegenüber dem Nächsten. Behaltet dies in Erinnerung, es ist ein sehr schöner Spruch aus meiner Heimat: »Was der Baum an Blüten trägt, kommt aus dem, was er unter der Erde hat.« Schneidet nie die Wurzeln zu Christus ab.

Und jetzt setzen wir die Katechesen über die heilige Messe fort. Die Feier der Messe, deren verschiedene Abschnitte wir gerade durchgehen, ist auf die Kommunion hingeordnet, also auf unsere Vereinigung mit Jesus. Die sakramentale Kommunion, nicht die geistliche Kommunion, die du zuhause empfangen kannst, indem du sagst: »Jesus, ich möchte dich geistlich empfangen.« Nein, die sakramentale Kommunion, mit dem Leib und dem Blut Christi. Wir feiern die Eucharistie, um uns mit Christus zu nähren, der sich sowohl im Wort als auch im Altarsakrament hinschenkt, um ihm gleichgestaltet zu werden. Das sagt der Herr selbst: »Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm« (Joh 6,56). Denn die Geste Jesu, der den Jüngern beim Letzten Abendmahl seinen Leib und sein Blut hingeschenkt hat, wird heute noch fortgesetzt durch den Dienst des Priesters und des Diakons, die ordentlichen Spender der Austeilung des Brotes des Lebens und des Kelches des Heils an die Brüder und Schwestern.

In der Messe zeigt der Priester, nachdem er das konsekrierte Brot, also den Leib Christi, gebrochen hat, dieses den Gläubigen und lädt sie ein, am eucharistischen Mahl teilzuhaben. Wir kennen die Worte, die vom heiligen Altar her erklingen: »Seht das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt. […] Selig, die zum Hochzeitsmahl des Lammes geladen sind.« Inspiriert von einem Vers aus der Offenbarung – »Selig, wer zum Hochzeitsmahl des Lammes eingeladen ist!« (Offb 19,9): Es heißt »Hochzeit«, weil Jesus der Bräutigam der Kirche ist – ruft diese Einladung uns auf, die innige Vereinigung mit Christus zu erfahren, Quell der Freude und der Heiligkeit. Es ist eine Einladung, die froh macht und gleichzeitig zu einer vom Glauben erleuchteten Gewissenserforschung drängt. Denn wenn wir einerseits die Entfernung sehen, die uns von der Heiligkeit Christi trennt, so glauben wir andererseits, dass sein Blut »vergossen wurde zur Vergebung der Sünden«.

Uns allen wurde in der Taufe vergeben, und jedes Mal, wenn wir das Sakrament der Buße empfangen, wird uns vergeben oder vergeben werden. Und vergesst nicht: Jesus vergibt immer. Jesus wird nicht müde zu vergeben. Wir sind es, die müde werden, um Vergebung zu bitten. Gerade im Hinblick auf den Heilswert dieses Blutes sagt der heilige Ambrosius: »Ich, der ich immer sündige, muss immer über das Heilmittel verfügen« (De sacramentis, 4,28: PL 16,446A). In diesem Glauben richten auch wir den Blick auf das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt, und rufen es an: »Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.« Das sagen wir in jeder heiligen Messe.

Wenn wir in Prozession hingehen, um die Kommunion zu empfangen, in Prozession zum  Altar gehen, um die Kommunion zu empfangen, dann ist es in Wirklichkeit Christus, der auf uns zukommt, um uns sich selbst gleichzugestalten. Es gibt eine Begegnung mit Jesus! Sich mit der Eucharistie zu nähren bedeutet, sich in das verwandeln zu lassen, was wir empfangen. Der heilige Augustinus hilft uns, das zu verstehen, wenn er von dem Licht berichtet, das er empfing, als er hörte, dass Christus zu ihm sagte: »Ich bin die Speise der Starken; wachse, und du wirst mich genießen. Aber du wirst mich nicht in dich verwandeln wie die leibliche Speise, sondern du wirst in mich umgewandelt werden« (Bekenntnisse, VII,10,16: PL 32,742). Jedes Mal, wenn wir die Kommunion empfangen, werden wir Christus ähnlicher, werden wir mehr in Jesus umgewandelt. Wie das Brot und der Wein in den Leib und das Blut des Herrn verwandelt werden, so werden jene, die sie im Glauben empfangen, zur lebendigen Eucharistie. Dem Priester, der bei der Austeilung der Eucharistie zu dir sagt: »Der Leib Christi«, antwortest du: »Amen«. Das heißt, dass du die Gnade und die Verpflichtung anerkennst, die es mit sich bringt, zum Leib Christi zu werden. Denn wenn du die Eucharistie empfängst, wirst du zum Leib Christi. Das ist schön: Das ist wunderschön. Während die Kommunion uns mit Christus vereint und uns von unseren Egoismen fortreißt, öffnet sie uns und vereint uns mit allen, die eins sind in ihm. Das ist das Wunder der Kommunion: Wir werden zu dem, was wir empfangen!

