GENERALAUDIENZEN 2020


Audienz VOM 30.09.2020

 

Liebe Brüder und Schwestern, wenn Jesus die Menschen von ihren Krankheiten und körperliche Gebrechen heilte, machte er sie auch in ihrem Inneren gesund, indem er ihnen die Sünden vergab und ihre sozialen Nöte in den Blick nahm. Jesus, der alle Geschöpfe erneuert und versöhnt, gibt uns die Gaben, die wir brauchen, um zu lieben und zu heilen, wie er es tat (vgl. Lk 10,1-9; Joh 15,9-17). Wir alle können mit unseren Gaben und Fähigkeiten zur Heilung der Beziehungen beitragen. Wir wollen die Gesellschaft erneuern und nicht einfach zur so genannten „Normalität“ zurückkehren, denn diese Normalität war krank vor Ungerechtigkeit, Ungleichheit und Umweltzerstörung. Die Normalität, zu der wir berufen sind, ist die des Reiches Gottes, wo „die Blinden wieder sehen, die Lahmen wieder gehen, die Aussätzigen rein werden und den Armen das Evangelium verkündet wird“ (vgl. Mt 11,5). In der Normalität des Reiches Gottes reicht das Brot für alle, weil jeder das Seine beiträgt und alles gerecht geteilt wird (vgl. Mt 14,13-21). Wir brauchen dringend eine gute Politik und eine Sozialordnung, die Teilhabe, Fürsorge und Großzügigkeit statt Gleichgültigkeit, Ausbeutung und Eigeninteresse belohnen. Denn nur eine faire und gerechte Gesellschaft ist eine gesunde Gesellschaft.

 

 

Quelle: www.vatican.va

 

Audienz VOM 23.09.2020

 

Liebe Brüder und Schwestern, um die gegenwärtige Krise gut zu überwinden, braucht es neben der Solidarität auch die Subsidiarität. Es gibt nämlich keine echte Solidarität ohne die Beteiligung aller. Jeder hat Verantwortung zu übernehmen, sowohl als Einzelner, wie auch als Glied der Gesellschaft und gemäß der Rolle, die er in ihr hat, entsprechend seinen Grundsätzen und seinem Glauben. Jeder muss die Möglichkeit haben, seinen Beitrag zu leisten und sich zum Wohl der Gesellschaft einzubringen. Keine soziale Gruppe darf daran gehindert werden, was leider allzu oft wegen wirtschaftlicher oder geopolitscher Interessen geschieht. Um eine Krise besser zu bewältigen, muss also die Subsidiarität zur Anwendung kommen, d.h. die Autonomie und die Fähigkeit zur Eigeninitiative sind zu respektieren, besonders gegenüber den schwächeren Teilen der Gesellschaft. Gerade sie sind wichtig, wie uns das paulinische Bild vom Leib und den Gliedern (vgl. 1 Kor 12,22) sagt. Die Beteiligung der mittleren und niedrigeren Ebenen hilft, gewissen negativen Aspekten der Globalisierung und des Handelns der Staaten vorzubeugen. Wenn die Subsidiarität gelebt wird, schenkt sie Hoffnung auf eine heile und gerechte Zukunft. So wollen wir auf eine Zukunft hinarbeiten, wo lokale und globale Dimension sich gegenseitig bereichern.

 

 

 

 

 

Quelle: www.vatican.va

 

Audienz VOM 16.09.2020

 

Liebe Brüder und Schwestern, die Pflegeberufe spielen eine wesentliche Rolle für unsere Gesellschaft, auch wenn ihnen oft nicht die Anerkennung zuteilwird, die sie verdienen. Zu Sorge und Fürsorge sind wir alle gerufen, und diese Haltung sollten wir auch unserem gemeinsamen Haus, der Erde, entgegenbringen. Alles Leben steht in einem tiefen gegenseitigen Zusammenhang, und unsere Gesundheit hängt von der Gesundheit der Ökosysteme ab, die Gott geschaffen und die zu hüten er uns aufgetragen hat (vgl. Gen 2,15). Der Missbrauch der Schöpfung ist daher eine schwere Sünde. Das beste Gegenmittel ist eine kontemplative Betrachtungsweise, die uns lehrt, in Ruhe die Schönheit der Schöpfung zu bestaunen und den Wert zu erkennen, den die Geschöpfe in sich selbst haben und der weit über ihren bloßen Nutzen für uns hinausgeht. Dieser innere Wert der Dinge kommt ihnen von Gott her zu und ist unabhängig von unserer Bewertung. Eine solche Betrachtungsweise bewahrt uns auch vor einem hochmütigen Anthropozentrismus, der den Menschen absolut setzt und früher oder später dazu führt, dass er den Platz Gottes einnehmen will. Die Kontemplation lässt uns aus Gottes Perspektive – und das heißt: voll Liebe und Wohlwollen – auf seine Schöpfung schauen und entsprechend sorgsam mit ihr umgehen. Und schließlich führt uns ein solcher Blick auf die Schöpfung über die Schöpfung hinaus: Sie verweist auf den Schöpfer, auf ihn, der unser aller Ursprung und Vollender ist.

 

 

 

 

Quelle: www.vatican.va

 

Audienz VOM 09.09.2020

 

 

Liebe Brüder und Schwestern,

 

die christliche Antwort auf die gegenwärtige Krise findet ihre Grundlegung in der Liebe Gottes, die uns immer vorausgeht. Er liebt uns bedingungslos und, wenn wir diese göttliche Liebe annehmen, können wir nicht nur die lieben, die uns nahestehen, sondern sogar unsere Feinde. Es handelt sich hierbei um eine Kunst, in der wir beständig wachsen müssen. Die Liebe beschränkt sich nicht nur auf die Beziehung zwischen zwei Personen, sondern sie umfasst auch die zivile und politische Dimension. Sie befruchtet die Familien und die Freundschaften, aber auch die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse, um eine Zivilisation der Liebe zu erbauen, die auf dem Gemeinwohl gründet. Es ist die Pflicht jedes Einzelnen, hierzu beizutragen. Der heilige Ignatius von Loyola lehrt in diesem Sinne, dass die Ausrichtung der täglichen Mühen auf das Gemeinwohl eine Art ist, zur Ehre Gottes zu wirken. Auch die bescheidenste Geste kann so helfen, die Liebe Gottes in dieser Welt sichtbar zu machen, die sie von ihren Übeln heilen kann.

