Generalaudienzen 2019


generalaudienz vom 20.02.2019


 

Liebe Brüder und Schwestern, in der Reihe der Katechesen über das Vaterunser wollen wir heute nachdenken, was es heißt, dass Gott „Vater im Himmel“ ist. Er ist nicht ein gewöhnlicher Vater. Den Vätern hier auf dieser Erde geht es wie allen Menschen. Ihre menschlichen Beziehungen haben bei allem guten Willen ihre Grenzen. Wir Menschen tun uns zuweilen schwer, unsere Liebe wach zu halten. Wir unterliegen den Versuchungen des Egoismus, der Macht und des Haben-Wollens. Gottes Liebe ist radikal anders, hat eine andere Dimension. Seine völlige Liebe können wir in diesem Leben nur in unvollkommener Weise kosten. Wir sind vor Gottes Liebe arme Bettler. Und doch brauchen wir nie an der Treue seiner Liebe zu zweifeln. Wir sind stets die Adressaten seiner Liebe. Selbst wenn wir die Erfahrung gemacht haben, dass es unsere Eltern zuweilen an Liebe fehlen ließen, dürfen wir fest vertrauen: Es gibt einen Gott im Himmel, der uns so wie keiner auf dieser Erde liebt und lieben wird. Wir alle sind Gottes geliebte Kinder, und es gibt nichts im Leben, was diese Leidenschaft für uns auszulöschen vermag.

 

 

Quelle: vatican.va

 

 


generalaudienz vom 13.02.2019


 

Liebe Brüder und Schwestern, wirkliches Gebet ist eine Herzensangelegenheit. Es ist ein stilles Zwiegespräch, wie die Begegnung der Blicke zweier Liebender. Diese Intimität und Vertrautheit, die jedem echten Gebet eigen ist, bedeutet aber keinesfalls eine reine Innerlichkeit, welche die Welt, das Zeitgeschehen und die anderen Menschen außen vor ließe. Bezeichnenderweise fehlt im Vaterunser ein Wort, das uns normalerweise sehr wichtig ist: das Wort „Ich“. Denn Gebet ist Dialog, ist ganz ausgerichtet auf das Du Gottes: „Geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe“. Im zweiten Teil geht das Herrengebet über zum „Wir“: „Unser tägliches Brot gib uns heute, vergib uns unsere Schuld, erlöse uns von dem Bösen”. Wer in rechter Weise betet, bittet nicht für sich allein, sein Bitten bezieht alle mit ein, besonders die Armen. Das Gebet zum Vater ist immer das Gebet einer solidarischen Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern. Der Christ ist gerufen, die Nöte seiner Brüder und Schwestern zu den seinen zu machen, mit ihnen mitzuleiden. Dieses „Wir“, das der Herr lehrt, lässt uns unsere Verantwortung fühlen, die wir für unsere Brüder und Schwestern haben, auch für die, die wir nicht so gerne mögen, auch für die Sünder. Denn alle sind wir geliebte Kinder des einen Vaters.

 

 

Quelle: vatican.va

 

 


generalaudienz vom 06.02.2019


 

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

 

In den vergangenen Tagen habe ich eine kurze Apostolische Reise in die Vereinigten Arabischen Emirate durchgeführt. Eine kurze, aber sehr wichtige Reise, die an die Begegnung in Al-Azhar in Ägypten angeknüpft und ein neues Kapitel in der Geschichte des Dialogs zwischen Christentum und Islam sowie der Bemühungen um die Förderung des Friedens in der Welt auf der Grundlage der Brüderlichkeit unter den Menschen geschrieben hat.

 

Zum ersten Mal hat ein Papst sich auf die Arabische Halbinsel begeben. Und die Vorsehung hat gewollt, dass es ein Papst mit dem Namen Franziskus ist, 800 Jahre nach dem Besuch des heiligen Franz von Assisi beim Sultan al-Malik al-Kamil. Ich habe während dieser Reise oft an den heiligen Franziskus gedacht: Er hat mir geholfen, das Evangelium, die Liebe Jesu Christi im Herzen zu tragen, während ich die verschiedenen Augenblicke des Besuchs erlebt habe. In meinem Herzen war das Evangelium Christi, das Gebet zum Vater für alle seine Kinder, besonders für die Ärmsten, für die Opfer des Unrechts, der Kriege, des Elends…Das Gebet, dass der Dialog zwischen Christentum und Islam der entscheidende Faktor für den Frieden in der heutigen Welt sein möge.