Die Kirche wünscht aufrichtig, dass auch die Gläubigen den Leib des Herrn von den Hostien empfangen, die in derselben Messe konsekriert wurden; und das Zeichen des eucharistischen Mahles wird auf vollkommenere Art zum Ausdruck gebracht, wenn die heilige Kommunion unter beiden Gestalten gereicht wird, auch wenn der katholische Glaube lehrt, unter jeder der beiden Gestalten wird der ganze, ungeteilte Christus empfangen (vgl. Allgemeine Einführung in das Römische Messbuch, 85; 281-281). Der kirchlichen Praxis entsprechend geht der Gläubige wie gesagt gewöhnlich in Form einer Prozession zur Eucharistie und empfängt diese mit Ehrfurcht, stehend oder kniend, wie es die Bischofskonferenz festgesetzt hat, und empfängt das Sakrament in den Mund oder, wo dies erlaubt ist, auf die Hand, nach eigener Entscheidung (vgl. ebd., 160-161). Nach der Kommunion hilft uns die Stille, das stille Gebet, das empfangene Geschenk im Herzen zu bewahren. Diesen Augenblick der Stille etwas zu verlängern und im Herzen mit Jesus zu sprechen hilft uns sehr, ebenso wie das Singen eines Psalms oder eines Lobliedes uns hilft, beim Herrn zu sein (vgl. ebd., 88).

Die Eucharistiefeier wird mit dem Schlussgebet nach der Kommunion beendet. In diesem wendet sich der Priester im Namen aller an Gott, um ihm zu danken, dass er uns zu seinen Tischgenossen gemacht hat, und darum zu bitten, dass das, was wir empfangen haben, unser Leben verwandeln möge. Die Eucharistie macht uns stark, Früchte guter Werke zu tragen und als Christen zu leben. Das heutige Schlussgebet ist bedeutsam; in ihm bitten wir den Herrn: »Das Sakrament, das wir empfangen haben, sei uns Heilmittel gegen das Böse in unserem Herzen und Schutz in jeder Gefahr« (Römisches Messbuch, Mittwoch der 5. Woche der Fastenzeit). Gehen wir zur Eucharistie: Jesus zu empfangen, der uns in sich selbst verwandelt, stärkt uns. So gütig und so groß ist der Herr!

* * *

Herzlich heiße ich die Pilger deutscher Sprache willkommen. Unter ihnen grüße ich die vielen Schülerinnen und Schüler, die in dieser Audienz anwesend sind, besonders die Schüler des Gymnasiums Haus Overbach aus Jülich, die ihr 100-jähriges Gründungsjubiläum feiern. Vergesst nie: Der Herr ist in der heiligen Eucharistie gegenwärtig – für euch. Gott segne euch alle.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 14.03.2018

 

 

Liebe Brüder und Schwestern,
guten Tag!

Wir setzen die Katechesen über die heilige Messe fort. Wir wissen: Jesus »brach das Brot« beim Letzten Abendmahl, nachdem er das Brot und den Kelch des Weines genommen und Gott gedankt hatte. Dieser Geste entspricht in der Eucharistiefeier der Messe die Brotbrechung, der das Gebet vorausgeht, das der Herr uns gelehrt hat: das Vaterunser.

Und so beginnen die Kommunionriten, in denen der Lobpreis und das Eucharistische Hochgebet fortgesetzt werden durch das gemeinschaftliche Gebet des Vaterunsers. Dieses ist kein christliches Gebet unter vielen, sondern es ist das Gebet der Kinder Gottes: Es ist das große Gebet, das Jesus uns gelehrt hat. Denn das Vaterunser, das uns am Tag unserer Taufe übergeben wird, lässt uns so gesinnt sein, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht. Wenn wir das Vaterunser beten, dann beten wir so, wie Jesus gebetet hat. Es ist das Gebet, das Jesus gesprochen hat, und er hat es uns gelehrt, als die Jünger zu ihm sagten: »Meister, lehre uns zu beten wie du betest. « Und Jesus betete so. Es ist so schön, wie Jesus zu beten!