 

 

 

Quelle: www.vatican.va

 

Audienz VOM 02.09.2020

 

 

Liebe Brüder und Schwestern,

 

die gegenwärtige Pandemie zeigt, wie sehr wir alle miteinander verbunden sind – im Schlechten wie im Guten. Daher können wir nur gemeinsam und solidarisch diese Krise überwinden. Solidarität ist mehr als die ein oder andere großzügige Geste. Es geht dabei um eine Mentalität, eine Gesinnung des „Wir“, für die jeder Mensch gleich wichtig und wertvoll ist. Solidarität bedeutet also auch Gerechtigkeit (vgl. KKK 1938-1940). Mit der Erzählung vom Turmbau zu Babel (vgl. Gen 11,1-9) führt uns die Bibel vor Augen, was passiert, wenn wir „hoch hinaus“ wollen, dabei aber die Verbindung mit den Mitmenschen, mit der Schöpfung und mit dem Schöpfer ignorieren. Im Gegensatz zu Babel steht das Pfingstereignis (vgl. Apg 2,1-3). Der Heilige Geist kommt wie Wind und Feuer von oben auf die Apostel herab, erfüllt sie mit der Kraft Gottes und drängt die ängstlich verschlossene Gesellschaft, hinauszugehen und Jesus, den Herrn, überall zu verkünden. Der Geist schafft Einheit in Vielfalt, denn jeder ist mit seiner Eigenheit wichtig für den Aufbau der Gemeinschaft. Eine solche solidarische Vielfalt verhindert zum einen, dass die Einzigartigkeit jedes Einzelnen in Individualismus und Egoismus abdriftet. Zum anderen saniert sie jene sozialen Strukturen und Prozesse, die zu Systemen von Ungerechtigkeit und Unterdrückung degeneriert sind (vgl. Kompendium der Soziallehre der Kirche, 192). Der Heilige Geist verleihe uns die Kreativität, neue Formen familiärer Gastfreundschaft und universaler Solidarität zu entwickeln.

 

 

 

Quelle: www.vatican.va

 

Audienz VOM 26.08.2020

 

 

Liebe Brüder und Schwestern,

 

in unseren Mittwochskatechesen befassen wir uns zurzeit mit der Frage, wie die Kirche zur Heilung der durch die Pandemie verstärkt auftretenden sozialen Krankheiten, wie Ungleichheit und Ausgrenzung der Ärmsten, beitragen kann. Es gilt, vor allem Zeichen der Hoffnung zu setzen. Die sozialen Krankheiten sind Frucht eines ungerechten wirtschaftlichen Wachstums, das grundlegende menschliche Werte missachtet. Dass einige wenige sehr Reiche mehr besitzen als der Rest der Menschheit ist ein himmelschreiendes Unrecht. Darüber hinaus führt die soziale Ungleichheit in gleichem Maße zur Schädigung der Umwelt, zum Verlust der Biodiversität, zum Klimawandel, zum Anstieg des Meeresspiegels und zur Zerstörung der tropischen Regenwälder. Gott hat die Erde uns allen geschenkt, damit wir sie wie einen Garten kultivieren und bewahren. Die Ansprüche des Einzelnen müssen daher gegenüber dem Gemeinwohl zurücktreten. Wenn die Besessenheit des Habens und Herrschens Millionen von Menschen vom Lebensnotwendigen ausschließt, wenn die wirtschaftliche und technologische Ungleichheit das soziale Netz zerreißt, wenn die Abhängigkeit von einem grenzenlosen Wachstum das gemeinsame Haus gefährdet, dann können wir nicht schweigen. Wir müssen gemeinsam handeln. Wenn wir wie die ersten Christen in der Apostelgeschichte zusammenlegen, was wir besitzen, damit kein Bedürftiger darben muss, können wir wahrhaftig Hoffnung wecken und wieder eine gesundere und gerechtere Welt errichten.

 

 

Quelle: www.vatican.va

 

Audienz VOM 19.08.2020

 

Liebe Brüder und Schwestern, die Pandemie hat die schwierige Lage der Armen und die große Ungleichheit in der Welt deutlich aufgezeigt. Es braucht daher nicht nur Lösungen zur Bekämpfung des Krankheitserregers, sondern auch Heilmittel gegen das „große Virus“ der sozialen Ungerechtigkeit und Ausgrenzung der Ärmsten. Nach dem Vorbild Jesu ist die Zuwendung zu den Armen, Geringen, Kranken und Ausgegrenzten ein entscheidendes Kriterium christlicher Authentizität (vgl. Evangelii gaudium 195). Die vorrangige Option für die Armen entspringt der Liebe Gottes und ist nicht die Aufgabe einiger weniger, sondern Sendung der ganzen Kirche. So geht diese Option über die notwendige konkrete Unterstützung hinaus und bedeutet, dass wir gemeinsam mit den Armen unterwegs sind, dass wir uns von den Notleidenden evangelisieren, von ihrer Erfahrung des Heils, ihrer Weisheit und Kreativität „anstecken“ lassen (vgl. ebd., 198). Wir müssen zusammenarbeiten, um kranke soziale Strukturen zu heilen und zu verändern. So stellt die Rückkehr zur Normalität eine Chance dar, etwas Neues aufzubauen, eine Wirtschaft zu schaffen, die wirklich die Menschen ins Zentrum stellt und eine echte ganzheitliche Entwicklung der Armen fördert. Ausgehend von der Liebe Gottes wird eine heilere Welt möglich sein.

 

 

Quelle: www.vatican.va

 

Audienz VOM 12.08.2020

 

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

 

Die Pandemie hat deutlich gezeigt, wie verwundbar wir sind und wie sehr wir alle miteinander verbunden sind. Wenn wir nicht füreinander Sorge tragen, begonnen bei den Geringsten, bei jenen, die am meisten betroffen sind, einschließlich der Schöpfung, dann können wir die Welt nicht heilen. Lobenswert ist der Einsatz so vieler Menschen, die in diesen Monaten die menschliche und christliche Liebe zum Nächsten unter Beweis stellen, indem sie sich um die Kranken kümmern, auch wenn sie dabei ihre eigene Gesundheit gefährden. Sie sind Helden!