 

Ich danke von Herzen dem Kronprinzen, dem Präsidenten, dem Vizepräsidenten sowie allen Autoritäten der Vereinigten Arabischen Emirate, die mich mit großer Freundlichkeit empfangen haben. Jenes Land ist in den letzten Jahrzehnten sehr gewachsen: Es ist zu einer Wegkreuzung zwischen Ost und West geworden, zu einer multiethnischen und multireligiösen »Oase« und daher zu einem geeigneten Ort, um die Kultur der Begegnung zu fördern.

 

Meinen aufrichtigen Dank bringe ich Bischof Paul Hinder, dem Apostolischen Vikar für das südliche Arabien, zum Ausdruck, der das Ereignis für die katholische Gemeinschaft organisiert hat, und mein herzlicher Dank gilt auch den Priestern, den Ordensleuten und den Laien, die die christliche Präsenz in jener Region beseelen.

 

Ich hatte Gelegenheit, den ersten Priester – einen 90-jährigen – zu begrüßen, der dorthin gegangen war, um viele Gemeinden zu gründen. Er sitzt im Rollstuhl, ist blind, aber er hat stets ein Lächeln auf den Lippen, das Lächeln, dem Herrn gedient und viel Gutes getan zu haben. Ich habe auch einen anderen 90-jährigen Priester begrüßt –, aber er konnte gehen und arbeitet auch weiterhin. Sehr gut! – und viele Priester, die im Dienst der christlichen Gemeinden des lateinischen Ritus, des syro-malabarischen Ritus, des syro-malankarischen Ritus, des maronitischen Ritus dort sind und die aus dem Libanon, aus Indien, von den Philippinen und aus anderen Ländern kommen.

 

Außer den Ansprachen wurde in Abu Dhabi noch ein weiterer Schritt getan: Der Großimam von Al-Azhar und ich haben das Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen unterzeichnet, in dem wir zusammen die gemeinsame Berufung aller Männer und Frauen bekräftigen, Geschwister zu sein als Söhne und Töchter Gottes; in dem wir jede Form von Gewalt verurteilen, vor allem jene mit religiösen Motiven verbrämte, und uns bemühen, in der Welt die wahren Werte und den Frieden zu verbreiten. Dieses Dokument wird in den Schulen und Universitäten vieler Länder studiert werden. Aber auch ich lege euch ans Herz, es zu lesen und kennenzulernen, weil es sehr dazu anspornt, im Dialog über die Brüderlichkeit der Menschen fortzuschreiten.

 

In einer Zeit wie der unseren, in der die Versuchung stark ist, einen Zusammenprall zwischen der christlichen und der islamischen Zivilisation zu sehen und die Religionen auch als Konfliktherde zu betrachten, wollten wir ein weiteres deutliches und entschiedenes Zeichen setzen, dass es vielmehr möglich ist, einander zu begegnen, dass es möglich ist, einander zu respektieren und miteinander zu sprechen, und dass die christliche und die islamische Welt trotz der Vielfalt der Kulturen und Traditionen gemeinsame Werte anerkennen und schützen: das Leben, die Familie, den Sinn für das Religiöse, die Ehrfurcht gegenüber den alten Menschen, die Erziehung und Bildung der jungen Menschen und noch weitere.

 

In den Vereinigten Arabischen Emiraten leben ungefähr etwas über eine Million Christen: Arbeiter, die aus verschiedenen Ländern Asiens stammen. Gestern Vormittag hatte ich eine Begegnung mit Vertretern der katholischen Gemeinde in der Kathedrale Sankt Joseph in Abu Dhabi, ein sehr einfaches Gotteshaus. Und dann, nach dieser Begegnung, habe ich für alle die Messe gefeiert. Es waren sehr viele!

 

Es heißt, dass im Stadion, das ein Fassungsvermögen von 40.000 Personen hat, und vor dem Stadion an den Großbildschirmen insgesamt 150.000 Menschen waren! Ich habe die Eucharistie im Stadion der Stadt gefeiert und das Evangelium der Seligpreisungen verkündet. In der Messe, die ich zusammen mit den anwesenden Patriarchen, Großerzbischöfen und Bischöfen  gefeiert habe, haben wir insbesondere für Frieden und Gerechtigkeit gebetet, mit besonderem Anliegen für den Nahen Osten und für den Jemen. Liebe Brüder und Schwestern, diese Reise gehört zu den »Überraschungen« Gottes. Preisen wir daher ihn und seine Vorsehung, und beten wir, dass die ausgestreuten Samenkörner nach seinem heiligen Willen Frucht tragen mögen.