Getreu seiner göttlichen Weisung wagen wir, uns an Gott zu wenden und ihn »Vater« zu nennen, weil wir als seine Kinder aus dem Wasser und dem Heiligen Geist neu geboren sind (vgl. Eph 1,5). In Wahrheit könnte niemand ihn vertraulich »Abba« – Vater – nennen, ohne von Gott gezeugt zu sein, ohne die Eingebung des Heiligen Geistes, wie der heilige Paulus lehrt (vgl. Röm 8,15). Daran müssen wir denken: Niemand kann ihn »Vater« nennen ohne die Eingebung des Heiligen Geistes. Wie oft gibt es Menschen, die sagen: »Vater unser«, die aber nicht wissen, was sie sagen. Denn er ist der Vater, aber spürst du, wenn du »Vater« sagst, dass er der Vater ist, dein Vater, der Vater der Menschheit, der Vater Jesu Christi? Hast du eine Beziehung zu diesem Vater? Wenn wir das Vaterunser beten, dann verbinden wir uns mit dem Vater, der uns liebt, aber der Heilige Geist ist es, der uns diese Verbindung schenkt, dieses Gefühl, Kinder Gottes zu sein. Kann es ein besseres Gebet geben als das, welches Jesus gelehrt hat, um uns für die sakramentale Kommunion mit ihm bereit zu machen? Außer in der Messe wird das Vaterunser am Morgen und am Abend, in den Laudes und in der Vesper gebetet; auf diese Weise tragen die Kindschaft gegenüber Gott und die Brüderlichkeit gegenüber dem Nächsten dazu bei, unseren Tagen eine christliche Form zu geben.

Im Gebet des Herrn – im Vaterunser – bitten wir um das »tägliche Brot«, in dem wir einen besonderen Bezug zum eucharistischen Brot erkennen, das wir brauchen, um als Kinder Gottes zu leben. Wir bitten auch inständig um die »Vergebung unserer Schuld«, und um würdig zu sein, die Vergebung Gottes zu empfangen, verpflichten wir uns, denen zu vergeben, die uns verletzt haben. Und das ist nicht einfach. Den Menschen zu vergeben, die uns verletzt haben, ist nicht einfach; es ist eine Gnade, um die wir bitten müssen: »Herr, lehre mich zu vergeben, wie du mir vergeben hast.« Es ist eine Gnade. Mit unseren Kräften können wir es nicht: Vergeben ist eine Gnade des Heiligen Geistes. Während das Vaterunser so unser Herz für Gott öffnen, macht es uns auch bereit für die brüderliche Liebe. Schließlich bitten wir Gott auch, uns »zu erlösen vom Bösen«, das uns von ihm trennt und das uns von unseren Brüdern trennt. Wir verstehen gut, dass dies Bitten sind, die sehr gut dafür geeignet sind, uns auf die heilige Kommunion vorzubereiten (vgl. Allgemeine Einführung in das Römische Messbuch", 81). Tatsächlich wird das, worum wir im Vaterunser bitten, fortgesetzt vom Gebet des Priesters, der im Namen aller bittet: »Erlöse uns, Herr, von allem Bösen und gib Frieden in unseren Tagen.«

Und dann bekommt es eine Art Siegel im Friedensritus: Zunächst bittet man Christus, dass das Geschenk seines Friedens (vgl. Joh 14,27) – der so anders ist als der Frieden der Welt – die Kirche in Einheit und Frieden wachsen lassen möge, nach seinem Willen; dann bringen wir durch die konkrete Geste, die wir untereinander austauschen, zum Ausdruck, dass »die Gläubigen einander die kirchliche Gemeinschaft und die gegenseitige Liebe bezeugen, ehe sie das Sakrament empfangen« (Allgemeine Einführung in das Römische Messbuch, 82). Im Römischen Ritus ist der Austausch des Zeichens des Friedens, der seit der Antike der Kommunion vorausgeht, auf die eucharistische Gemeinschaft hingeordnet. Der Mahnung des heiligen Paulus gemäß ist es nicht möglich, an dem einen Brot teilzuhaben, das uns zu einem Leib in Christus macht, ohne zu bekennen, von der brüderlichen Liebe befriedet zu sein (vgl. 1 Kor 10,16-17; 11,29). Der Friede Christi kann nicht in einem Herzen wurzeln, das unfähig ist, die Brüderlichkeit zu leben, und sie wiederherzustellen, nachdem sie verletzt wurde. Den Frieden schenkt der Herr: Er schenkt uns die Gnade, denen zu vergeben, die uns verletzt haben. Auf den Friedensgruß folgt die Brotbrechung, die seit der apostolischen Zeit der ganzen Eucharistiefeier den Namen gegeben hat (vgl. Allgemeine Einführung in das Römische Messbuch, 83; Katechismus der Katholischen Kirche, 1329).