 

Das Coronavirus ist aber nicht die einzige Krankheit, die bekämpft werden muss, sondern die Pandemie hat größere – nämlich soziale – Krankheiten ans Tageslicht gebracht. Eine davon ist die verzerrte Sicht auf den Menschen: eine Sicht, die seine Würde und sein auf Beziehung beruhendes Wesen außer Acht lässt. Manchmal betrachten wir die anderen wie Gegenstände, die benutzt und weggeworfen werden können. In Wirklichkeit macht diese Sichtweise blind und fördert eine individualistische und aggressive Wegwerfkultur, die den Menschen zu einem Konsumgut macht (vgl. Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 53; Enzyklika Laudato si’, 22).

 

Im Licht des Glaubens wissen wir dagegen, dass Gott den Mann und die Frau auf eine andere Weise sieht. Er hat uns nicht als Gegenstände erschaffen, sondern als geliebte Personen, die ihrerseits fähig sind zu lieben; er hat uns nach seinem Bild, ihm ähnlich erschaffen (vgl. Gen 1,27). Auf diese Weise hat er uns eine einzigartige Würde geschenkt und uns eingeladen, in Gemeinschaft mit ihm zu leben, in Gemeinschaft mit unseren Schwestern und unseren Brüdern, in der Achtung der ganzen Schöpfung. In Gemeinschaft, in Harmonie, können wir sagen. Die Schöpfung ist eine Harmonie, in der zu leben wir aufgerufen sind. Und in dieser Gemeinschaft, in dieser Harmonie, die Gemeinschaft ist, schenkt Gott uns die Fähigkeit, Leben zu schenken und zu bewahren (vgl. Gen 1,28-29), zu arbeiten und für die Erde Sorge zu tragen (vgl. Gen 2,15; Laudato si’, 67). Natürlich kann man das Leben nicht hervorbringen und bewahren ohne die Harmonie; es wird zerstört.

 

Von dieser individualistischen Sicht, von dem, was keine Harmonie ist, haben wir ein Beispiel in den Evangelien, in der Bitte, die die Mutter der Jünger Jakobus und Johannes an Jesus richtet (vgl. Mt 20,20-28). Sie möchte, dass ihre Söhne rechts und links neben dem neuen König sitzen dürfen. Aber Jesus schlägt eine andere Sicht vor: die Sicht zu dienen und sein Leben für die anderen hinzugeben. Und er bestätigt dies, indem er gleich darauf zwei Blinden das Augenlicht zurückgibt und sie zu seinen Jüngern macht (vgl. Mt 20,29-34).

 

Zu versuchen, im Leben nach oben zu kommen, den anderen überlegen zu sein, zerstört die Harmonie. Es ist die Logik der Herrschaft, die anderen zu beherrschen. Die Harmonie ist etwas anderes: Sie ist das Dienen. Bitten wir also den Herrn, uns Augen zu schenken, die achtgeben auf die Brüder und Schwestern, besonders auf jene, die leiden. Als Jünger Jesu wollen wir weder gleichgültig noch individualistisch sein: Das sind zwei schlimme Haltungen, die gegen die Harmonie gehen. Gleichgültig: Ich wende den Blick ab. Individualistisch: Nur auf das eigene Interesse schauen. Die von Gott geschaffene Harmonie bittet uns, die anderen anzublicken, die Nöte der anderen, die Probleme der anderen, in Gemeinschaft zu sein. Wir wollen in jedem Menschen, unabhängig von seiner Hautfarbe, Sprache oder sozialen Stellung, die menschliche Würde erkennen. Die Harmonie bringt dich dazu, die menschliche Würde zu erkennen, jene von Gott geschaffene Würde, mit dem Menschen im Mittelpunkt.

 

Das Zweite Vatikanische Konzil hebt hervor, dass diese Würde unveräußerlich ist, weil sie »›nach dem Bild Gottes‹ geschaffen ist« (Pastorale Konstitution Gaudium et spes, 12). Sie ist die Grundlage des ganzen sozialen Lebens und bestimmt seine operativen Grundsätze. In der modernen Kultur ist der Bezugspunkt, der dem Prinzip der unveräußerlichen Würde des Menschen am nächsten ist, die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die der heilige Johannes Paul II. als einen »Meilenstein auf dem langen und schwierigen Weg der Menschheit« (Ansprache an die Vollversammlung der Vereinten Nationen, 2. Oktober 1979, 7) bezeichnet hat und als »eine der höchsten Ausdrucksformen des menschlichen Gewissens« (Ansprache an die Vollversammlung der Vereinten Nationen, 5. Oktober 1995, 2).

 

Die Rechte sind nicht nur individuell, sondern auch sozial; es sind die Rechte der Völker, der Nationen (vgl. Kompendium der Soziallehre der Kirche, 157). Denn der Mensch in seiner persönlichen Würde ist ein soziales Wesen, geschaffen nach dem Bild des dreieinigen Gottes. Wir sind soziale Wesen, wir haben das Bedürfnis, in dieser sozialen Harmonie zu leben. Aber wenn Egoismus vorhanden ist, dann geht unser Blick nicht zu den anderen, zur Gemeinschaft, sondern er kehrt zu uns selbst zurück, und das macht uns hässlich, böse, egoistisch und zerstört die Harmonie. Dieses erneuerte Bewusstsein um die Würde eines jeden Menschen hat ernsthafte soziale, wirtschaftliche und politische Auswirkungen. Den Bruder und die ganze Schöpfung als von der Liebe des Vaters empfangenes Geschenk zu betrachten bringt ein Verhalten hervor, das von Aufmerksamkeit, Fürsorge und Staunen geprägt ist.

 

So blickt der Gläubige, indem er den Nächsten als Bruder und nicht als Fremden betrachtet, auf ihn mit Mitgefühl und Empathie, nicht mit Verachtung oder Feindseligkeit. Und indem er die Welt im Licht des Glaubens betrachtet, bemüht er sich, mit Hilfe der Gnade seine Kreativität und seine Begeisterung zu entwickeln, um die Dramen der Geschichte zu lösen. Er versteht und entwickelt seine Fähigkeiten als Verantwortungen, die seinem Glauben entspringen (vgl. ebd.), als Gaben Gottes, die in den Dienst der Menschheit und der Schöpfung gestellt werden müssen. Während wir alle etwas für den Schutz vor einem Virus tun, das alle ohne Unterschied betrifft, ermahnt uns der Glaube, uns ernsthaft und tatkräftig dafür einzusetzen, der Gleichgültigkeit gegenüber den Verletzungen der Würde des Menschen entgegenzuwirken.