 

 

Quelle: vatican.va

 

 


generalaudienz vom 30.01.2019


 

Heute möchte ich mit euch über die Apostolische Reise nach Panama sprechen, die ich in den vergangenen Tagen durchgeführt habe. Ich lade euch ein, zusammen mit mir dem Herrn für diese Gnade zu danken, die er der Kirche und dem Volk jenes geliebten Landes gewährt hat. Ich danke dem Herrn Staatspräsidenten von Panama und den anderen Autoritäten, den Bischöfen; und ich danke allen ehrenamtlichen Helfern – es waren viele – für ihre herzliche und familiäre Aufnahme. Dasselbe haben wir bei den Menschen gesehen, die überall herbeigeströmt sind, um uns mit großem Glauben und Begeisterung zu begrüßen.

 

Eines hat mich sehr beeindruckt: Die Menschen haben die Kinder auf dem Arm in die Höhe gehoben. Wenn das Papamobil vorüberfuhr, kamen alle mit den Kindern. Sie hoben sie in die Höhe, als wollten sie sagen: »Das ist mein Stolz, das ist meine Zukunft!« Und sie zeigten die Kinder. Aber es waren viele! Und die Väter oder Mütter waren stolz auf jenes Kind. Ich habe gedacht: Wie viel Würde liegt in dieser Geste, und wie vielsagend ist sie für den demographischen Winter, den wir in Europa erleben! Der Stolz jener Familie sind die Kinder. Die Sicherheit für die Zukunft sind die Kinder. Der demographische Winter, ohne Kinder, ist hart!

 

Der Grund für diese Reise war der Weltjugendtag, aber dennoch haben sich an die Begegnungen mit den Jugendlichen weitere Begegnungen mit den Wirklichkeiten des Landes geknüpft: mit den Autoritäten, den Bischöfen, den jugendlichen Straftätern, den geweihten Personen und einem Sozialzentrum. Alles war gleichsam »angesteckt « und »vermengt« mit der freudigen Gegenwart der Jugendlichen: ein Fest für sie und ein Fest für Panama und auch für ganz Zentralamerika, das von vielen Dramen geprägt ist und Hoffnung und Frieden braucht, und auch Gerechtigkeit.

 

Diesem Weltjugendtag ging die Begegnung der Jugendlichen der indigenen Völker und der afroamerikanischen Jugendlichen voraus. Eine schöne Geste: Sie hatten eine fünftätige Begegnung, die indigenen Jugendlichen und die Jugendlichen afrikanischer Abstammung. Es gibt viele in jener Region. Sie haben die Tür zum Weltjugendtag geöffnet. Und das ist eine wichtige Initiative, die das vielfältige Gesicht der Kirche in Lateinamerika noch besser zum Vorschein gebracht hat: Lateinamerika ist das Land der Mestizen. Dann, mit der Ankunft der Gruppen aus aller Welt, hat sich die große Symphonie der Gesichter und der Sprachen gebildet, die typisch ist für dieses Ereignis. All die Flaggen gemeinsam vorbeiziehen zu sehen, sie in den Händen der mit Freude erfüllten Jugendlichen tanzen zu sehen ist ein prophetisches Zeichen, ein Zeichen, das gegen den Strom der traurigen heutigen Tendenz zu konfliktreichen Nationalismen geht, die Mauern errichten und sich der Universalität, der Begegnung zwischen den Völkern verschließen. Es ist ein Zeichen, dass die jungen Christen in der Welt Sauerteig des Friedens sind.

 

Dieser Weltjugendtag hatte eine starke marianische Prägung, denn sein Thema waren die Worte, die die Jungfrau Maria zum Engel gesprochen hat: »Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast« (Lk 1,38). Es war beeindruckend, diese Worte aus dem Mund der Vertreter der Jugendlichen der fünf Kontinente zu hören und vor allem, sie auf ihren Gesichtern durchscheinen zu sehen. Solange es neue Generationen geben wird, die in der Lage sind, zum Herrn zu sagen: »Siehe, da bin ich«, wird es Zukunft geben in der Welt.