Das Brechen des Brotes, das von Jesus beim Letzten Abendmahl vollzogen wurde, ist die Offenbarungsgeste, die es den Jüngern gestattet hat, ihn nach seiner Auferstehung zu erkennen. Erinnern wir uns an die Emmausjünger, die, als sie über die Begegnung mit dem Auferstandenen sprechen, erzählen, »wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach« (vgl. Lk 24,30-31.35). Das Brechen des eucharistischen Brotes wird begleitet von der Anrufung »Lamm Gottes«: der Gestalt, mit der Johannes der Täufer auf Jesus verwiesen hat als jenem, der »die Sünde der Welt hinwegnimmt« (Joh 1,29). Das biblische Bild vom Lamm verweist auf die Erlösung (vgl. Ex 12,1-14; Jes 53,7; 1 Petr 1,19; Offb 7,14). Im eucharistischen Brot, das gebrochen wird für das Leben der Welt, erkennt die betende Gemeinde das wahre Lamm Gottes, also Christus, den Erlöser, und bittet ihn: »Erbarme dich unser… gib uns deinen Frieden.«

»Erbarme dich unser«, »gib uns deinen Frieden « sind Bitten, die uns vom Gebet des Vaterunser bis hin zur Brotbrechung helfen, das Herz bereit zu machen für die Teilnahme am eucharistischen Mahl, Quelle der Gemeinschaft mit Gott und mit den Geschwistern. Vergessen wir nicht das große Gebet: das Gebet, das Jesus uns gelehrt hat und das das Gebet ist, mit dem er zum Vater betete. Und dieses Gebet bereitet uns auf die Kommunion vor.

 

* * *

Herzlich grüße ich die Pilger aus den Ländern deutscher Sprache, insbesondere die Gemeinschaft des Friedrich-List-Berufskollegs aus Hamm. Von der Gnade des Herrn geformt und von der göttlichen Hoffnung erfüllt können wir unseren Nächsten gegenüber die Liebe erwidern, die Gott uns jeden Tag schenkt. Schönen Aufenthalt in Rom unter der Leitung des Heiligen Geistes.

 

 

Quelle: www.vatican.va

 

 

Generalaudienz vom 07.03.2018

 

 

Liebe Brüder und Schwestern, heute wollen wir über das Eucharistische Hochgebet sprechen. Es bildet die Mitte und den Höhepunkt der heiligen Messe und entspricht dem, was Jesus selbst beim Letzten Abendmahl tat, als er über Brot und Wein den Lobpreis sprach. In diesem Gebet bringt die Kirche zum Ausdruck, was sie in der Eucharistie vollzieht und was der Grund dieser Feier ist, nämlich die Gemeinschaft mit dem Herrn, der unter den Gestalten von Brot und Wein wirklich gegenwärtig wird. Das Eucharistische Hochgebet beinhaltet die Danksagung, die besonders in der Präfation ihren Ausdruck findet, die Akklamation im Gesang des Sanctus und die Epiklese, die Herabrufung des Heiligen Geistes. Sein Walten und die Worte Christi, die der Priester spricht, bewirken die Verwandlung des Brotes und des Weines in den Leib und das Blut Christi und machen sein Kreuzesopfer gegenwärtig. Es ist ein Geheimnis des Glaubens, die Feier des Gedächtnisses des Todes und der Auferstehung Christi in der Erwartung seiner Wiederkunft. Durch die Speise seines Leibes werden wir als Kirche in seinen lebendigen Leib heute verwandelt. Die Vereinigung mit dem Opfer Christi ist ebenso Geheimnis der Gemeinschaft, sichtbar in der Fürbitte der Gemeinde für die Kirche und die Welt. Nichts und niemand bleibt im Eucharistischen Hochgebet vergessen, sondern alles wird Gott dargebracht.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 


Generalaudienz vom 28.02.2018

 

 

Liebe Brüder und Schwestern, in der Katechesenreihe über die heilige Messe wollen wir heute mit der Betrachtung ihres zweiten grundlegenden Teils neben der Liturgie des Wortes beginnen, nämlich der Eucharistischen Liturgie. Die Eucharistische Liturgie besteht aus drei Teilen: die Gabenbereitung, das Eucharistische Hochgebet sowie die Brotbrechung und Kommunion. Heute wollen wir uns zunächst mit der Gabenbereitung befassen. Mit Brot und Wein werden die Gaben dargebracht, die auch Jesus beim letzten Abendmahl in seine Hände nahm und die die Hingabe des ganzen Volkes Gottes symbolisieren. Damit geben die Gläubigen ihre Opfergaben in die Hände des Priesters, der sie zusammen mit ihrem Lobpreis, ihren Leiden, ihrem Gebet und ihrer Arbeit (KKK 1368) auf den Altar des Herrn legt. Im Gabengebet bittet er Gott, das Opfer der Kirche anzunehmen und den wunderbaren Tausch des Wenigen, was wir geben, in seine Fülle zu vollziehen. Im Opfer Christi und durch die Kraft des Heiligen Geistes möge unser ganzes Leben in eine dem himmlischen Vater wohlgefällige Gabe verwandelt werden.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 