 

Die Kultur der Gleichgültigkeit, die die Wegwerfkultur begleitet: Die Dinge, die mich nicht betreffen, interessieren mich nicht. Der Glaube verlangt immer, uns von unserem Individualismus – sowohl auf persönlicher als auch auf kollektiver Ebene – heilen und bekehren zu lassen; von einem parteilichen Individualismus zum Beispiel. Möge der Herr uns »das Augenlicht zurückgeben«, um neu zu entdecken, was es bedeutet, Glieder der Menschheitsfamilie zu sein. Und möge dieser Blick zu konkretem Handeln werden: zu Taten des Mitgefühls und der Achtung für jeden Menschen und zur Bewahrung und zum Schutz unseres gemeinsamen Hauses.

 

Quelle: www.vatican.va

 

Audienz VOM 05.08.2020

 

Liebe Brüder und Schwestern,

 

die Pandemie der vergangenen Monate hat uns die Verwundbarkeit der Menschheit vor Augen geführt. Es sind Krankheiten in unserem sozialen Gefüge entstanden, und wir wollen in den kommenden Katechesen versuchen, im Licht des Evangeliums sowie mit den göttlichen Tugenden und den Prinzipien der christlichen Soziallehre eine Antwort darauf zu finden. Jesus Christus hat uns das Reich Gottes verkündet, das Gerechtigkeit und Frieden, Heilung und Heil bringt. Dieses Reich zeigt sich in Werken der Nächstenliebe, die ihrerseits die Hoffnung wachsen lassen und den Glauben stärken. Die Begegnung mit der Heilsbotschaft lädt uns wieder neu ein, mit Kreativität und Erneuerungswillen die ungerechten Strukturen wie auch das destruktive Verhalten, die unter uns Spaltungen hervorriefen und die menschliche Familie sowie den Planeten bedrohen, von innen her zu überwinden. Das Wirken Jesu ist uns darin ein Vorbild. Wir sehen, dass die Krankenheilungen nicht nur das Körperliche betreffen. Jesus hat immer den Menschen als Ganzes im Blick und schenkt auch geistliche Heilung. Die Kirche ist berufen, „in der Kraft des Heiligen Geistes sein Heilungs- und Heilswerk fortzusetzen“ (KKK 1421). Ihr Auftrag ist es, die „sozialen Krankheiten“ zu bekämpfen und die Prinzipien der Menschenwürde, des Gemeinwohls, der vorrangigen Option für die Armen, der allgemeinen Bestimmung der Güter, der Solidarität und Subsidiarität sowie der Sorge für das gemeinsame Haus zu wahren und zu befördern. 

 

Quelle: www.vatican.va

 

Audienz VOM 24.06.2020

 

Liebe Brüder und Schwestern, heute wollen wir die Gestalt des Königs David und sein Beten näher betrachten. Schon als junger Mann wird er von Gott auserwählt, um eine einzigartige Sendung zu erfüllen, die in der Geschichte des Gottesvolkes und in unserem Glauben eine zentrale Rolle einnimmt, denn aus der Nachkommenschaft Davids geht der Messias hervor. Daher wird Jesus in den Evangelien auch mehrfach „Sohn Davids“ genannt. Bereits als junger Hirte lobt David Gott mit dem Spiel seiner Leier. Auch dann als König lebt er im Bewusstsein, Hirte seines Volkes zu sein, der für es sorgt und es vor Gefahren schützt. Er ist der König „nach dem Herzen Gottes“, der für sein Volk in dessen Namen betet (vgl. KKK 2579). Obgleich David sich nicht immer des hohen Amtes würdig erweist und sich in schwere Schuld verstrickt, durchzieht sein Leben ein roter Faden: Immer bleibt er mit Gott im Gespräch und übergibt ihm darin Freude und Schuld, Liebe und Leiden, Freundschaft und Krankheit. So ist David auch der Schöpfer der Psalmen, in denen zum Ausdruck kommt, dass er als Heiliger und Sünder die Verbindung mit Gott aufrecht hält, der ihn stets begleitet und niemals allein lässt.

 

 

Quelle: www.vatican.va

 

Audienz VOM 17.06.2020

 

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

 

Auf unserem Weg zum Thema des Gebets merken wir, dass Gott es nie gerne mit »unkomplizierten« Betern zu tun hatte. Und auch Mose wird kein »schwacher« Gesprächspartner sein, vom ersten Tag seiner Berufung an.

 

Als Gott ihn beruft, ist Mose menschlich betrachtet ein »Versager«. Das Buch Exodus stellt ihn uns als Flüchtling im Land Midian vor Augen. Als junger Mann hatte er Mitleid gehabt mit seinem Volk und hatte sich auch auf die Seite der Unterdrückten gestellt. Aber schnell entdeckt er, dass trotz der guten Vorsätze aus seinen Händen keine Gerechtigkeit, sondern allenfalls Gewalt hervorgeht. Hier zerbrechen die Träume von Ruhm und Herrlichkeit: Mose ist kein vielversprechender Funktionär mehr, der zu einer raschen Karriere bestimmt ist, sondern jemand, der seine Chancen verspielt hat und jetzt eine Herde weidet, die nicht einmal die seine ist. Und genau dort, in der Stille der Wüste von Midian, ruft Gott Mose in der Offenbarung des brennenden Dornbusches: »Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Da verhüllte Mose sein Gesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen« (Ex 3,6).

 

Dem Gott, der spricht, der ihn auffordert, wieder Sorge zu tragen für das Volk Israel, bringt Mose seine Ängste, seine Einwände entgegen: Er ist jener Sendung nicht würdig, er kennt den Namen Gottes nicht, die Israeliten werden ihm nicht glauben, er hat eine stammelnde Sprache… Und so hat er viele Einwände. Das Wort, das auf den Lippen des Mose am häufigsten zu vernehmen ist, in jedem Gebet, das er an Gott richtet, ist die Frage: »Warum?« Warum hast du mich gesandt? Warum willst du dieses Volk befreien? Im Pentateuch gibt es sogar einen dramatischen Abschnitt, wo Gott Mose seinen Mangel an Vertrauen vorhält – einen Mangel, der ihm den Eintritt in das Gelobte Land verwehren wird (vgl. Num 20,12).