 

Zu den Etappen des Weltjugendtags gehört immer der Kreuzweg. Mit Maria hinter Jesus hergehen, der das Kreuz trägt, ist die Schule des christlichen Lebens: Dort lernt man die geduldige, stille, konkrete Liebe. Ich sage euch etwas im Vertrauen: Ich bete sehr gerne den Kreuzweg, weil es bedeutet, mit Maria Jesus nachzufolgen. Und um das in jedem Augenblick tun zu können, trage ich immer einen Kreuzweg im Taschenformat bei mir, den mir eine sehr apostolische Person in Buenos Aires geschenkt hat. Und wenn ich Zeit habe, nehme ich den Kreuzweg und folge ihm. Betet auch ihr den Kreuzweg, denn es bedeutet, Jesus mit Maria auf dem Weg des Kreuzes nachzufolgen, wo er das Leben für uns, für unsere Erlösung hingegeben hat. Im Kreuzweg lernt man geduldige, stille und konkrete Liebe. In Panama haben die Jugendlichen mit Jesus und Maria die Last der Lebensumstände vieler leidender Brüder und Schwestern in Mittelamerika und in der ganzen Welt getragen. Darunter sind viele junge Opfer verschiedener Formen der Sklaverei und der Armut. Und in diesem Sinne waren sehr bedeutsame Augenblicke die Bußliturgie, die ich in einer Besserungsanstalt für Jugendliche gefeiert habe, und der Besuch im Sozialzentrum »Casa Hogar del Buen Samaritano«, das Menschen aufnimmt, die mit HIV/Aids infiziert sind.

 

Höhepunkt des Weltjugendtages und der Reise waren die Gebetsvigil und die Messe mit den Jugendlichen. In der Gebetsvigil – auf jenem Feld voller Jugendlicher, die die Vigil gefeiert, dort geschlafen und um acht Uhr an der Messe teilgenommen haben –, in der Gebetsvigil ist der lebendige Dialog mit allen Jungen und Mädchen erneuert worden, die begeistert waren und auch fähig, still zu sein und zuzuhören. Sie gingen von der Begeisterung über zum Hören und zum stillen Gebet. Ihnen habe ich Maria vor Augen gestellt als jene, die in ihrer Kleinheit mehr »Einfluss« auf die Weltgeschichte genommen hat als jeder andere: Wir haben sie die »Influencerin Gottes« genannt. In ihrem »fiat« haben sich die schönen und starken Zeugnisse einiger Jugendlicher widergespiegelt. Am Sonntagmorgen, in der großen Eucharistiefeier zum Abschluss, hat der auferstandene Christus in der Kraft des Heiligen Geistes erneut zu den Jugendlichen der Welt gesprochen und sie aufgerufen, das Evangelium im Heute zu leben, denn die Jugendlichen sind nicht das Morgen; nein, sie sind das »Heute« für das

 

»Morgen«. Sie sind nicht eine »Zwischenzeit«, sondern sie sind das Heute, das Jetzt der Kirche und der Welt. Und ich habe an die Verantwortung der Erwachsenen appelliert, dass es den Jugendlichen nicht an Unterweisung, Arbeit, Gemeinschaft und Familie mangeln möge. Das ist der Schlüssel in diesem Augenblick in der Welt, denn an diesen Dingen mangelt es. Unterweisung, also Bildung. Arbeit: Wie viele junge Menschen haben keine. Gemeinschaft: Sie müssen sich aufgenommen fühlen, in der Familie, in der Gesellschaft.

 

Die Begegnung mit allen Bischöfen von Zentralamerika war für mich ein Augenblick besonderen Trostes. Gemeinsam haben wir uns unterweisen lassen vom Zeugnis des heiligen Bischofs Óscar Romero, um das »Fühlen mit der Kirche« – das war sein Bischofsmotto – immer besser zu lernen, in der Nähe zu den Jugendlichen, den Armen, den Priestern, zum heiligen gläubigen Gottesvolk.

 

Und einen starken symbolischen Wert hatte die Weihe des Altars der restaurierten Kathedrale »Santa María La Antigua« in Panama-Stadt. Sie war sieben Jahre wegen Restaurierung geschlossen. Ein Zeichen neu entdeckter Schönheit, zur Ehre Gottes und für den Glauben und zum Fest seines Volkes. Das Chrisam, das den Altar weiht, ist dasselbe wie das, welches die Getauften, die Gefirmten, die Priester und die Bischöfe salbt. Möge die Familie der Kirche in Panama und in der ganzen Welt aus dem Heiligen Geist immer neue Fruchtbarkeit schöpfen, damit die Pilgerreise der jungen missionarischen Jünger Jesu Christi fortgesetzt wird und sich in der Welt verbreitet.