Generalaudienz vom 14.02.2018

 

 

in der Reihe unserer Betrachtungen über die heilige Messe wollen wir uns heute dem Abschluss des Wortgottesdienstes widmen: dem Glaubensbekenntnis und dem Allgemeinen Gebet, den Fürbitten. Das Credo ist die Antwort des Glaubenden auf das Wort Gottes, das er vorher gehört hat und das ihm in der Predigt ausgelegt wurde. Eine kurze Stille nach der Homilie ermöglicht es den Zuhörern, dass der Same des Wortes sich setzt und die Anregungen des Heiligen Geistes zu Herzen gehen. Der persönliche Glaube nährt sich vom Hören und geleitet zur Eucharistie. Das Glaubensbekenntnis ist die Zusammenfassung der wichtigsten Lehren, die uns von der Kirche überliefert wurden. In diesen Glauben der Kirche willigt der Einzelne ein und lässt dies in den Fürbitten zu seinem Gebet werden. Die einzelnen Bitten geben den konkreten Bedürfnissen der Gemeinde und aller Mitmenschen Ausdruck, für die die Gläubigen eintreten. Das Fürbittgebet schließt mit der Ermahnung, sich den barmherzigen Blick Gottes zu eigen zu machen, der für alle seine Kinder auf der ganzen Welt Sorge trägt.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 


Generalaudienz vom 07.02.2018

 

 

Liebe Brüder und Schwestern, in unseren Betrachtungen zur Feier der heiligen Messe sprechen wir heute über das Evangelium und die Homilie. Das Evangelium bildet den Höhepunkt der Liturgie des Wortes und darf nur von einem Priester oder Diakon verkündet werden. Ihm geht das Halleluja oder ein anderer Ruf voraus; ebenso wird es von besonderen Zeichen der Ehrerbietung und Verehrung begleitet, um deutlich zu machen: Hier ist der Herr gegenwärtig. Er spricht zu uns. Was er einst gesagt und getan hat, vollzieht er jetzt weiter an uns. Um seine Botschaft näherzubringen, bedient sich Christus auch des Wortes des Priesters oder des Diakons, der nach dem Evangelium die Homilie hält. Sie ist Teil der Liturgie und greift den Dialog zwischen dem Herrn und seinem Volk auf, damit er im Leben erfüllt wird. Die authentische Auslegung des Evangeliums ist unser heiligmäßiges Leben! Gottes Wort muss in uns Fleisch werden und in Werken umgesetzt werden, wie es bei Maria und den Heiligen war. Für eine fruchtbare Verkündigung sind eine gute Vorbereitung, Aufmerksamkeit und die rechte innere Haltung sowohl des Predigers wie auch der Zuhörer erforderlich. Die Kenntnis und das regelmäßige Lesen der Heiligen Schrift hilft uns allen, um mit Gewinn an der Liturgie des Wortes teilzunehmen.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 


Generalaudienz vom 31.01.2018

 

 

Liebe Brüder und Schwestern, in der Katechesenreihe über die heilige Messe wollen wir heute unseren Blick auf den Wortgottesdienst richten. Die Lesungen, die in der Eucharistiefeier vorgetragen werden, sind inspirierte Texte, in denen Gott selbst zu seinem Volk spricht. Denn der Geist Gottes hat die Autoren der Heiligen Schrift inspiriert und lässt das Wort Gottes in uns wirksam sein. Auch Jesus selbst misst der Heiligen Schrift eine ganz besondere Bedeutung zu: „Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt“ (Mt 4,4). So ist das Wort Gottes Nahrung, Speise für unser geistliches Leben, denn es eröffnet uns immer wieder neu das Geheimnis Christi. Von daher wird auch verständlich, warum die Texte der Heiligen Schrift nicht verändert oder durch andere Texte ersetzt werden können. Der Psalmist sagt: „Dein Wort ist meinem Fuß eine Leuchte, ein Licht für meine Pfade“ (Ps 119,105). Das Sprechen Gottes zu uns gibt uns Orientierung und Kraft, den Mühen und Herausforderungen unserer irdischen Pilgerschaft zu begegnen und unser Ziel, das er selbst ist, nie aus den Augen zu verlieren.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 