 

Wie kann Mose mit diesen Ängsten, mit diesem oft wankelmütigen Herzen beten? Mose scheint sogar ein Mensch wie wir zu sein. Und auch das passiert uns: Wenn wir Zweifel haben, wie können wir dann beten? Es gelingt uns nicht zu beten. Und nicht nur wegen seiner Stärke, sondern gerade wegen dieser Schwäche beeindruckt Mose uns. Obgleich er von Gott beauftragt ist, seinem Volk das Gesetz weiterzugeben, als Religionsstifter, als Mittler der höchsten Geheimnisse, wird er dennoch nicht aufhören, enge Bande der Solidarität mit seinem Volk zu unterhalten, besonders in der Stunde der Versuchung und der Sünde. Stets mit dem Volk verbunden. Mose hat nie die Erinnerung an sein Volk verloren. Und das ist eine Größe der Hirten: das Volk nicht zu vergessen, die Wurzeln nicht zu vergessen. Es ist das, was Paulus zu seinem geliebten jungen Bischof Timotheus sagt: »Erinnere dich an deine Mutter und an deine Großmutter, an deine Wurzeln, an dein Volk.« Mose ist Gott so nah, dass er von Angesicht zu Angesicht mit ihm sprechen kann (vgl. Ex 33,11); und er wird den Menschen so nah bleiben, dass er Erbarmen für ihre Sünden, für ihre Versuchungen empfinden wird, für die plötzliche Sehnsucht nach der Vergangenheit, wenn sie nach ihrem Auszug an die Zeit zurückdenken, als sie in Ägypten waren. Mose verleugnet Gott nicht, aber er verleugnet auch sein Volk nicht. Er steht konsequent zu seinem Volk, er steht konsequent zur Stimme Gottes. Mose ist also kein autoritärer und despotischer Anführer; ja, das Buch Numeribezeichnet ihn sogar als »demütiger als alle Menschen auf der Erde« (vgl. 12,3).

 

Trotz seiner privilegierten Position hört Mose nicht auf, zu jener Schar der Armen vor Gott zu gehören, die in ihrem Leben das Vertrauen auf Gott zu ihrer Wegzehrung machen. Er ist ein Mann des Volkes. So ist die Mose eigene Form zu beten die Fürsprache (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 2574). Sein Glaube an Gott ist eins mit dem Gefühl der Vaterschaft, das er seinem Volk gegenüber hegt. Die Schrift stellt ihn gewöhnlich mit zu Gott erhobenen Händen dar, gleichsam als würde er mit seiner Person eine Brücke zwischen Himmel und Erde bilden. Auch in den schwierigsten Augenblicken, sogar an dem Tag, an dem das Volk Gott und ihn selbst als Anführer verstößt, um sich ein goldenes Kalb zu machen, möchte Mose sein Volk nicht aufgeben. Es ist mein Volk. Es ist dein Volk. Es ist mein Volk. Und er verleugnet weder Gott noch das Volk. Und er sagt zu Gott: »Ach, dieses Volk hat eine große Sünde begangen. Götter aus Gold haben sie sich gemacht. Jetzt nimm ihre Sünde von ihnen! Wenn nicht, dann streich mich aus dem Buch, das du geschrieben hast« (Ex 32,31-32).

 

Mose tauscht das Volk nicht ein. Er ist die Brücke, er ist der Fürsprecher. Beide, das Volk und Gott, und er dazwischen. Er verkauft sein Volk nicht, um Karriere zu machen. Er ist kein Emporkömmling, sondern ein Fürsprecher: für seine Leute, für sein Fleisch und Blut, für seine Geschichte, für sein Volk und für Gott, der ihn berufen hat. Er ist die Brücke. Was für ein schönes Vorbild für alle Hirten, die eine »Brücke« sein müssen. Daher nennt man sie »pontifex«, Brückenbauer. Die Hirten sind Brücken zwischen dem Volk, zu dem sie gehören, und Gott, zu dem sie aus Berufung gehören. So ist Mose: »Vergib, Herr, ihre Sünde, wenn nicht, dann streich mich aus dem Buch, das du geschrieben hast. Ich will keine Karriere machen mit meinem Volk.«

 

Und das ist das Gebet, das die wahren Gläubigen in ihrem geistlichen Leben pflegen. Auch wenn sie die Verfehlungen der Menschen und ihre Gottesferne erfahren, verurteilen diese Beter sie nicht, lehnen sie nicht ab. Die Haltung der Fürsprache ist den Heiligen zu eigen, die Jesus nachahmen und »Brücken« zwischen Gott und seinem Volk sind. In diesem Sinne war Mose der größte Prophet Jesu, unser Beistand und Fürsprecher (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 2577). Und auch heute ist Jesus der »pontifex«, ist er die Brücke zwischen uns und dem Vater. Und Jesus hält Fürsprache für uns, er zeigt dem Vater die Wunden, die der Preis für unser Heil sind, und hält Fürsprache. Und Mose ist ein Bild Jesu, der heute für uns betet, für uns Fürsprache hält.

 

Mose spornt uns an, mit demselben Eifer wie Jesus zu beten, Fürsprache zu halten für die Welt, in Erinnerung zu rufen, dass sie trotz all ihrer Schwächen immer Gott gehört. Alle gehören Gott. Die schlimmsten Sünder, die bösartigsten Menschen, die korruptesten Anführer sind Kinder Gottes, und Jesus spürt das und hält Fürsprache für alle. Und die Welt lebt und gedeiht dank des Segens des Gerechten, des frommen Gebets, dieses frommen Gebets, das der Heilige, der Gerechte, der Fürsprecher, der Priester, der Bischof, der Papst, der Laie, jeder Getaufte unablässig für die Menschen erhebt, an jedem Ort und zu jeder Zeit der Geschichte. Denken wir an Mose, den Fürsprecher. Und wenn uns das Verlangen überkommt, jemanden zu verurteilen, und wir innerlich zornig werden – zornig werden tut gut, aber verurteilen tut nicht gut –, dann halten wir Fürsprache für ihn: Das wird uns sehr helfen.