 

 

Quelle: vatican.va

 

 


generalaudienz vom 16.01.2019


 

Liebe Brüder und Schwestern, wenn wir das Vaterunser betrachten, sehen wir, dass sich alle Neuheit des Evangeliums in der Anrede „Abba“ – Vater verdichtet. Dieser aramäische Ausdruck gibt gewissermaßen die Stimme Jesu selbst wieder. Wer Jesus kennengelernt und seine Verkündigung gehört hat, spürt in seinem Innern solches Vertrauen zu Gott, dass er ihn Vater nennen kann. Es geht nicht darum, ein Symbol für das Geheimnis Gottes zu verwenden, sondern Jesu ganze Welt ins eigene Herz hineinzunehmen. Wer das tut, kann wirklich das Vaterunser beten. „Abba“ ist die vertraute, innige Anrede eines Kindes an den Vater und drückt die Liebe und Wärme aus, die es in der Geborgenheit bei seinem Vater empfindet. Anhand des Gleichnisses vom barmherzigen Vater lernen wir das Vaterunser in dieser Vertrautheit zu beten. Die offenen Arme des Vaters erinnern auch an das Gemüt einer Mutter, die ihr Kind immer liebt. So reicht schon allein die Anrede „Abba“, die das Beten entfaltet: Denn Gott sucht dich, selbst wenn du ihn nicht suchst, er liebt dich, selbst wenn du ihn vergessen hast, er erkennt in dir eine Schönheit, selbst wenn du meinst, alle Talente vergeudet zu haben. Für einen Christen ist es schon ein Gebet, einfach „Abba“ – Vater zu sagen.

 

 

Quelle: vatican.va

 

 


generalaudienz vom 09.01.2019


 

Liebe Brüder und Schwestern, unsere heutige Katechese nimmt Bezug auf das Lukasevangelium, in dem die für das Leben Jesu charakteristische Atmosphäre des Gebets in besonderer Weise spürbar wird. Jesus ist vor allem ein Betender. Alle seine wichtigen Lebensstationen, wie seine Taufe oder die Verklärung, sind von seinem persönlichen Gebet begleitet. Jesus betet für Petrus, für seine Jünger wie für seine Peiniger. Folglich fragt ihn auch einer seiner Jünger: „Herr lehre uns beten“. Daraufhin erklärt Jesus, mit welchen Worten und in welcher Einstellung seine Jünger beten sollen. Die Haltung soll die eines Glaubenden sein, der sich inständig an Gott wendet. Jesus gibt zu verstehen, dass Gott immer antwortet, dass kein Gebet ungehört verhallt, auch wenn es uns manchmal so scheinen mag. Für diesen Fall empfiehlt Jesus im Gebet auszuharren und nicht aufzugeben. Das Gebet verändert immer die Wirklichkeit: wenn es vielleicht auch nicht die äußeren Umstände verändert, so verwandelt es doch zumindest uns selbst. Der Heilige Geist ist allen verheißen, die beten. Wir können sicher sein, dass Gott antwortet, selbst dann, wenn wir es nicht gleich erkennen können. Eines ist sicher: am Ende eines jeden Lebensweges steht der himmlische Vater, der alle mit offenen Armen empfängt.

 

 

Quelle: vatican.va

 

 


generalaudienz vom 02.01.2019


 

Liebe Brüder und Schwestern, das Vaterunser steht in der Mitte der Bergpredigt, in der Jesus die Grundaussagen seiner Botschaft zusammenfasst. Denken wir an die Seligpreisungen, in denen die Unbedeutenden und am Rande Stehenden zu Protagonisten beim Aufbau des Reiches Gottes werden. Hier werden die üblichen Maßstäbe auf den Kopf gestellt und die Neuheit des Evangeliums tritt hervor. Es geht nicht mehr um die äußere Erfüllung des Gesetzes, sondern um die Wiederentdeckung seines ursprünglichen Sinns: »Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder eures Vaters im Himmel werdet« (Mt 5, 44-45). Seid Kinder eures Vaters im Himmel. Dieses Bewusstsein liegt der ganzen Bergpredigt zugrunde, auch ihrer anspruchsvollen, bisweilen utopisch erscheinenden Ethik. Ein Christ ist nicht einer, der sich müht, besser zu sein als die anderen, sondern derjenige, der zu Gott „Vater“ sagt, sich von der Kraft seiner Liebe erneuern lässt und etwas von seiner Güte in diese Welt hineinträgt. Wenn wir also zu Gott, unserem Vater, in solch einer familiären Beziehung stehen, braucht unser Beten weder die Beachtung und Bewunderung anderer, noch sind dazu viele Worte nötig. Wir müssen uns seine Gunst nicht erst erwerben. Gerade auch beim Beten des Vaterunsers dürfen wir erkennen, wie sehr wir schon immer seine geliebten Kinder sind.

 

Quelle: vatican.va