Generalaudienz vom 24.01.2018

 

 

Liebe Brüder und Schwestern, heute wollen wir einen Rückblick auf meine Reise nach Chile und Peru halten, auf der ich das wandernde Gottesvolk in diesen Ländern ein Stück begleiten konnte. Bei meinem Besuch in Chile unter dem Motto »Meinen Frieden gebe ich euch« (Joh 14,27) habe ich die Verantwortungsträger dazu ermutigt, der solidarischen Begegnung mit allen Volksgruppen Raum zu geben und dies vor allem im Hören auf die Armen, die Migranten, die Jugend, die älteren Menschen wie auch auf die Schöpfung. Die Gläubigen habe ich aufgerufen, Zeugen der Nähe Gottes in einer pluralistischen Gesellschaft zu sein, Wunden zu heilen, Gerechtigkeit zu fördern und Frieden zu stiften. Der Jugend gab ich ein Leitwort des heiligen Alberto Hurtado für ihre Entscheidungen mit auf den Weg: Was würde Jesus an meiner Stelle tun? Meine Reise durch die verschiedenen Landschaften Perus, die unter dem Motto »Geeint in der Hoffnung« (vgl. Eph 4,4) stattfand, machte den großen religiösen wie kulturellen Reichtum dieser Nation deutlich. Überaus vielfältig sind die Formen der Volksfrömmigkeit. In Trujillo konnte ich dem dortigen Gnadenbild der Jungfrau Maria von der Pforte den neuen Titel „Mutter der Barmherzigkeit und der Hoffnung“ verleihen. Die Menschen dort brauchen Ermutigung, weil sie durch Naturkatastrophen wie auch den sozialen Verfall und die Korruption in ihren Lebensgrundlagen bedroht sind. Hier sind die vielen Heiligen Perus Vorbilder und Fürsprecher, um gemeinsam den Weg in eine bessere Zukunft zu finden.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 


Generalaudienz vom 10.01.2018

 

 

 

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

In der Katechesereihe über die Eucharistiefeier haben wir gesehen, dass der Bußakt uns hilft, unseren Hochmut abzulegen und so vor Gott zu treten wie wir wirklich sind, im Bewusstsein, Sünder zu sein, in der Hoffnung, dass uns vergeben wird.

Gerade aus der Begegnung zwischen der menschlichen Armseligkeit und dem göttlichen Erbarmen entsteht die Dankbarkeit, die im »Gloria « zum Ausdruck kommt: In diesem »ehrwürdigen altchristlichen Hymnus verherrlicht die im Heiligen Geist versammelte Kirche den Vater und das Lamm und fleht um Erbarmen« (Allgemeine Einführung in das Römische Messbuch, 31). Der Beginn dieses Hymnus – »Ehre sei Gott in der Höhe« – greift den Gesang der Engel bei der Geburt Jesu in Betlehem auf, die freudige Verkündigung der Umarmung zwischen Himmel und Erde. Dieser Gesang schließt auch uns ein, die wir im Gebet versammelt sind: »Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade.«

Nach dem »Gloria« oder, wenn dieses nicht vorgesehen ist, gleich nach dem Bußakt nimmt das Gebet besondere Form an im sogenannten »Tagesgebet« oder »Kollektengebet«, durch das die Eigenart der Feier zum Ausdruck gebracht wird, die sich je nach den Tagen und den Zeiten des Kirchjahres verändern kann (vgl. ebd., 32).

Mit der Einladung »Lasset uns beten« ruft der Priester das Volk auf, sich mit ihm in einem Augenblick der Stille zu sammeln, um sich darauf zu besinnen, vor Gottes Angesicht zu stehen, und damit jeder in seinem Herzen die persönlichen Anliegen aussprechen kann, mit denen er an der Messe teilnimmt (vgl. ebd., 32). Der Priester sagt: »Lasset uns beten«; und dann folgt ein Augenblick der Stille, und jeder denkt an das, was er braucht, worum er bitten will, im Gebet. Das Schweigen ist nicht nur die Abwesenheit von Worten, sondern dient dazu, sich bereit zu machen, andere Stimmen zu hören: die Stimme unseres Herzen und vor allem die Stimme des Heiligen Geistes. In der Liturgie hängt das Wesen der heiligen Stille von dem Augenblick ab, in dem sie stattfindet: »Sie gibt Gelegenheit zur Besinnung beim Schuldbekenntnis und nach den Gebetseinladungen, zur kurzen Meditation nach den Lesungen und nach der Homilie, zum inneren Lobgebet nach der Kommunion« (ebd., 23).

