Ablaß im Heiligen Jahr

Warum gibt es Ablässe? Was schenkt uns die Kirche damit?

 

Wir Menschen sind nicht perfekt – weder die anderen noch ich selbst. Auch mit bestem Willen und äußerster Anstrengung gelingt es einem Menschen nicht fehlerlos zu sein. 

 

Gott hält deswegen Ausschau nach uns, er streckt uns die offene Hand entgegen. Der Vater wartet. – Nicht um zu verurteilen, sondern um zu heilen, zu vergeben.  Ablässe sind Gnadengeschenke an uns Menschen, wir können sie für uns selbst oder im Geist für andere (z.B. an Verstorbene oder andere Lebende) erbitten.

 

 

Durch die Ablässe soll die Freude und Dankbarkeit der Christen gefördert werden, ebenso wie die Liebe zu Gott. Das soll uns Menschen zur Heiligkeit führen. „Die Gläubigen sollen angeleitet werden sich enger mit Christus, dem Haupt, und mit der Kirche, seinem Leib, in Liebe zu verbinden, indem sie – angespornt durch die Ablassgewährungen – die Werke der Frömmigkeit, Barmherzigkeit und Buße üben“. 

 

 „Ablass ist der Nachlass zeitlicher Strafe vor Gott für Sünden, deren Schuld schon getilgt ist; ihn erlangt der entsprechend disponierte Gläubige unter bestimmten festgelegten Voraussetzungen durch die Hilfe der Kirche, die im Dienst an der Erlösung den Schatz der Sühneleistungen Christi und der Heiligen autoritative verwaltet und zuwendet“. 

 

„Ein Ablass ist Teilablass oder vollkommener Ablass, je nachdem, ob er von der zeitlichen Strafe, die für die Sünden zu verbüßen ist, teilweise oder ganz befreit. 

 

In der katholischen Lehre wird unterschieden zwischen Sündenschuld und Sündenstrafe. 

 

Mit jeder schlechten Tat (Sünde, lässlich oder schwer), die ich begehe, lade ich eine Schuld auf mich, die vor Gott besteht. Die Sünde wird mir im Bußsakrament vergeben, aber die Strafe bleibt. Es ist eine Folge der Sünde, dass ich eine Strafe zu erleiden habe, für das, was ich getan habe. Diese Strafe kann durch die Gewinnung eines Ablasses getilgt werden. In der Beichte wird die Sünde vergeben, die Verletzungen aber bleiben. Wie z.B. nach einer OP: wenn ein Geschwür entfernt wurde, bleibt eine Narbe. 

 

Der Empfang der hl. Sakramente und die Ablässe, die man im Stand der Gnade erwerben kann, sind Medizin für die Verletzungen der Seele.

 

„Einen vollkommenen Ablass kann man nur einmal am Tag gewinnen, einen Teilablass dagegen mehrmals“.  

 

Zur Gewinnung eines vollkommenen Ablasses sind folgende Bedingungen erforderlich:

  • Sakramentale Beichte. „Stand der Gnade“ Nach der sakramentalen Beichte ist der Gläubige im frischen Taufzustand – im Stand der Gnade.
  • Eucharistische Kommunion.Teilnahme an der Hl. Messe und Empfang der Eucharistie, oder Krankenkommunion
  • Gebet nach Meinung des Hl. Vaters. Es ist frei wählbar, welches Gebet man für den Papst beten möchte: z. B. Vater unser oder Ave Maria oder auch ein anderes Gebet zu sprechen, das der persönlichen Frömmigkeit und Verehrung entspricht .
  • Freisein von jeder Anhänglichkeit an irgendeine auch lässliche Sünde. 
  • „Das zur Gewinnung eines vollkommenen Ablasses, der an eine Kirche oder Kapelle gebunden ist, vorgeschriebene Werk besteht im andächtigen Besuch, bei dem das Gebet des Herrn und das Glaubensbekenntnis („Vaterunser“ und „Credo“) gesprochen wird, wenn nicht in der Gewährung anderes bestimmt ist“.  

 

Gewährung des vollkommenen Ablasses:

  • Anbetung des Allerheiligsten Altarssakramentes, wenigstens eine halbe Stunde lang.
  • Die Kreuzwegandacht.
  • Das Rosenkranzgebet in einer öffentlichen Kapelle, in der Familie, in der Ordensgemeinschaft oder in einer frommen Vereinigung und überhaupt mit mehreren Gläubigen, die zu einem edlen Zweck zusammenkommen.
  • Die andächtige Lesung der Heiligen Schrift, wenigsten eine halbe Stunde lang.
  • Päpstlicher Segen – Urbi et Orbi. Dies gilt auch, wenn der Gläubige, der aus einem vernünftigen Grund während der Feier nicht persönlich anwesend sein kann, über Fernsehen oder Rundfunk in frommer Gesinnung an der Segensspendung teilnimmt.
  • Ein vollkommener Ablass wird auch nach geistlichen Übungen (Exerzitien) gewährt, die sich wenigstens auf drei Tage erstrecken.
  • Bei der Mitfeier der Karfreitagsliturgie und Teilnahme an der Kreuzverehrung.
  • Bei der Mitfeier der Osternachtsliturgie und bei der Erneuerung der Taufversprechen.
  • Beim Friedhofsbesuch in frommer Gesinnung und Gebet für die Verstorbenen in der Zeit vom 2.-8.11. 
  • Beim Besuch einer Kirche oder Kapelle am 2. November (Allerseelentag) in frommer Gesinnung und beim Gebet des Vaterunsers und des Glaubensbekenntnis.

 

Gewährung des Vollkommenen Ablasses beim andächtigen Gebet des Herrn und das Glaubensbekenntnis bei

  • Besuch einer der vier Patriarchalbasiliken Roms
  • Besuch einer Basilika niederen Grades (Basilica minor) – am Hochfest der Apostel Petrus und Paulus, am Titularfest der Kirche, am 2. August (Portiuncula-Ablass), einmal im Jahr an einem beliebigen Tag nach der Wahl des Gläubigen
  • Im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit die Hl. Porte nach einer Wallfahrt zu durchschreiten und eine Betrachtung über die göttliche Barmherzigkeit zu halten .

Für einen vollkommenen Ablass gibt es strengere Bedingungen. Ob die Bedingungen erfüllt sind, weiß nur der liebe Gott – und unser Gewissen! Natürlich ist es auch abhängig davon, wie viel Liebe wir Gott entgegenbringen und wie viel aufrichtige Reue wir erwecken.

 

Teilablässe können auch gewonnen werden:

  • „Ein Christgläubiger kann einen Teilablass gewinnen, wenn er einen der folgenden rechtmäßig gesegneten Andachtsgegenstände in frommer Gesinnung benutzt: Kruzifix, Kreuz, Rosenkranz, Skapulier, Medaille“. 
  • Wer bei seiner Pflichterfüllung und in den Mühen des alltäglichen Lebens mit Demut und Vertrauen auf Gott blickt, und z.B. zwischendurch Stoßgebete betet .
  • Wer, geleitet vom Geiste des Glaubens und bramherzigen Sinnes, sich selbst oder seine Güter in den Dienst an den notleidenden Brüdern und Schwestern stellt .
  • Wer auf eine erlaubte Annehmlichkeit im Geist der Buße verzichtet .
  • Wer in einer besonderen Situation des täglichen Lebens vor anderen offen seinen Glauben bezeugt .