  

 

 

Quelle: www.vatican.va

 

Audienz VOM 10.06.2020

 

Liebe Brüder und Schwestern, im Rahmen unserer Mittwochskatechesen über das Gebet betrachten wir heute eine Episode aus dem Alten Testament: das Ringen des Patriarchen Jakob mit Gott bei seiner Rückkehr in das Land seiner Väter. Jakob war schlau und gerissen; ein Mann, dem alles gelang. Weil er sich das Erstgeburtsrecht erschlichen hatte, musste er vor seinem Bruder Esau fliehen, doch im Ausland gelangte er zu Reichtum und Ansehen. Bei seiner Rückkehr kämpfte er des nachts mit einem Unbekannten, der ihn schließlich segnete und ihm einen neuen Namen gab: Israel-Gottesstreiter. Jakob ging aus dem Kampf verändert hervor. Er hinkte, und er war geläutert. Gott führte ihn zur Wahrheit des Sterblichen zurück, der seine Grenzen erkennt und Furcht vor dem Höheren empfindet. So trat Jakob in das gelobte Land ein, verletzlich und verwundet, aber mit einem neuen Herz. »Die geistliche Überlieferung der Kirche hat in dieser Geschichte – so sagt der Katechismus – ein Sinnbild des Gebetes gesehen, insofern dieses ein Glaubenskampf und ein Sieg der Beharrlichkeit ist« (KKK 2573). Auch auf uns wartet eine nächtliche Begegnung mit dem Herrn. Er überrascht uns in einem Augenblick, in dem wir es nicht erwarten. Dann wird uns bewusst, dass wir bedürftige Menschen sind. Aber der Herr schenkt seinen Segen allen, die sich von ihm verändern lassen.

 

 

 

Quelle: www.vatican.va

 

Audienz VOM 03.06.2020

 

Liebe Brüder und Schwestern, in unseren Katechesen über das Gebet schauen wir heute auf das Beispiel des Abraham. Gott ruft Abraham, aus seiner Heimat fortzuziehen. Abraham gehorcht und vertraut dem Herrn, auch wenn ihm Gottes Wille schwierig, ja sogar unverständlich erscheint. Sein Handeln im Vertrauen auf Gottes Wort bildet den Anfang einer neuen Weise, die Beziehung zu Gott zu verstehen und zu leben: Gott spricht, und der Mensch empfängt sein Wort, das in seinem Leben Gestalt annehmen will. Das Leben des Gläubigen begreift sich als Berufung, wo sich eine Verheißung verwirklicht. Das Beten Abrahams ist ein Gebet des Glaubens in beständiger Treue zum Wort, das Gott ihm auf seinem Weg immer wieder zuspricht. In Abrahams Leben wird Glaube zur Geschichte: Der Herr ist ihm nicht mehr ein ferner Gott, sondern er wird zu „seinem“ Gott; er ist der Gott der persönlichen Geschichte Abrahams und leitet ihn als Gott der Vorsehung. So wird Abraham ein Vertrauter des Herrn, der mit ihm sogar diskutieren kann. Abraham ist dabei immer Gott treu, bis hin zur äußersten Prüfung, dem Opfer seines Sohnes Isaak. Es zeigt sich hier, dass „die Prüfung des Glaubens an die Treue Gottes“ (KKK 2570) sich im Beten niederschlägt.

 

 

Quelle: www.vatican.va

 

Audienz VOM 27.05.2020

 

Liebe Brüder und Schwestern, im Buch Genesis lesen wir von der Ursünde Adams, in der unsere Stammeltern die unendliche Freigebigkeit des Schöpfers in Frage gestellt haben, weil sie so sein wollten wie Gott. Immer weiter breitete sich seitdem das Übel über die ganze Menschheit aus. Wie aus der Sintflut und dem Turmbau zu Babel deutlich wird, wurde das Bedürfnis nach einem Neuanfang immer dringlicher, das in Christus seine volle Erfüllung finden sollte. Die Heilige Schrift berichtet uns neben der in ihre Sünde verstrickten Menschheit auch von einer anderen verborgenen Wirklichkeit: von gerechten, auf den Herrn hoffenden Menschen wie Abel, der ein Gott wohlgefälliges Erstlingsopfer darbringt, oder von Noach, der durch seinen frommen Lebenswandel die Vernichtung der Menschheit abwendet. Das Gebet der Gerechten bildet einen Schutzwall gegen das wachsende Böse in der Welt, denn es richtet den Blick auf den Herrn aus, der Wüsten des Hasses in blühende Gärten verwandeln kann. Die Herrschaft des Herrn durchzieht über die unscheinbare, aber wirkmächtige Kette dieser oftmals ausgegrenzten, unbemerkten Gerechten die Geschichte der Menschheit und wendet ihre Geschicke, um in Christus die Erlösung zu vollbringen.

 

 

Quelle: www.vatican.va

 

Audienz VOM 20.05.2020

 

Liebe Brüder und Schwestern, unsere heutige Katechese über das Gebet beginnen wir mit einem Blick auf das Geheimnis der Schöpfung. Die einfache Tatsache, dass wir existieren, sowie die Schönheit und Güte alles Seienden öffnen das Herz des Menschen für Gott und regen ihn an zum Gebet (vgl. KKK, 2566). Der biblische Schöpfungsbericht gleicht einem großen Dankhymnus und Lobpreis auf den Schöpfer. Auch in den Psalmen und vielen anderen Stellen der Heiligen Schrift wird deutlich, wie das Staunen des Menschen über die Großartigkeit des Geschaffenen und die unergründliche Allmacht und Liebe des Schöpfers zum Gebet wird. Zugleich wird sich der Beter der eigenen Kleinheit und Bedeutungslosigkeit im großen Ganzen des Kosmos bewusst. Und noch mehr staunt der Mensch über den Wert und die Würde, die ihm dadurch zuteilwird, dass sein Schöpfer ihn so liebevoll bedacht hat. Die Größe des Menschen kommt von Gott. Wenn wir einmal verzagt sind und uns das Beten schwerfällt, dann kann das Betrachten etwa des weiten Sternenhimmels oder einer kleinen Blume in uns Dankbarkeit erwecken und Hoffnung für die Zukunft schenken. Das Gebet gibt der Hoffnung Kraft. Wer betet, erkennt, dass dieses Leben trotz aller Mühen und Prüfungen von Gottes Gnade erfüllt ist.

