Generalaudienzen 2019


generalaudienz vom 16.01.2019


 

Liebe Brüder und Schwestern, wenn wir das Vaterunser betrachten, sehen wir, dass sich alle Neuheit des Evangeliums in der Anrede „Abba“ – Vater verdichtet. Dieser aramäische Ausdruck gibt gewissermaßen die Stimme Jesu selbst wieder. Wer Jesus kennengelernt und seine Verkündigung gehört hat, spürt in seinem Innern solches Vertrauen zu Gott, dass er ihn Vater nennen kann. Es geht nicht darum, ein Symbol für das Geheimnis Gottes zu verwenden, sondern Jesu ganze Welt ins eigene Herz hineinzunehmen. Wer das tut, kann wirklich das Vaterunser beten. „Abba“ ist die vertraute, innige Anrede eines Kindes an den Vater und drückt die Liebe und Wärme aus, die es in der Geborgenheit bei seinem Vater empfindet. Anhand des Gleichnisses vom barmherzigen Vater lernen wir das Vaterunser in dieser Vertrautheit zu beten. Die offenen Arme des Vaters erinnern auch an das Gemüt einer Mutter, die ihr Kind immer liebt. So reicht schon allein die Anrede „Abba“, die das Beten entfaltet: Denn Gott sucht dich, selbst wenn du ihn nicht suchst, er liebt dich, selbst wenn du ihn vergessen hast, er erkennt in dir eine Schönheit, selbst wenn du meinst, alle Talente vergeudet zu haben. Für einen Christen ist es schon ein Gebet, einfach „Abba“ – Vater zu sagen.

 

 

Quelle: vatican.va

 

 


generalaudienz vom 09.01.2019


 

Liebe Brüder und Schwestern, unsere heutige Katechese nimmt Bezug auf das Lukasevangelium, in dem die für das Leben Jesu charakteristische Atmosphäre des Gebets in besonderer Weise spürbar wird. Jesus ist vor allem ein Betender. Alle seine wichtigen Lebensstationen, wie seine Taufe oder die Verklärung, sind von seinem persönlichen Gebet begleitet. Jesus betet für Petrus, für seine Jünger wie für seine Peiniger. Folglich fragt ihn auch einer seiner Jünger: „Herr lehre uns beten“. Daraufhin erklärt Jesus, mit welchen Worten und in welcher Einstellung seine Jünger beten sollen. Die Haltung soll die eines Glaubenden sein, der sich inständig an Gott wendet. Jesus gibt zu verstehen, dass Gott immer antwortet, dass kein Gebet ungehört verhallt, auch wenn es uns manchmal so scheinen mag. Für diesen Fall empfiehlt Jesus im Gebet auszuharren und nicht aufzugeben. Das Gebet verändert immer die Wirklichkeit: wenn es vielleicht auch nicht die äußeren Umstände verändert, so verwandelt es doch zumindest uns selbst. Der Heilige Geist ist allen verheißen, die beten. Wir können sicher sein, dass Gott antwortet, selbst dann, wenn wir es nicht gleich erkennen können. Eines ist sicher: am Ende eines jeden Lebensweges steht der himmlische Vater, der alle mit offenen Armen empfängt.

 

 

Quelle: vatican.va

 

 


generalaudienz vom 02.01.2019


 

Liebe Brüder und Schwestern, das Vaterunser steht in der Mitte der Bergpredigt, in der Jesus die Grundaussagen seiner Botschaft zusammenfasst. Denken wir an die Seligpreisungen, in denen die Unbedeutenden und am Rande Stehenden zu Protagonisten beim Aufbau des Reiches Gottes werden. Hier werden die üblichen Maßstäbe auf den Kopf gestellt und die Neuheit des Evangeliums tritt hervor. Es geht nicht mehr um die äußere Erfüllung des Gesetzes, sondern um die Wiederentdeckung seines ursprünglichen Sinns: »Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder eures Vaters im Himmel werdet« (Mt 5, 44-45). Seid Kinder eures Vaters im Himmel. Dieses Bewusstsein liegt der ganzen Bergpredigt zugrunde, auch ihrer anspruchsvollen, bisweilen utopisch erscheinenden Ethik. Ein Christ ist nicht einer, der sich müht, besser zu sein als die anderen, sondern derjenige, der zu Gott „Vater“ sagt, sich von der Kraft seiner Liebe erneuern lässt und etwas von seiner Güte in diese Welt hineinträgt. Wenn wir also zu Gott, unserem Vater, in solch einer familiären Beziehung stehen, braucht unser Beten weder die Beachtung und Bewunderung anderer, noch sind dazu viele Worte nötig. Wir müssen uns seine Gunst nicht erst erwerben. Gerade auch beim Beten des Vaterunsers dürfen wir erkennen, wie sehr wir schon immer seine geliebten Kinder sind.

 

Quelle: vatican.va