Vor dem Eingangsgebet hilft uns die Stille also, uns innerlich zu sammeln und darüber nachzudenken, warum wir dort sind. Daher ist es wichtig, auf unser Herz zu hören und es dann dem Herrn zu öffnen. Vielleicht kommen wir aus Tagen der Mühe, der Freude, des Schmerzes und wollen es dem Herrn sagen, seine Hilfe anrufen, darum bitten, dass er uns beistehen möge; vielleicht haben wir Angehörige oder Freunde, die krank sind oder schwere Prüfungen durchmachen; vielleicht möchten wir Gott die Geschicke der Kirche oder der Welt anvertrauen. Dazu dient die kurze Stille, bevor der Priester, indem er die Anliegen eines jeden aufgreift, Gott im Namen aller mit lauter Stimme das allgemeine Gebet darbringt, das die Eingangsriten abschließt, indem er die »Kollekte« der einzelnen Anliegen macht. Ich ermahne die Priester eindringlich, diesen Augenblick der Stille zu bewahren und nicht voranzueilen: »Lasset uns beten«, und die Stille muss bewahrt werden. Dazu ermahne ich die Priester. Ohne diese Stille laufen wir Gefahr, die innere Sammlung zu vernachlässigen.

Der Priester spricht dieses Gebet, dieses Tagesgebet, mit ausgebreiteten Armen. Dies ist die Orantenhaltung, die die Christen schon in den ersten Jahrhunderten eingenommen haben – wie die Fresken der römischen Katakomben bezeugen –, um Christus nachzuahmen, der mit geöffneten Armen am Kreuz hängt. Und dort ist Christus der Beter, und er ist gleichzeitig das Gebet! Im Gekreuzigten erkennen wir den Priester, der Gott die Verehrung darbringt, die ihm gefällt, also den kindlichen Gehorsam.

Im Römischen Ritus sind die Gebete kurz, aber reich an Bedeutung: Man kann über diese Gebete viele schöne Betrachtungen halten. Sehr schöne! Über ihre Texte immer wieder nachzudenken, auch außerhalb der Messe, kann uns helfen zu lernen, wie wir uns an Gott wenden können, worum wir bitten, welche Worte wir gebrauchen sollen. Möge die Liturgie für uns alle eine wahre Schule des Gebets werden.

 

Quelle: www.vatican.va

 

 


Generalaudienz vom 03.01.2018

 

 

 

Liebe Brüder und Schwestern,
guten Tag!

Indem wir die Katechesen über die Eucharistiefeier wieder aufnehmen, betrachten wir heute im Zusammenhang mit den Eingangsriten den Bußakt. In seiner Nüchternheit fördert er die Haltung, in der man sich bereitet, die heiligen Geheimnisse würdig zu feiern: indem wir vor Gott und den Brüdern und Schwestern unsere Sünden bekennen, indem wir anerkennen, dass wir Sünder sind. Denn die Einladung des Priesters ist an die ganze betende Gemeinde gerichtet, weil wir alle Sünder sind.

Was kann der Herr dem schenken, dessen Herz voll ist mit sich selbst, mit seinem eigenen Erfolg? Nichts, denn der Selbstgerechte ist unfähig, Vergebung zu empfangen, satt wie er ist von seiner vermeintlichen Gerechtigkeit. Denken wir an das Gleichnis vom Pharisäer und vom Zöllner, wo nur dieser – der Zöllner – gerechtfertigt nach Hause zurückgeht, ihm also seine Sünden vergeben sind (vgl. Lk 18,9-14). Wer sich des eigenen Elends bewusst ist und demütig die Augen niederschlägt, spürt, dass der barmherzige Blick Gottes auf ihm ruht. Wir wissen aus Erfahrung, dass nur jener, der seine Fehler anzuerkennen und um Entschuldigung zu bitten vermag, das Verständnis und die Vergebung der anderen empfängt.

Wenn wir in der Stille auf die Stimme des Gewissens hören, können wir erkennen, dass unsere Gedanken fern sind von den göttlichen Gedanken, dass unsere Worte und unser Handeln oft weltlich sind, also von Entscheidungen geleitet, die dem Evangelium entgegenstehen. Daher sprechen wir zu Beginn der Messe gemeinsam den Bußakt durch ein allgemeines Sündenbekenntnis, das in der ersten Person Singular gesprochen wird. Jeder bekennt vor Gott und vor den Brüdern und Schwestern, »dass ich Gutes unterlassen und Böses getan habe – ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken«. Ja, auch Unterlassungssünden: dass ich unterlassen habe, das Gute zu tun, das ich hätte tun können. Oft fühlen wir uns als gute Menschen, denn – so sagen wir – »ich habe niemandem etwas Böses getan«. In Wirklichkeit genügt es nicht, dem Nächsten nichts Böses zu tun, sondern man muss wählen, das Gute zu tun, indem man die Gelegenheiten wahrnimmt, gutes Zeugnis davon zu geben, dass wir Jünger Jesu sind.