 

 

Quelle: www.vatican.va

 

Audienz VOM 19.02.2020

 

Liebe Brüder und Schwestern, heute wollen wir die dritte der Seligpreisungen betrachten, die Jesus bei der Bergpredigt verkündet hat: „Selig die Sanftmütigen, denn sie werden das Land erben“ (Mt 5,5). Die Sanftmütigen haben Jesus Christus in seinem Leidensweg vor Augen, der nicht mit Vergeltung antwortete, als er litt, sondern »seine Sache dem gerechten Richter überließ« (1 Petr 2,23). Die „Sanftmütigen“ sind in der Heiligen Schrift die Gerechten, die nur wenig besitzen im Gegensatz zum Frevler, der im Überfluss lebt (vgl. Ps 37,15). Landbesitz ist ein typisches Feld, wo es zu Konflikten kommen kann. Man streitet über ein Stück Land oder will die Vorherrschaft über ein Gebiet gewinnen. So entstehen auch Kriege, bei denen der Stärkere in der Regel fremde Territorien erobert. Die Seligpreisung spricht dagegen vom Land, das die Sanftmütigen „erben“. Dieses Wort erinnert an ein besonderes Land, an das Gelobte Land, das Gott dem Volk Israel als Erbe gegeben hat. Für das neutestamentliche Volk Gottes wird das „Land“ noch mehr: Es handelt es sich um »einen neuen Himmel und eine neue Erde« (vgl. 2 Petr 3,13; Offb 21,1), zu dem die Sanftmütigen und Gerechten unterwegs sind und in dem der Friede, die Hoffnung, das Vertrauen, die Barmherzigkeit und die Brüderlichkeit wohnen.

 

Quelle: www.vatican.va

 

Audienz VOM 12.02.2020

 

Heute betrachten wir die zweite der Acht Seligpreisungen: Selig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden (Mt 5,4). Die Trauer hat in der Heiligen Schrift eine doppelte Bedeutung. Man trauert, weil einem das Leid und der Tod eines lieben Menschen nahegehen oder man beweint die eigenen Sünden, durch die man Gott und dem Nächsten wehgetan hat. Beiden Aspekten ist gemeinsam, dass die Tränen ein Ausdruck der Liebe sind. Solche Trauer hilft uns dabei, den unersetzlichen Wert und die heilige Würde eines jeden Menschen zu erkennen. Auch die Trauer angesichts der eigenen Sünde, darüber, dass man Böses getan und Gutes unterlassen hat, dass man seine Beziehung zu Gott verraten und zu wenig geliebt hat, ist ein Geschenk Gottes, und die Erkenntnis der eigenen Sünden ist ein Werk des Heiligen Geistes. Denken wir an den heiligen Petrus, wie er weinte, als er erkannte, dass er den Herrn verraten hatte. Aufgrund eben dieser Tränen durfte er in der Liebe reifen. Ephrem der Syrer schrieb einmal, dass ein von Tränen gereinigtes Gesicht unsagbar schön sei. Ja, weise und seligzupreisen ist derjenige, der aus Liebe trauert, denn er wird den Beistand des Heiligen Geistes erfahren, jene Zärtlichkeit Gottes, die vergibt und alles zum Guten führt.

 

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Audienz VOM 05.02.2020

 

Liebe Brüder und Schwestern, heute sprechen wir über die erste Seligpreisung: „Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich“ (Mt 5,3). Wir müssen uns fragen, wer mit den Armen gemeint ist. Der Zusatz „vor Gott“ bzw. „im Geist“, wie es im griechischen Text wörtlich heißt, verweist auf den Lebensgeist, der von Gott geschenkt ist, auf unser tiefstes Menschsein. Arm im Geist ist, wer vor Gott sich in seinem Innersten als Bettler erkennt und seine Grenzen anerkennt. Wie oft hören wir, dass wir jemand sein und uns einen Namen machen müssen. Doch diese Sorge um das eigene Ego macht uns nur einsam und unglücklich. In seiner Selbstgefälligkeit fragt der Stolze nicht um Hilfe, und wie schwer fällt es ihm, einen Fehler zuzugeben und um Vergebung zu bitten. Die Armut im Geist ist eine Gnade, die uns den Ausweg aus dieser Mühe zeigt und das Himmelreich verheißt. Die Reiche dieser Welt bieten Güter und Wohlstand, doch sie vergehen alle. Nur der herrscht wirklich, der das wahre Gut mehr als sich selbst zu lieben weiß. Diese wahre Macht sehen wir an Christus, der sein Leben für die Menschen gibt. Sie bedeutet zugleich wahre Freiheit. Die Armut vor Gott müssen wir annehmen, die konkrete Armut von den Dingen der Welt müssen wir suchen, um wirklich frei zu sein und lieben zu können.

 

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Audienz VOM 29.01.2020

 

Liebe Brüder und Schwestern, heute sprechen wir über die erste Seligpreisung: „Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich“ (Mt 5,3). Wir müssen uns fragen, wer mit den Armen gemeint ist. Der Zusatz „vor Gott“ bzw. „im Geist“, wie es im griechischen Text wörtlich heißt, verweist auf den Lebensgeist, der von Gott geschenkt ist, auf unser tiefstes Menschsein. Arm im Geist ist, wer vor Gott sich in seinem Innersten als Bettler erkennt und seine Grenzen anerkennt. Wie oft hören wir, dass wir jemand sein und uns einen Namen machen müssen. Doch diese Sorge um das eigene Ego macht uns nur einsam und unglücklich. In seiner Selbstgefälligkeit fragt der Stolze nicht um Hilfe, und wie schwer fällt es ihm, einen Fehler zuzugeben und um Vergebung zu bitten. Die Armut im Geist ist eine Gnade, die uns den Ausweg aus dieser Mühe zeigt und das Himmelreich verheißt. Die Reiche dieser Welt bieten Güter und Wohlstand, doch sie vergehen alle. Nur der herrscht wirklich, der das wahre Gut mehr als sich selbst zu lieben weiß. Diese wahre Macht sehen wir an Christus, der sein Leben für die Menschen gibt. Sie bedeutet zugleich wahre Freiheit. Die Armut vor Gott müssen wir annehmen, die konkrete Armut von den Dingen der Welt müssen wir suchen, um wirklich frei zu sein und lieben zu können.

 

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Liebe Brüder und Schwestern, heute beginnen wir eine neue Reihe von Katechesen über die Seligpreisungen. Sie bilden den Anfang der Bergpredigt und stellen gleichsam den Personalausweis des Christen dar. Der Herr richtet diese Botschaft an seine Jünger wie auch an die vielen Menschen, die ihm zuhören und für die ganze Menschheit stehen. Jesus knüpft dabei an die Zehn Gebote und an das Gesetz des Alten Bundes an, legt uns aber nicht einfach die Beobachtung von Vorschriften auf. Vielmehr offenbart er uns den Weg, seinen Weg zum Glück. Es ist eine Botschaft der Freude, die aber nicht mit vorübergehenden Genüssen zu verwechseln ist. Diese Freude kann nämlich auch mit dem Leiden bestehen, nicht selten ist sie sogar dessen Frucht. Jede der acht Seligpreisungen gliedert sich in drei Teile: Zuerst steht das Wort „selig“, darauf folgt die Situation der Seligen und schließlich wird der Grund für die Seligpreisung genannt. Dieser findet sich nicht in der beschriebenen Situation, sondern im neuen Leben der Gnade, das Gott uns schenkt. Jesus zeigt uns somit in den Seligpreisungen acht „Türen“ auf, die uns oftmals über unsere Niederlagen hin zur österlichen Freude führen, die von Gott her kommt und das Herz des Menschen zu erfüllen vermag. 

 

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Audienz VOM 22.01.2020

 

Liebe Brüder und Schwestern, alljährlich begehen wir zusammen mit vielen anderen christlichen Gemeinschaften die Gebetswoche für die Einheit der Christen. In diesem Jahr wird sie von Malta und Gozo ausgerichtet und hat die „Gastfreundschaft“ zum Thema. Die Insel Malta erinnert uns an eine Episode aus der Apostelgeschichte, als das Schiff, das Paulus nach Rom bringen sollte, nach einem heftigen Sturm auf offener See treibt. Paulus, der vom Herrn berufen ist, das Evangelium bis an die Enden der Erde zu tragen, ermutigt die Mitreisenden, Vertrauen in Gott zu haben, denn „keinem wird ein Haar von seinem Kopf verloren gehen“ (Apg 27,34). So stranden sie auf Malta, bleiben unverletzt und werden von den Bewohnern der Insel mit „ungewöhnlicher Menschenfreundlichkeit“ (28,2) aufgenommen. Die Einheimischen, welche die Botschaft Christi noch nicht kennen, erweisen den Fremden große Aufmerksamkeit und werden so zu einem Zeichen der Vorsehung Gottes. Ihre Gastfreundschaft wird durch wunderbare Heilungen vergolten, die Gott durch Paulus wirkt. Gastfreundschaft ist auch eine wichtige Tugend für die Ökumene. Sie beschenkt den Geber. Wo wir unsere Brüder und Schwestern in Christus aufnehmen, erhalten wir sie als Geschenk zurück. Die geistlichen Gaben, die von ihnen ausgehen, bringen auch für uns reiche Frucht. 

 

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Audienz VOM 15.01.2020

 

Wir beschließen die Katechesenreihe über die Apostelgeschichte mit der letzten Etappe der Missionsreisen des Apostels Paulus, die ihn nach Rom führt. Obwohl er hier unter Hausarrest steht, kann Paulus doch viele Brüder und Schwestern empfangen und im Glauben bestärken und das Evangelium weiter ungehindert und in allem Freimut verkünden. Sein Haus wird so zu einem Bild für die Kirche, die aller Unbill zum Trotz mit ihrem mütterlichen Herzen allen Menschen die Liebe des himmlischen Vaters bezeugt, die in Jesus Christus sichtbar in dieser Welt erschienen ist. Dabei kommt es auch zu einer Begegnung mit Vertretern der jüdischen Gemeinde, und Paulus, selbst ein Jude, versucht ihnen anhand der Schrift darzulegen, dass Jesus Christus die Erfüllung aller Erwartung und Hoffnung des auserwählten Volkes ist. Der irdische Lebensweg des Apostels Paulus geht hier zu Ende, das Evangelium jedoch, das Paulus von Jerusalem nach Rom gebracht hatte, wird seine Reise zu den Völkern vom Herzen des Reiches aus noch wirkungsvoller fortsetzen. Die Reisen des Paulus sind ein Beweis dafür, dass der Glaube alle Situationen verwandeln und immer neue Wege eröffnen kann, dass selbst menschliche Schwäche und Begrenztheit sowie alle äußeren Hindernisse zum Ort des Heils werden können, weil gerade dort die Kraft und Macht Gottes in besonderer Weise hervortritt.

 

 

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Audienz VOM 08.01.2020

 

Liebe Brüder und Schwestern, in unseren Katechesen über die Apostelgeschichte sprechen wir heute über die Schiffsreise des Paulus als Gefangener auf dem Weg nach Rom. Von Anfang an traf diese Reise auf widrige Umstände. In Kreta wurde die Warnung des Paulus vor einer Weiterfahrt in den Wind geschlagen. So geriet dann das Schiff in einen Seesturm und trieb tagelang auf dem Meer. Als der Tod nahe schien und Verzweiflung um sich griff, sprach Paulus als Mann des Glaubens allen Mut zu. Auch in der Bedrängnis hörte er nicht auf, sich um das Leben der anderen zu kümmern und Hoffnung zu schenken. Beim Schiffbruch vor der Insel Malta wurden alle gerettet, und dieses Unglück wurde zu einem Moment der Vorsehung. Der schiffbrüchige Paulus bekam Gelegenheit, den Menschen dort die Botschaft Jesu zu verkünden und Kranke zu heilen. Es ist dies gleichsam ein Gesetz des Evangeliums: Wenn ein Gläubiger Gottes Heil erfährt, behält er es nicht für sich, sondern schenkt es weiter. Ein Christ, der Prüfungen durchgemacht hat, kann anderen Leidtragenden besonders nahekommen und im Herzen sensibel sein für die Solidarität mit den anderen.

 

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