Es ist gut hervorzuheben, dass wir sowohl vor Gott als auch vor den Brüdern und Schwestern bekennen, dass wir Sünder sind. Das hilft uns, die Dimension der Sünde zu begreifen: Während sie uns von Gott trennt, trennt sie uns auch von unseren Brüdern und Schwestern und umgekehrt. Die Sünde zerbricht: Sie zerbricht die Beziehung zu Gott, und sie zerbricht die Beziehung zu den Brüdern und Schwestern, die Beziehung in der Familie, in der Gesellschaft, in der Gemeinde: Die Sünde zerbricht immer, sie scheidet, sie trennt. Die Worte, die wir mit dem Mund sprechen, werden begleitet von der Geste, sich an die Brust zu schlagen und dadurch anzuerkennen, dass ich aus eigener Schuld gesündigt habe und nicht aufgrund der Schuld anderer. Denn oft geschieht es, dass wir aus Angst oder Scham mit dem Finger auf andere zeigen, um sie anzuklagen. Es kostet etwas, zuzugeben, schuldig zu sein, aber es tut uns gut, es aufrichtig zu bekennen. Die eigenen Sünden bekennen.

Ich erinnere mich an eine Anekdote, die ein alter Missionar erzählt hat, von einer Frau, die beichten ging und begann, die Fehler ihres Ehemanns aufzuzählen; dann ging sie dazu über, von den Fehlern der Schwiegermutter zu sprechen und dann von den Sünden der Nachbarn. An einem gewissen Punkt sagte der Beichtvater zu ihr: »Meine Dame, sagen Sie mir: Sind Sie fertig? – Sehr gut: Sie sind fertig mit den Sünden der anderen. Jetzt beginnen Sie, mir Ihre eigenen Sünden zu bekennen.« Die eigenen Sünden bekennen!

Nach dem Schuldbekenntnis bitten wir die allerseligste Jungfrau Maria, die Engel und die Heiligen, beim Herrn für uns zu beten. Auch darin ist die Gemeinschaft der Heiligen kostbar: die Fürsprache dieser »verherrlichten Glieder der Kirche, unsere Brüder und Schwestern« (Präfation vom 1. November) stützt uns auf dem Weg zur vollen Gemeinschaft mit Gott, wenn die Sünde endgültig vernichtet sein wird.

Außer mit dem »Confiteor« kann man den Bußakt auch mit anderen Formeln vollbringen, zum Beispiel: »Sei uns gnädig, Herr, wir haben gegen dich gesündigt. Lass uns schauen, Herr,deine Huld und schenk uns dein Heil!« (vgl. Ps 123,3; 85,8; Jer 14,20). Besonders am Sonntag kann man die Segnung und Ausspendung des Weihwassers vornehmen, als Erinnerung an die Taufe (vgl. Messbuch für die Bistümer des deutschen Sprachgebietes, Teil II, Anhang I, S. 1172), die alle Sünden auslöscht. Es ist auch möglich, als Teil des Bußaktes das »Kyrie eléison« zu singen: Mit einem antiken griechischen Ausdruck rufen wir den Herrn – »Kyrios« – an und bitten um sein Erbarmen (vgl. Allgemeine Einführung in das Römische Messbuch, 30).

Die Heilige Schrift schenkt uns leuchtende Vorbilder von »Büßergestalten«, die in sich gehen, nachdem sie eine Sünde begangen haben, und den Mut finden, die Maske abzunehmen und  sich der Gnade zu öffnen, die das Herz erneuert. Denken wir an König David und an die Worte, die ihm im Psalm zugeschrieben werden: »Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld, tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen!« (51,3). Denken wir an den verlorenen Sohn, der zum Vater zurückkehrt, oder auch an den heiligen Petrus, an Zachäus, an die Samariterin. Sich zu messen mit der Zerbrechlichkeit des Lehms, aus dem wir geformt sind, ist eine Erfahrung, die uns stärkt: Während sie uns mit unserer Schwäche konfrontiert, öffnet sie uns das Herz, um das göttliche Erbarmen zu erbitten, das verwandelt und umkehren lässt. Und das ist es, was wir im Bußakt am Anfang der Messe tun.

 

Quelle: www.vatican.va